Stark machen für MINT-Studiengänge

22.09.2011
Von: HS.R, Stadt, Uni, Freunde der Uni, Freunde der HS.R

Gutachten des Fraunhofer Instituts belegt: Regensburg hat Kompetenzen und Bedarf zur Stärkung der Regensburger Hochschulen im Bereich MINT. Hochschule Regensburg (HS.R) strebt zu Recht den Titel "Technische Hochschule" an.

Im Alten Rathaus: (von links) Dr. Jürgen Helmes, Vorsitzender der Freunde der Universität e.V., Prodekan der Universität Regensburg Prof. Dr. Oliver Reiser, Oberbürgermeister Hans Schaidinger, HS.R-Präsident Prof. Dr. Josef Eckstein und Dipl.-Ing. (FH) Johann Spiess, Vorstand des Vereins der Freunde der Hochschule Regensburg e.V. Foto: Feuerer

Zwei von drei Unternehmen im IHK-Bezirk können schon heute ihren Bedarf an Ingenieuren, Informatikern und Naturwissenschaftlern nicht mehr aus der Region decken. Die Zahl der mangels Nachwuchs unbesetzten Stellen in den MINT Qualifikationen ist vierstellig. Dies bestätigt ein am Donnerstag, 22. September 2011, gemeinsam von der Stadt, Universität und Hochschule Regensburg vorgestelltes Gutachten der Fraunhofer Gesellschaft. Um diesem Trend, der sich in den nächsten Jahren aufgrund des demographischen Wandels noch weiter verstärken wird, entgegentreten zu können, müssen die Kapazitäten der Regensburger Hochschulen im Bereich MINT weiter massiv ausgebaut werden – in Lehre wie in Forschung und Entwicklung. Im Ergebnis macht das Gutachten deutlich, dass die Hochschule Regensburg zu Recht ihren Anspruch auf den Titel Technische Hochschule formuliert.

"Das Gutachten belegt unsere gute abgestimmte Vernetzung mit der Wirtschaft und den Unternehmen der Region und die Bedeutung der Hochschule Regensburg als eine der großen technischen Hochschulen in Bayern", sagt Prof. Dr. Josef Eckstein, Präsident der Hochschule Regensburg. Für ihn bestätigt es auch die großen Erwartungen an die HS.R, gerade in den Bereichen Elektro- und Informationstechnik, Informatik, insbesondere technische Informatik sowie Maschinenbau und Produktions- und Automatisierungstechnik Kapazitäten und Stärken weiter auszubauen. Das gilt für die Lehre, die Studienplätze und den Wissenstransfer, vor allem aber für die Forschung, die durch zusätzliche Ressourcen nach Meinung von HS.R-Präsident Prof. Dr. Eckstein gestärkt werden muss. Dazu bedarf es zusätzliche Forschungsprofessuren mit Mittelbaustellen und entsprechender Ausstattung.    

Die Ankündigung des Wissenschaftsministers Dr. Heubisch Anfang des Jahres 2010, über eine zweite Technische Universität in Bayern nachzudenken  sowie die Veröffentlichung des Gutachten des Zukunftsrates der Staatsregierung zur Weiterentwicklung des Freistaates Bayern haben in den lvergangenen Monaten sehr kontroverse und zum Teil emotional geführte Diskussionen darüber ausgelöst, wie und wo die bayerische Hochschullandschaft insbesondere in den sogenannten MINT- Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gestärkt und weiter ausgebaut werden muss.

Tatsache ist, dass bereits heute in weiten Teilen Bayerns Fachkräfte sowie Spitzenkräfte in den MINT- Disziplinen fehlen und der demographische Wandel auch in Bayern keinesfalls zu einer Entspannung der heutigen Situation beitragen wird. In den Unternehmen hat der Kampf um die besten Köpfe bereits begonnen.

Gerade für den Freistaat wird es aber für seine wirtschaftliche Entwicklung entscheidend sein, dass die bayerischen Unternehmen auch in Zukunft genügend hochqualifizierte Mitarbeiter akquirieren können. Sie brauchen innovative Mitarbeiter, um auch in Zukunft an der Spitze der technologischen Entwicklung zu stehen. Ein Abrutschen ins technologische Mittelfeld hätte gerade für den High Tech Standort Bayern verheerende Folgen.

Regensburg hat sich daher schon im Februar 2010 in einem gemeinsam vom Rektor der Universität  Regensburg Prof. Dr. Thomas Strothotte, vom Präsidenten der Hochschule Regensburg Prof. Dr. Josef Eckstein und vom OB Hans Schaidinger unterzeichneten Schreiben an den Staatsminister Dr. Heubisch offiziell um die zweite Technische Universität in Bayern beworben und dem Freistaat erläutert, warum für Regensburg und die Region Ostbayern eine Aufwertung der Hochschullandschaft im MINT- Bereich schon in naher Zukunft lebensnotwendig sein wird.

Parallel dazu haben die Stadt sowie die beiden Hochschulen und deren Fördervereine gemeinsam ein Gutachten beim Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe) in Auftrag gegeben, um das Ausbaupotenzial der Regensburger Hochschulen im MINT Bereich im Detail zu untersuchen. Fraunhofer ISI hat seine Kompetenz in derartigen Untersuchungen bereits mehrfach bewiesen, zuletzt bei der Evaluation der bayerischen Cluster-Offensive 2010.

Nach einem Bearbeitungszeitraum von rund acht Monaten liegen jetzt die Ergebnisse vor und lassen keinen Zweifel daran, dass Regensburg zum einen ideale Voraussetzungen bietet, um die Kompetenzen im MINT- Bereich in Bayern zu stärken und zum anderen die Region in und um Regensburg einen derart hohen Bedarf an akademisch ausgebildeten Fachkräften im MINT Bereich aufweist, dass eine Stärkung und ein weiterer Ausbau der Hochschulkapazitäten sowohl in der Lehre als auch im Bereich der Forschung und Entwicklung für eine weiterhin positive Entwicklung der Region unabdingbar ist.

Eine Befragung der Unternehmen in Wirkungsbereich der IHK Regensburg und Kelheim durch die Fraunhofer Gesellschaft macht deutlich, dass bereits heute schon knapp 60 Prozent der Unternehmen aktuell und zukünftig ein Unterangebot von qualifizierten Berufsanfängern auf dem regionalen Arbeitsmarkt sehen, bei den innovativen Unternehmen sind es bereits 75 Prozent.

Noch deutlicher zeigt sich der Fachkräftemangel dadurch, dass bereits mehr als 30 Prozent der Unternehmen des IHK- Bezirks mangels akademisch ausgebildeter Berufsanfänger offene Stellen unbesetzt lassen müssen. Ein Potenzial an hochwertigen Arbeitsplätzen im deutlich vierstelligen Bereich bleibt so ungenutzt, mit dramatischen Auswirkungen auf die Innovationskraft vor allem mittelständischer Unternehmen der Region.

Auch hinsichtlich der Qualifikation der gesuchten Mitarbeiter gibt das Gutachten detailliert Auskunft: Es sind vor allem vier Bereiche, in denen ein erhebliches Angebotsdefizit heute und in Zukunft gesehen wird:

Dies sind die Bereiche

• Informatik/ Mathematik,
• Elektrotechnik / Leistungselektronik,
• Maschinenbau / Fertigungstechnik / Produktionstechnik sowie
• Materialwissenschaften/ Halbleitertechnik/ Optische Technologien,

für die das Fraunhofer Gutachten eine deutliche Stärkung sowohl der Anzahl der Studienplätze, als auch eine spürbare Erhöhung der Kapazitäten in den über den Bachelor hinausgehenden Ausbildungsmöglichkeiten (Master, PhD) einfordert.

Aber auch bei den  Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sieht das Gutachten noch deutlichen Spielraum nach oben, obwohl das Gutachten dem Wissenschaftsstandort Regensburg bereits heute ein sehr gutes Zeugnis ausstellt, beispielsweise für die breit aufgestellten angewandten F&E- Aktivitäten der Hochschule Regensburg im Bereich der Ingenieurswissenschaften, die außerordentlichen Forschungsaktivitäten der Universität in den Bereichen Medizin und Naturwissenschaften und für den Transfer von umsetzungsrelevanten Entwicklungsergebnissen in die Region durch die Hochschule Regensburg.

In den Handlungsempfehlungen für den Wissenschaftsstandort Regensburg sprechen sich die Gutachter u.a. dafür aus,     

• sowohl an Hochschule wie auch an der Universität die MINT Schwerpunkte zu stabilisieren und deren Ausbau in den vier genannten Schlüsselbereichen prioritär in die strategischen Planungen aufzunehmen
• die Einrichtung einer technischen Fakultät an der Universität um die bereits existierenden Studiengänge wie z.B. Medieninformatik, Computational Science und Computational Physics voranzutreiben
• zielgerichtet die bestehenden F&E Kapazitäten an der Hochschule Regensburg auszubauen
• die bestehenden Forschungs- und Lehrangebote beider Hochschulen zu kombinieren und gemeinsam weiterzuentwickeln sowie
• die hochschulkomplementäre Forschung in Zusammenhang mit den beiden Fraunhofer Arbeitsgruppen (Chemo- und Biosensorik, Lebenswissenschaften) auszubauen.


Stimmen zum Gutachten:

OB Hans Schaidinger

Das Gutachten bestätigt, dass es unsere Hochschulen verdient haben, in den künftigen Ausbauplänen der Staatsregierung in den MINT Fächern besonders berücksichtigt zu werden und dass unsere Region diesen Ausbau dringend nötig hat. Damit meine ich nicht nur die Stadt Regensburg sondern auch den sich anschließenden ländlichen Raum, der in gleicher Weise von einem Ausbau der Regensburger Hochschullandschaft profitieren würde.

Dieter Daminger, Wirtschafts- und Finanzreferent

Neben viel Lob legt das Gutachten die Finger in die offenen Wunden: Insbesondere in den Technologiebereichen Informatik, Elektrotechnik, Materialwissenschaften und Maschinenbau besteht in Regensburg erheblicher Handlungsbedarf für die bayerische Staatsregierung - beim Ausbau der Lehre und der Forschung-. Für Regensburg heißt dies langfristig: Aufbau einer technischen Fakultät an der Universität, Ausbau der Hochschule Regensburg zur TH und Gründung zweier Fraunhofer Institute in den Bereichen Sensorik und Lebenswissenschaften. Die Stadt Regensburg wird hierfür ihre Hausaufgaben machen und mit dem TechCampus die infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen.  Auf Hochschulseite ist jetzt der Freistaat gefordert. 

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