Maschinenbau-Studierende für Abschlussarbeiten in China

15.04.2019
Von: Elisabeth Schmid

Regensburger Pioniere in China: Drei Studierende der Fakultät Maschinenbau wagten das Abenteuer, im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten sechs Wochen an der Shenzhen Technology University in China zu forschen und zu arbeiten.

Die Regensburger Studierenden Tobias Bohrer, Oliver Grill und Johannes Herrmann mit Ph.D. Wenjing Shen und Studierenden der Shenzhen Technology University (SZTU).

Die Regensburger Studierenden Tobias Bohrer, Oliver Grill und Johannes Herrmann mit Ph.D. Wenjing Shen und Studierenden der Shenzhen Technology University (SZTU). Foto: Xu Keyan

Tobias Bohrer (2. von links), Oliver Grill (3. von links) und Johannes Herrmann (5. von links) während der Zertifikatsverleihung am Ende ihres Aufenthalts an der SZTU.

Tobias Bohrer (2. von links), Oliver Grill (3. von links) und Johannes Herrmann (5. von links) während der Zertifikatsverleihung am Ende ihres Aufenthalts an der SZTU. Foto: Shen Wenjing

Von links: Tobias Bohrer, Johannes Herrmann und Oliver Grill von der Fakultät Maschinenbau der OTH Regensburg vor dem Verwaltungsgebäude der SZTU in China.

Von links: Tobias Bohrer, Johannes Herrmann und Oliver Grill von der Fakultät Maschinenbau der OTH Regensburg vor dem Verwaltungsgebäude der SZTU in China. Foto: Li Sidi

Von links: Johannes Herrmann, Tobias Bohrer und Oliver Grill während eines Vortrags über die OTH Regensburg an der SZTU.

Von links: Johannes Herrmann, Tobias Bohrer und Oliver Grill während eines Vortrags über die OTH Regensburg an der SZTU. Foto: Li Minglei

An den Wochenenden stand unter anderem auch ein Ausflug nach Shenzhen auf dem Programm.

An den Wochenenden stand unter anderem auch ein Ausflug nach Shenzhen auf dem Programm. Foto: Johannes Herrmann

Da die Shenzhen Technology University (SZTU) im Süden Chinas eine sehr junge Universität ist, die sich aktuell noch im Aufbau befindet, waren die drei jungen Maschinenbauer von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) gewissermaßen Vorreiter, denn sie waren dort die ersten internationalen Studierenden der OTH Regensburg.

An der OTH Regensburg hörten Oliver Grill (Bachelor Maschinenbau), Johannes Herrmann und Tobias Bohrer (beide Master Maschinenbau) während Praktika und Labortätigkeiten bei Siegfried Schrammel von der Möglichkeit, Abschlussarbeiten in China durchzuführen. Siegfried Schrammel war zuvor selbst schon zwei Mal an der SZTU und schuf damit die Basis für diesen Austausch: Bei seinem ersten Besuch baute er dort gemeinsam mit Ph.D. Wenjing Shen ein Braulabor auf und nahm eine 200-Liter-Brauanlage in Betrieb. Während seines zweiten Aufenthalts optimierte er die Anlage und bereitete den Besuch der drei Studierenden aus Regensburg vor. 

Von Mitte Oktober bis Ende November 2018 arbeiteten die drei Regensburger Studierenden an der SZTU im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten an konkreten Aufgabenstellungen, um die Brauanlage weiter zu verbessern. Prof. Dr. Gerhard Goldmann, Leiter des Labors Process Engineering an der OTH Regensburg, betreute die drei Studierenden und unterstützte sie auch bei der Bewerbung für Stipendien.

"Eine tolle und erfahrungsreiche Zeit"

Für die drei Studierenden war es ein Sprung ins kalte Wasser. China stand bei keinem der drei auf dem Plan. Das Interesse und die Neugier, eine komplett neue Kultur kennenzulernen, überwogen aber schließlich. „Es war eine tolle und erfahrungsreiche Zeit“, sind sich die drei einig, „und wir würden es auf jeden Fall wieder machen!“

„Klar hatten wir anfangs auch einen kleinen Kulturschock“, erzählt Johannes Herrmann. „Besonders die erste Autofahrt hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Der Straßenverkehr in China ist extrem und wir sind sehr froh, dass wir trotzdem immer gut angekommen sind.“ „Die Menschenmassen und der Mangel an Privatsphäre waren für mich anfangs auch herausfordernd“, meint Tobias Bohrer, „aber die Chinesen sind sehr freundlich und offen und ich konnte sogar Freundschaften knüpfen.“ 

Lachend berichten die drei auch von ihrem ersten Mensabesuch: Da dort kaum Gäste aus dem Westen waren, wurden sie von den chinesischen Mitstudierenden höchst interessiert beobachtet, zum Teil auch fotografiert. Das war ihnen gerade beim Essen etwas unangenehm, da ihnen in der ersten Zeit der Umgang mit den Stäbchen nicht ganz so leicht fiel.

Hervorragende Betreuung vor Ort

„Die Betreuung vor Ort war super. Frau Shen war immer für uns erreichbar, wenn Fragen waren, und hat an einem der Wochenenden sogar eine Wanderung mit uns unternommen“, erzählt Oliver Grill. „Zudem konnten wir an Exkursionen, wie zum Beipiel zur Firma Han’s Laser, teilnehmen oder Vorträge von internationalen Gastprofessoren besuchen.“  Auch fachlich und persönlich war der Aufenthalt eine wertvolle Erfahrung. Die drei Pioniere aus Deutschland konnten mit ihren positiven Erfahrungen in Regensburg schnell Kommilitoninnen und Kommilitonen begeistern und motivieren: Es gibt bereits Gespräche mit weiteren Studierenden, die Interesse an Praktika und Abschlussarbeiten an der SZTU haben.

INTERVIEW
Im Interview haben uns Oliver Grill, Johannes Herrmann und Tobias Bohrer ein paar Fragen beantwortet.

Wie war der Alltag in Shenzhen und was habt ihr in eurer Freizeit gemacht?

Da wir wie alle chinesischen Studenten auf dem Campus gelebt haben, war der Alltag sehr geregelt: Tagsüber haben wir im Labor gearbeitet; mittags und abends waren wir meist in der Mensa essen oder haben uns in einem kleinen Shop auf dem Campus etwas geholt. In der Freizeit waren wir beim Sport oder haben uns im französischen Café auf dem Campus getroffen. Mittags machen die Chinesen immer ein kleines Nickerchen – auch das haben wir uns angewöhnt.

Da der Campus etwas außerhalb des Stadtzentrums liegt, haben wir meist die Wochenenden genutzt, um ins Zentrum von Shenzhen zu fahren oder Ausflüge ans Meer zu machen. Shenzhen ist eine sehr junge, moderne und technologisch zukunftsorientierte Stadt mit ausgezeichneten Restaurants und einem sehenswerten Künstlerviertel. Eines der Highlights war der Besuch der Bar im „Kingkey 100“, einem der höchsten Gebäude der Stadt.

Was habt ihr genau gemacht während eurer Labortätigkeit im Braulabor der SZTU?

Oliver Grill: Der Hauptbestandteil meiner Bachelorarbeit war die Verbindung der SPS der Brauanlage mit LabVIEW durch OPC. Dadurch konnte die Anlage teilautomatisiert über den Computer gesteuert werden.

Tobias Bohrer: Ziel meiner Masterarbeit war die Implementierung einer Temperaturregelung des Maischetanks. Hierfür musste zunächst das Verhalten des Tanks experimentell bestimmt werden. Die erhaltenen Daten konnten genutzt werden, um eine Simulation der Regelung in LabVIEW mittels PID- und Fuzzy-Regler aufzubauen.

Johannes Herrmann: Ich habe vor allem die verfügbaren Daten der Anlage gesammelt und durch Experimente diverse fehlende Parameter der Brauanlage und vor allem der einzelnen Komponenten der Brauanlage ermittelt. In China habe ich begonnen, eine Simulation der Anlage mittels Aspen Hysys aufzubauen. Die Simulation soll ermöglichen, den Brauprozess quasi virtuell durchzuführen und diverse Voraussagen treffen zu können.

Was waren die Herausforderungen?

Die größte Herausforderung war sicher die Sprachbarriere. Mit Professoren und Studierenden war der Austausch auf Englisch gut möglich. Außerhalb der Uni war es aber oft schwierig, sich zu verständigen, zum Beispiel mit Taxifahrern oder in Geschäften. Da ist es sehr hilfreich, sich vorab schon Übersetzungs-Apps herunterzuladen. Da in China Services wie Google nicht verfügbar sind, war dies vor Ort in China zum Teil nicht möglich. Auch die Recherchearbeit war manchmal eine Herausforderung, weil man auf gewohnte Quellen nicht zugreifen konnte. 

Welche positiven Erfahrungen konntet ihr sammeln und was könnt ihr Studierenden mitgeben, die nach China gehen möchten?

Es war eine rundum positive Erfahrung. Die Menschen waren überaus freundlich und offen, sodass wir schnell Kontakte knüpfen konnten. Eine neue und so andere Kultur kennenzulernen, war für uns sehr bereichernd. Essenstechnisch waren wir auch positiv überrascht. Besonders beeindruckend waren die Ausflüge ins Zentrum von Shenzhen, ans Meer und, am Ende unseres Aufenthalts, nach Hong Kong – nicht vergleichbar mit dem Besuch einer europäischen Stadt.

Studierenden, die vorhaben, nach China zu gehen, können wir nur darin bestärken, den Sprung ins Ungewisse zu wagen. Wichtig ist es, frühzeitig mit dem Planen zu beginnen, da die Beantragung des Visums einige Wochen in Anspruch nehmen kann.

Bei Interesse an Praktika oder Abschlussarbeiten an der SZTU im Süden von China wenden Sie sich bitte an Elisabeth Schmid im Akademischen Auslandsamt. Zukünftig sind auch Austauschstudiensemester an der SZTU möglich. Diesbezüglich wenden Sie sich bitte an Janina Scheidl.

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