„Psychisch fit studieren“

02.12.2019
Von: Andrea März-Bäuml, Katharina Schryro

Der Verein Irrsinnig Menschlich e. V. informierte Studierende an der OTH Regensburg über Möglichkeiten der Prävention und Gesundheitsförderung bei psychischen Belastungen.

Am 5. November 2019 informierte der Verein Irrsinnig Menschlich e. V. rund 30 Studierende zum Thema "Psychisch fit studieren".

Am 5. November 2019 informierte der Verein Irrsinnig Menschlich e. V. rund 30 Studierende zum Thema "Psychisch fit studieren". Foto: Irrsinnig Menschlich e. V.

Erfolgsdruck, finanzielle Probleme oder die Angst davor, keinen sozialen Anschluss zu finden, sind nur einige der Faktoren, die die psychische Gesundheit gefährden. Am 5. November 2019 informierte der Verein Irrsinnig Menschlich e. V. im Rahmen eines deutschlandweiten Programms an der OTH Regensburg über Präventionsmöglichkeiten und Maßnahmen der Gesundheitsförderung bei psychischen Belastungen, um Studierende, Lehrende und Forschende für seelische Krisen und Notlagen zu wappnen. Die Veranstaltung, an der rund 30 Studierende teilnahmen, wurde von der Gesunden Hochschule, dem Referat Gender und Diversity und der psychosozialen Beratungsstelle der OTH Regensburg organisiert. Vizepräsidentin Prof. Dr. Klaudia Winkler begrüßte die Anwesenden und bedankte sich bei den Referierenden Stefan Korn und Anna Feuerbach, die extra aus Leipzig bzw. Nürnberg angereist kamen, sowie bei den zahlreichen Mitarbeitenden der Beratungsstellen, die an Informationsständen vor dem Hörsaal für persönliche Gespräche zur Verfügung standen.

In seinem Fachvortrag präsentierte der Arbeitspsychologe Stefan Korn Daten und Fakten zur psychischen Gesundheit in Deutschland. Bundesweit leiden demnach 25 % der Studierenden unter psychischen Beeinträchtigungen; 75 % aller psychischen Erkrankungen treten vor dem 24. Lebensjahr auf. Zu den Erkrankungen zählen Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen und nicht selten vergehen zwischen dem Auftreten der Symptome und der Behandlung acht bis zehn Jahre. Auch deshalb ist Suizid eine der weltweit führenden Todesursachen unter Studierenden. Aber auch wenn es weniger tragisch verläuft, sind viele Studienabbrüche auf psychische Belastungen zurückzuführen. Überforderung im Studium, ein geringes Selbstwertgefühl sowie negative Bewältigungsmuster belasten die psychische Gesundheit. Stefan Korn wies darauf hin, dass es wichtig sei, die Warnsignale frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen. Zu diesen Warnsignalen zählen unter anderem:

  • Sorgen, Ängste, Aufregung, Rastlosigkeit und negative Gedanken nehmen zu.
  • Das Selbstvertrauen schrumpft und die Unentschlossenheit wächst.
  • Überempfindlichkeit, Wut und Launen steigen.
  • Die Leistungsfähigkeit sinkt.
  • Der Alkohol- und Drogenkonsum nimmt zu.
  • Es treten Verhaltensweisen wie Spiel-, Internet-, Sex- und Arbeitssucht auf.
  • Schlafstörungen und Erschöpfung halten an.
  • Es kommt zu Selbstverletzungen, Isolation oder Essstörungen.
  • Die Hoffnungslosigkeit wächst, Suizidgedanken kommen auf.

Wichtig sei es, psychische Krisen zu akzeptieren, da sie jeden treffen können, betonte Stefan Korn und erklärte, dass der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft entgegengewirkt werden müsse. Außerdem empfahl er, sich bereits in weniger schwierigen Zeiten Schutzfaktoren, beispielsweise soziale Kontakte, aufzubauen und Risikofaktoren, wie Stress zu minimieren. Schließlich zeigte er auf, wie man sich mit verschiedenen Bewältigungsstrategien selbst helfen oder Hilfe suchen kann.

Im zweiten Teil des Forums berichtete Anna Feuerbach von ihren eigenen psychischen Erkrankungen während ihrer Jugend- und Studienzeit. Mit großem Einfühlungsvermögen und Offenheit schilderte sie, dass sie trotz jahrelanger Erkrankung und ambulanter sowie stationärer Therapien ein sehr erfolgreiches Studium und eine Promotion im naturwissenschaftlichen Bereich absolvierte. Authentisch und ehrlich schaffte sie eine angenehme, vertrauensvolle Atmosphäre und ermutigte die Studierenden dadurch, Fragen zu ihrer eigenen Situation zu stellen.

Neben den Vorträgen waren die Kurzvorstellung verschiedener Beratungsstellen Teil des Forums. Die Studierenden hatten die Möglichkeit sich Informationen einzuholen und das direkte Gespräch zu suchen. In Regensburg bieten unter anderem folgende Hilfestellen Unterstützungsangebote an:

Innerhalb der OTH Regensburg:

Außerhalb der OTH Regensburg:

Nicole Gineiger und Andrea März-Bäuml von der psychosozialen Beratung der OTH Regensburg bedankten sich bei den Teilnehmenden für das rege Interesse. Weitere Informationen zur Psychosozialen Beratung der OTH Regensburg unter https://www.oth-regensburg.de/studium/service-und-beratung/allgemeine-studienberatung/psychosoziale-beratung.html.

Irrsinnig Menschlich e. V.

Der Verein Irrsinnig Menschlich e. V. wurde im Jahr 2000 in Leipzig gegründet und bietet seitdem Präventionsangebote zur psychischen Gesundheit für Jugendliche und junge Menschen an. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern und Regionalgruppen versucht der Verein das gesellschaftlich oft unterrepräsentierte Thema seelische Gesundheit sichtbar zu machen, junge Menschen zu stärken und somit auch die gesellschaftlichen Folgekosten zu reduzieren. Weitere Informationen zu Irrsinnig Menschlich e. V. unter https://www.irrsinnig-menschlich.de/.

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