Praxisforum 07 der Fakultät Architektur

01.03.2007
Von: Prof. Anne Beer

Werkstoffe und Brandschutz standen im Mittelpunkt

 

Die Fakultät Architektur der Hochschule Regensburg lud Studierende und interessierte Kolleginnen und Kollegen der Region zum Praxisforum ein. Insgesamt sieben Veranstaltungstage bündelten die Vorträge aus Industrie und die Anwendung zu den Themenfeldern Werkstoffe und Brandschutz.

Baurechtliche Anforderungen an Brandschutz
Den Auftakt bildete ein mehrtägiges Brandschutzseminar. Die Beiträge widmeten sich im Grundlagenbereich den aktuellen baurechtlichen Anforderungen an Brandschutz im Hochbau und vorbeugenden baulichen Maßnahmen. Diplomingenieurin Fasching-Jarzombek vertiefte in ihrem Vortrag diese Aspekte am Beispiel des Ämtergebäudes Bayreuth. Die Firma Knauf aus Iphofen referierte zu Baustoffen, Bauteilen und der Verwendbarkeit von Bauprodukten hinsichtlich differenzierter Anforderungen. Das Regensburger Team um Baudirektor Rieck erläuterte abschließend im Rahmen eines Außentermins in der Feuerwehrschule Lappersdorf praxisnah brandschutztechnische Einrichtungen und Abläufe der Brandbekämpfung. Für im Beruf stehende Architekten und Ingenieure, die den Brandschutz nach Bayerischer Bauordnung im Antragsverfahren nachweisen müssen, bot dieses Kompaktseminar eine hervorragende Gelegenheit, den aktuellen Stand von Technik und Recht rückzukoppeln.

Entwicklungspotenziale und Marktreserven für den Holzbau
Gefördert durch den Holzabsatzfonds und in Kooperation mit dem Landesbeirat Holz wurde der Holzbaupraxistag vorgestellt. Langjähriger Partner, auch für die Lehre, ist hier Dipl.-Ing. (FH) Bernd Wögerbauer vom Informationsdienst Holz. Seine Vorträge vertieften das Thema Vorfertigung hinsichtlich Bauweisen und Marktakzeptanz. Während Dipl.-Ing. Werner Dittrich, Geschäftsführer der LUX Fertighaus Georgengmünd, Standards und Entwicklungspotenziale im Holzrahmenbau erläuterte und Dipl.-Ing. Michael Regnauer von der gleichnamigen Fertigbaufirma in Seebruck zu Rahmen- und Tafelbauweisen seiner Firma referierte, lenkte Dipl.-Ing. Anders Übelack, Firma Finnforest/Merck in Aichach, den Fokus auf die Konstruktionsprinzipien des Massivholzbaus. Christoph Gunßer, Architekten- und Ingenieurkollegen über einschlägige Fachpublikationen bekannt, referierte zu Vorfertigung und gesellschaftlicher Akzeptanz, "schnelles Haus, schönes Haus?" Den Rahmen nochmals erweitert spannte schließlich der schwedische Kollege Dipl.-Ing. Aka Nilsson der gleichnamigen, renommierten Export-/Importfirma in Beverungen und stellte Holzbausysteme aus Skandinavien vor, womit nicht zuletzt weitere Entwicklungspotenziale und Marktreserven für den Holzbau in Deutschland erneut deutlich wurden.

Robotergestütze Vorfertigung von Ziegelwänden
In Zusammenarbeit mit dem Ziegelzentrum Süd und seiner Geschäftsführerin, Architektin Waltraud Vogler, präsentierte sich erneut der Mauerwerkstag. Themenschwerpunkt war die unterschiedliche Interpretation eines Werkstoffes aus Sicht einzelner Fachdisziplinen. In ihrem Werkbericht erläuterte Professorin Dorothea Voitländer von der FH Würzburg die monolithische Ziegelwand auf Basis zeitgemäßer, konstruktiver Details für ein öffentliches Bauvorhaben - die Grundschule Augustenfeld in Dachau. Der junge Kollege Martin Bez aus Stuttgart stellte Studentenwohnen in Hof vor und belegte differenziert den Planungs- und Bauprozess für die Bauweise einer 2-schaligen, hinterlüfteten Ziegelwand. Standen zunächst Planungs- und Herstellungsprozesse im Vordergrund, vertiefte ein anderer Beitrag Materialität und Ausdruck des Werkstoffs. Professor Dr. Hartmut Niederwöhrmeier aus Nürnberg erweiterte den Blick in Richtung Bildende Kunst. Er stellte die Museumsinsel Hombroich und großformatige Ziegelarbeiten des Bildhauers Erwin Heerich vor. Aus Bruchziegeln massiv gemauerte, hausgroße geometrische Skulpturen sind in einer weitläufigen Auenlandschaft angeordnet und nehmen die Sammlung des Kunstmäzens Peter Müller auf. Ein einmaliges Gesamtkunstwerk ist entstanden. Ein Forschungsbericht des Lehrstuhls von Professor Kohler, ETH Zürich, ergänzte abschließend die Materialdiskussion um das Thema der robotergestützten Vorfertigung. Eine derart "programmierte Wand" wurde für das  Weingut Gantenbein in der Schweiz in Entwicklung und Herstellung gezeigt. Neben neuen technischen Aspekten, z. B. der geklebten Ziegel-Konstruktion, wurden überraschende gestalterische Potenziale offenbar.

Herstellung und Leistungsfähigkeit sog. "High-Tech-Gläser"
Im Rahmen des Glasbau-Praxistages standen regionale Firmen als Partner im Vordergrund: Dr. Hans-Eckhardt Leitl, verantwortlich für die Sparte Beschichtung der Pilkington in Weiherhammer, erläuterte in seinem Praxisbericht speziell Herstellung und Leistungsfähigkeit sogenannter "High-Tech-Gläser". Dipl.-Ing. (FH) Greiner von der Anwendungstechnik der Flachglas Wernberg formulierte Standards und Bemessungs-Richtlinien für technische Baugläser allgemein. Glas Marte aus Vorarlberg gab einen Überblick zu individuellen Lösungen der Firma im konstruktiven Glasbau und zeigte ein breites Spektrum an Fassaden- und Dachkonstruktionen in Glas auf Basis weitgehend speziell entwickelter Fittings. Das Highlíght dieses Tages war der Werkbericht des Tragwerkplaners Professor Manfred Grohmann aus Frankfurt, der Glas- und Membranbau-Sonderkonstruktionen seines Büros zeigte. Die Ingenieure Bollinger und Grohmann sind spätestens seit der Tragwerksplanung für das Renommierprojekt "BMW-World" in München der Architekten COOP Himmelblau in Bayern in Fachkreisen gut bekannt.

Beton – gestaltgebend einsetzen
Auch am Praxistag Beton, dem letzten Veranstaltungstag der Reihe, wurden Praxisberichte regionaler Herstellerfirmen mit Werkberichten zu gebauter Architektur verbunden. Die Konzeption entstand in bewährter Partnerschaft mit dem Betonmarketing Süd, Herrn Rüdiger Schemm. Die Firma Hemmerlein, ein renommiertes Familienunternehmen aus Bruck, stellte mit Dipl.-Ing. Michael Eberhardt individuelle Fassadenlösungen in Betonfertigteilen vor. So manches ausgezeichnete und publizierte Architekturprojekt wurde dabei von den überraschten Studenten erkannt. Dipl.-Ing. Hilbert Atze von der Firma Heidelberger Cement AG aus Burglengenfeld lenkte den Blick auf innovative Weiterentwicklungen des Werkstoffs. Faserbeton, lichtdurchlässiger Beton oder auch photokatalytischer Beton wurden z. B. in Zusammensetzung, Herstellung und Leistungsfähigkeit differenziert erläutert. Die Architekten stellten in ihren Werkberichten vorrangig den klassischen Sichtbeton als Ortbeton bzw. über Fertigteile produziert vor und warfen vielfältige Fragestellungen und Lösungsansätze der Planung, Ausschreibung und Bauleitung von qualitativ hochwertigem Sichtbeton auf. Dipl.-Ing. Rainer Löhle aus Augsburg zeigte das "Haus der Wildnis" im Nationalpark Bayerischer Wald, ein expressives Gebäude, welches die Kraft und Ausdrucksstärke der umgebenden Natur interpretiert. Dipl.-Ing. Michael Laidl von Arc Architekten, Bad Birnbach, stellte mehrere öffentliche Bauvorhaben des Büros vor, die den Werkstoff Beton gestaltgebend einsetzen. Besonders eindrücklich zeigte er am Beispiel des Kurhauses Bad Birnbach, wie unaufdringlich, zeitlos und authentisch sich der Werkstoff auch in kleinteiligem, historischen Umfeld "auf dem Land" behaupten kann.

Das Praxisforum Architektur wird sein Programm im kommenden Jahr im Rahmen der Weiterbildung wieder gezielt für externe Gäste öffnen. Interessenten, die in den Verteiler aufgenommen werden möchten, nehmen bitte über das Sekretariat der Fakultät Architektur Kontakt auf: Frau Ehmann, Tel. 0941 943 1180, E-Mail: ernestine.ehmann@architektur.fh-regensburg.de

 

Die großformatigen Ziegel-Skulpturen des Bildhauers Erwin Heerich auf der Museumsinsel Hombroich nehmen eine hochkarätige Kunstsammlung auf.

Forschungsprojekt der ETH Zürich, Lehrstuhl Prof. Kohler, zur "digitalen produktion von Ziegelwänden. Projektbeispiel für die Anwendung ist das Weingut Gantenbein der Architekten Bearth und Deplazes, 2006.
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