Spannende Vorträge und Einblicke in innovative Methoden beim Studientag

26.11.2019
Von: Prof. Dr. Sonja Haug, Dr. Caroline Dotter

„Der Mensch im Mittelpunkt. Beispiele und Methoden nutzerzentrierter Designs“ war das Motto des Studientags, der 2019 bereits zum sechsten Mal stattfand und interessante Einblicke in innovative Methoden gab.

Prof. Dr. Christiane Hellbach, Vizepräsidentin der OTH Amberg-Weiden und stellvertretende Clustersprecherin, beim Studientag 2019 des Forschungsclusters „Ethik, Technologiefolgenforschung und Nachhaltige Unternehmensführung“ (ETN).

Prof. Dr. Christiane Hellbach, Vizepräsidentin der OTH Amberg-Weiden und stellvertretende Clustersprecherin, beim Studientag 2019 des Forschungsclusters „Ethik, Technologiefolgenforschung und Nachhaltige Unternehmensführung“ (ETN). Foto: Karsten Weber

Die Vortragenden und das Organisationsteam des Studientags (von links): Dr. Caroline Dotter, Prof. Dr. Markus Heckner, Annabell Mehne M.A., Prof. Dipl.-Des. Martin Frey, Prof. Dr. Christiane Hellbach, Dip.-Ing. MBA Dita Hommerová Ph.D., Prof. Dr. Sonja Haug, Prof. Dr. Karsten Weber, Tobias Saller.

Die Vortragenden und das Organisationsteam des Studientags (von links): Dr. Caroline Dotter, Prof. Dr. Markus Heckner, Annabell Mehne M.A., Prof. Dipl.-Des. Martin Frey, Prof. Dr. Christiane Hellbach, Dip.-Ing. MBA Dita Hommerová Ph.D., Prof. Dr. Sonja Haug, Prof. Dr. Karsten Weber, Tobias Saller. Foto: Ricarda Rohrer

Konzentriertes Arbeiten während der Design-Thinking-Workshops – eines der interessanten Angebote beim Studientag des Forschungsclusters „Ethik, Technologiefolgenforschung und Nachhaltige Unternehmensführung“ (ETN) an der OTH Regensburg.

Konzentriertes Arbeiten während der Design-Thinking-Workshops – eines der interessanten Angebote beim Studientag des Forschungsclusters „Ethik, Technologiefolgenforschung und Nachhaltige Unternehmensführung“ (ETN) an der OTH Regensburg. Foto: Ricarda Rohrer

Am 9. November 2019 fand an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) bereits zum sechsten Mal der vom Forschungscluster Ethik, Technologiefolgenforschung und Nachhaltige Unternehmensführung (ETN) ausgerichtete Studientag statt. Das Thema 2019 lautete: „Der Mensch im Mittelpunkt. Beispiele und Methoden nutzerzentrierter Designs“. 

Eingeladen waren alle interessierten Studierenden der OTH Regensburg und der OTH Amberg-Weiden, die unabhängig von ihren Studienfächern mehr über das Thema erfahren wollten. Im Rahmen zweier parallel stattfindender Workshops konnten Studierende auch die Design-Thinking-Methode kennenlernen. 

Methoden und Beispiele menschenzentrierten Designs

Eine interdisziplinäre Gruppe von knapp 60 Studierenden beider Hochschulen nutzte den Studientag, um sich über Methoden und Beispiele menschenzentrierten Designs zu informieren. Teilnehmende Studierende kamen aus den Fakultäten Maschinenbau, Betriebswirtschaft, Angewandte Natur- und Kulturwissenschaften, Informatik und Mathematik sowie den Angewandten Sozial- und Gesundheitswissenschaften.

Der Präsident der OTH Regensburg, Prof. Dr. Wolfgang Baier, verwies in seiner Begrüßung auf die Erfolgsgeschichte des Studientags, der bereits zum sechsten Mal in Folge stattfand, und zeigte sich erfreut über die gelebte Interdisziplinarität an der Ostbayerischen Technischen Hochschule. Angesichts des 30. Jahrestags zum Fall der Berliner Mauer, aber vor allem in Erinnerung an die November-Pogrome gegen Juden in Deutschland vor 81 Jahren rief der Präsident zur individuellen Verantwortungsübernahme für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft auf.

Die Vizepräsidentin der OTH Amberg-Weiden und stellvertretende Clustersprecherin Prof. Dr. Christiane Hellbach schaffte dann eine gelungene Überleitung zum Thema des Studientags. Mit dem Zitat des  Marketingwissenschaftlers Prof. Werner Maria Kroeber-Riel „Ihr müsst stets aus den Köpfen der Kunden denken“ schaffte sie den Bezug zu einem nutzerzentrierten Ansatz bei der Entwicklung von Produkten und Services.

Interdisziplinärer Charakter des Studientags

Den Vormittag prägten drei Impulsvorträge, die gemäß dem interdisziplinären Charakter des Studientags unterschiedliche Bereiche vorstellten. Durch das Programm führte Prof. Dr. Karsten Weber.

Beispiel Margaretenau: energetische Gebäudesanierung

Die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Sonja Haug und der Architekt Tobias Saller zeigten, wie die Sichtweisen der Bewohnerinnen und Bewohner bei einer energetischen Gebäudesanierung berücksichtigt werden können. Als Beispiel für eine nutzerzentrierte Planung wurden nachhaltige Gebäudesanierung und Sanierungsmanagement im Wohnquartier der Margaretenau Regensburg vorgestellt.

In der von Prof. Dr. Haug geleiteten Haushaltsbefragung in der Wohnbaugenossenschaft Margaretenau zeigte sich eine hohe Zustimmung zur geplanten Photovoltaikanlage auf dem Dach mit genossenschaftlich organisierter Stromgewinnung. Der Bedarf an barrierefreien Wohnungen fiel hingegen geringer, als erwartet, aus.

Tobias Saller wies auf Möglichkeiten hin, ökologische und soziale Aspekte bei der Haustechnik zu verbinden: „Die Wassermenge an der Dusche des Einzelnen bestimmt die Größe der Energiezentrale“. Ein „Sparduschkopf“, der den Warmwasserverbrauch um zirka 33 Prozent verringert, spart Energie ohne spürbare Einbußen in der Lebensqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Circular Design richtet Fokus auf Nachhaltigkeit

Prof. Martin Frey, als Diplom-Designer zuständig für Design und Produktion digitaler Medien an der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik der OTH Amberg-Weiden, zeigte den Weg vom Human Centered Design zum Circular Design auf. Demnach ist es relevant, dass neben menschlichen Bedürfnissen, der technischen Machbarkeit und der wirtschaftlichen Rentabilität auch Nachhaltigkeit beim Entwurfsprozess eines neuen Produkts eine Rolle spielt. Prof. Frey rief dazu auf, auch die Lebensdauer und Möglichkeiten zum Recycling bei der Produktentwicklung zu bedenken.

User Centered Design in der Softwareentwicklung

Prof. Dr. Markus Heckner, Professor für Medieninformatik an der OTH Regensburg mit einem Schwerpunkt auf Usability Engineering, argumentierte für User Centered Design in der Softwareentwicklung. Er stellte Design Thinking als Methode vor, damit Nutzerinnen und Nutzer bereits früh in den Entwicklungsprozess neuer Produkte und Prozesse einbezogen werden. Damit ließen sich bereits in einer frühen Planungsphase Fehleinschätzungen vermeiden, die zu unbrauchbarer Technik führen. Als Negativbeispiel einer Produktentwicklung, die nicht am Menschen ansetzte, führte er die „CueCat“ an.

Ausprobieren können Studierende aller Fakultäten diese Methode in der Lehrveranstaltung „Design Thinking“, die Prof. Dr. Markus Heckner, Prof. Dr. Rosan Chow und Prof. Dr. Patrick Saßmannshausen jedes Semester anbieten.  

Nachmittag mit der Innovationsmethode Design Thinking

Nach dem Mittagessen wurden im Rahmen parallel stattfindender Workshops unter Leitung von Dr. Caroline Dotter und Annabell Mehne die Design-Thinking-Methode vorgestellt und im Format „Innovation in 90 Minuten“ von den Studierenden angewandt.

Die Studierenden mussten innerhalb von 90 Minuten neue Lösungen für lebensnahe Probleme wie „Die Fahrt zur Hochschule“, „Lebensmittel einkaufen“ oder „Sport machen“ finden. Dabei konnten sie den Design-Thinking-Prozess und ausgewählte Methoden kennenlernen. In der kurzen Zeit wurden spannende nutzerzentrierte Lösungen entwickelt und vorgestellt.

Am Ende des Tages stand eines fest: Beteiligungsformen bei der Planung und menschzentriertes Design sind aufwändig und erfordern einen neuen Blick auf die Anwenderinnen und Anwender, sind aber auch systematisch erlernbar und machen Spaß. 

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