Rüstzeug für die berufliche Zukunft mittels Laborpraktikum

02.05.2019
Von: Tanja Rexhepaj

Eine gelungene Kombination aus Theorie und Praxis zählt für Prof. Dr. Wolff im Bauingenieurwesen zu den Grundpfeilern guter Lehre. – Unter dem Titel „Serie: Lehre“ stellen wir ausgewählte Beispiele aus den acht Fakultäten der OTH Regensburg vor, die einen Einblick in die Vielfalt der Lehre geben.

Im Praktikum vermittelt Prof. Dr. Thomas Wolff den Studierenden das Fachwissen zur Scherfestigkeit an Lockergesteinen auf anschauliche Art und Weise: „Geht ran und hört, wie das knirscht“.

Im Praktikum vermittelt Prof. Dr. Thomas Wolff den Studierenden das Fachwissen zur Scherfestigkeit an Lockergesteinen auf anschauliche Art und Weise: „Geht ran und hört, wie das knirscht“. Foto: Florian Hammerich, OTH Regensburg

„Begründet durch die gesellschaftliche Verantwortung, die zukünftigen Generationen der Bauingenieurinnen und Bauingenieure auszubilden, hat die Lehre für mich nicht nur wegen der Vermittlung theoretischer Zusammenhänge, sondern auch im Erzieherischen einen sehr hohen Stellenwert.“ – Dr. Thomas Wolff ist Professor an der Fakultät Bauingenieurwesen der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) und lehrt im Fach Geotechnik. Er bringt Erfahrungen aus seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bauhaus-Universität Weimar und als Dozent an der Weiterbildungsakademie Weimar mit. Aber auch seine beruflichen Tätigkeiten, zum Beispiel als Projekt- und stellvertretender Niederlassungsleiter der Firmen Hochtief und Porr, gehören zu seinem Rüstzeug für die Lehre. 

Praktikum im Labor ergänzt die Vorlesung

Das Hochschulmagazin „OTH Regensburg aktuell“ besuchte ihn in seinem Praktikum „Ingenieurgeologie und Bodenmechanik“ im Labor J 003. Das Praktikum findet ergänzend zur gleichnamigen Vorlesung im zweiten Semester des Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen statt und ist eine Pflichtveranstaltung. „Eine gelungene Kombination aus theoretischem Hintergrundwissen und praktischer Anwendung“ zählt für Prof. Dr. Wolff zu den Grundpfeilern der guten Lehre. Mit Labormeister Karl Griesbeck bildet er ein eingespieltes Team; dieser bereitet im Vorfeld die durchzuführenden Versuche vor und ergänzt Prof. Dr. Wolffs Ausführungen auf Augenhöhe.

Für die anderthalb Stunden an diesem Mittwochnachmittag geht es in zwei Experimenten unter anderem um die Scherfestigkeiten an Lockergesteinen. Die Gruppe aus sechs Studierenden lernt zunächst mittels Tafelanschrieb wiederholend die Theorie und die Versuchsanordnung kennen. Dann soll an einem zylindrischen Probekörper die einaxiale Druckfestigkeit ermittelt werden. Kraft und Verformung des Körpers werden gemessen und in einem Diagramm zur Auswertung dargestellt. 

Vom theoretischen Hintergrund zum praktischen Versuch

Anschließend folgt der Triaxialversuch: Die Studierenden stellen die Probekörper her und bringen den Zelldruck auf. Werte zur Scherfestigkeit werden ermittelt. „Geht ran und hört, wie das knirscht“, fordert Prof. Dr. Wolff die Studierenden auf, als der Zylinder in eine Presse eingespannt ist. Fachausdrücke wie „Moorsche Spannungskreise“ und die jeweiligen DIN-Normen bekommen die Studierenden an den entsprechenden Stellen mitgeliefert.

„Das Praktikum hat sich insoweit bewährt, dass die Studierenden mit dem Thema viel nachhaltiger umgehen, als hätte ich allein in der Vorlesung die Theorie gelesen“, sagt Prof. Dr. Wolff. Sein Ziel ist es, die Studierenden für die jeweilige Fragestellung zu sensibilisieren und im Idealfall ein intrinsisches Bedürfnis zu wecken, sich nach der Veranstaltung nochmals mit der Thematik zu beschäftigen.

Mit Geduld Sachverhalte unterschiedlich erklären

Auf dem Weg dorthin bedient sich Prof. Dr. Wolff gern einer Kombination altbewährter Methoden wie dem Tafelanschrieb und moderner digitaler Medien – und zieht seine eigene Motivation bisweilen aus ganz privater Quelle: Die Geduld seiner Eltern, Dinge auf unterschiedliche Weise zu erklären, um Verständnis zu wecken, sei ihm Vorbild und Ansporn zugleich. 

Wie in jedem Semester bietet Prof. Dr. Wolff auch im kommenden Sommersemester die Vorlesungen „Geotechnik I“ und „Tunnelbau“ an, worauf er sich immer wieder freut: „Weil die Studierenden das Wissen wollen und es förmlich aufsaugen.“ Im Masterstudium „Bauen im Bestand“ bietet er zudem eine Wahlpflicht-Veranstaltung zur Ertüchtigung von Erd- und Grundbauwerken an, die wegen des speziellen Interesses der Studierenden und der regelmäßigen Baustellenexkursionen durch eine sehr gute Interaktion zwischen Studierenden und Dozent geprägt ist.

Dieser Beitrag erschien auf Seite 4 der Ausgabe 01/2019 von „OTH Regensburg aktuell“.

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