Mit virtuellem Handmodell zur "Geburtshilfe 2.0"

05.03.2018
Von: Stabsstelle Hochschulkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Das Labor für Biomechanik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) ist an einem EU-Projekt beteiligt, das zur Verringerung von Geburtsverletzungen beitragen soll.

Rund 220.000 Babies kommen jährlich in Bayern und Tschechien zur Welt. Zwei Drittel von ihnen werden auf natürlichem Wege geboren. Neun Prozent der spontan gebärenden Mütter erleiden dabei Geburtsverletzungen, die langfristige Auswirkungen wie etwa Inkontinenz nach sich ziehen können. Mit dem EU-Projekt „Geburtshilfe 2.0 – Virtuelle Modelle zur Vermeidung von Geburtsverletzungen“ soll die Verletzungswahrscheinlichkeit gesenkt werden.

Aus dem Interreg-Programm erhält Prof. Dr.-Ing. Sebastian Dendorfer, Leiter des Labors Biomechanik an der OTH Regensburg, dafür 287.335 Euro an Fördergeldern. Kooperationspartner ist die Westböhmische Universität Pilsen, assoziierter Partner ist die Karls-Universität Prag mit ihrer Medizin-Fakultät. Der dreijährige Förderzeitraum läuft bis Ende 2020.

Die Forschung von Prof. Dr.-Ing. Dendorfer setzt bei der manuellen Geburtshilfe an. „Optimal angewendet kann die Verletzungswahrscheinlichkeit durch die manuelle, perineale Protektion verringert werden“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Sebastian Dendorfer. Doch wie sieht die optimale Anwendung von Geburtshilfe aus? Eine detaillierte klinische Beschreibung dazu gibt es derzeit nicht. Mithilfe eines virtuellen Hand-Unterarmmodells, das zur Simulation der Positionierung, des Kraftaufwands und der Handbewegungen während des Geburtsvorgangs benötigt wird, soll eine solche Beschreibung möglich werden.

„Nur mit Hilfe digitaler Menschmodelle können die Auswirkungen dieser Parameter auf die intrinsische Biomechanik und somit die komplexen Wechselwirkungen im Rahmen des Geburtsvorgangs quantifiziert werden“, sagt Prof. Dr.-Ing. Dendorfer. Der Forschungsschwerpunkt seines Labors liegt dabei in der Weiterentwicklung eines bereits in einem Vorgängerprojekt entwickelten Schultermodells und den anschließenden ergonomischen Analysen. Die tschechischen Partner erarbeiten die anatomischen und physiologischen Parameter für das Modell, tragen zur Entwicklung des Hand-Submodells bei und liefern die gynäkologische Expertise.

Die Ergebnisse des Projekts sollen zum einen zu einer Kostenreduktion im Gesundheitssystem führen, da dieFolgen von Geburtsverletzungen dieses erheblich belasten. „Zum anderen sind gerade auch die den persönlichen Lebensbereich betreffenden Aspekte wichtig, wie die Vermeidung von gesundheitlichen Langzeitschäden oder etwa eine schnellere Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit“, sagt Prof. Dr.-Ing. Dendorfer. Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: Die entwickelten Modelle können über den Kontext des Projekts hinaus auf eine Vielzahl von ergonomischen und medizinischen Fragestellungen angewendet werden.

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