Mädchen lernen Berufsalltag von Ingenieurinnen kennen

13.08.2019
Von: Kathrin Schirmer

Beim Forscherinnen-Camp der OTH Regensburg und Continental hatten Schülerinnen die Möglichkeit, interessante Einblicke in den Berufsalltag einer Ingenieurin zu erhalten.

Die Teilnehmerinnen des "Forscherinnen-Camps" beschäftigten sich in diesem Jahr mit dem Forschungsauftrag "Autonomes Fahren – Dein Blick von der Gegenwart in die Zukunft".

Die Teilnehmerinnen des "Forscherinnen-Camps" beschäftigten sich in diesem Jahr mit dem Forschungsauftrag "Autonomes Fahren – Dein Blick von der Gegenwart in die Zukunft". Foto: Robin Lauerer

An technischen Problemen tüfteln, bis man zu einer Lösung kommt – ein gutes Gefühl. Eines, das zwölf Schülerinnen diese Woche im Forscherinnen-Camp im Rahmen der Bildungsinitiative „Technik – Zukunft in Bayern 4.0“ bei Continental in Regensburg und an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) erlebt haben. Das Unternehmen und die Hochschule haben das Camp bereits zum 5. Mal ausgerichtet.

Der Forschungsauftrag für die 15- bis 18-jährigen Schülerinnen lautete: „Autonomes Fahren – Dein Blick von der Gegenwart in die Zukunft“. Die Teilnehmerinnen sind mit teilweise autonomen Autos (mit-)gefahren, haben einen Roboter so programmiert, dass er eine Linie folgen kann und haben Zukunftsvisionen für das autonome Fahren entwickelt. Dabei erhielten sie Unterstützung von Dozentinnen, Studierenden und Ingenieurinnen. Voller Engagement haben die Teilnehmerinnen bei der heutigen Abschlussveranstaltung ihre Ergebnisse präsentiert. Das Projekt hat sein Ziel erreicht: Das Camp des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft e. V. (bbw) und der Bayerischen Metall- und Arbeitgeberverbände bayme vbm soll Mädchen Einblick in den Berufsalltag einer Ingenieurin verschaffen – und so das Interesse an technischen Berufen fördern.

„Junge Frauen für IT und Technik begeistern“

„Damit unsere bayerischen Unternehmen innovativ und wettbewerbsfähig bleiben, brauchen sie hochqualifizierte Nachwuchskräfte in den Bereichen Technik und IT. Wir möchten junge Frauen für diese Berufe begeistern und so wertvolles Potenzial ausschöpfen“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme vbm, anlässlich der Abschlussveranstaltung des Camps. Am gleichen Strang zieht auch das bayerische Wirtschaftsministerium: Es fördert das Forscherinnen-Camp seit Jahren.

Für eine Karriere von Frauen in den bayerischen Metall- und Elektro-Unternehmen sprechen laut Brossardt „vielfältige Tätigkeiten, sehr gute Verdienstmöglichkeiten sowie sehr gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Das kann Michael Staab, Personalleiter bei Continental in Regensburg, nur bestätigen. „Wir fördern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aktiv. Dabei ist uns wichtig, den Frauenanteil auch in den technischen Berufen zu steigern. Das Forscherinnen-Camp ist nur eines von vielen Beispielen für unser Engagement in diesem Bereich.“

„Die Vorstellung weltweit arbeiten zu können, fasziniert mich"

Wie sehr die Camps bei der beruflichen Orientierung helfen, zeigt eine Studie des bbw: Rund 75 Prozent der Teilnehmerinnen wollen nach dem Camp-Besuch ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium beginnen.

Das können sich auch die Teilnehmerinnen des aktuellen Camps vorstellen: „Ich habe gesehen, wie international der Beruf der Ingenieurin ist. Die Vorstellung weltweit arbeiten zu können, fasziniert mich“, sagte die 16-jährige Ramona. Die 15-jährige Anouk hat erkannt, „dass ich mit meiner Leidenschaft für technische Themen nicht allein bin und von allen Seiten viel Förderung bekommen kann.“ Und Lisa, ebenfalls 15, nimmt aus dem Camp ein größeres Vertrauen in sich selbst und die Erkenntnis mit, dass „ich nur erfolgreich werden kann, wenn ich das, was ich tue, gern tue.“

Auch aus Sicht von Prof. Dr. Ralph Schneider, Vizepräsident und Leiter der Jungen Hochschule der OTH Regensburg, ist das Projekt sehr wertvoll: „Das Forscherinnen-Camp ermöglicht es jungen Frauen, MINT-Fächer kennenzulernen und sich für MINT zu begeistern, so dass sie dann ein technisches Fach – am besten an der OTH Regensburg – studieren. Derzeit beträgt der Anteil weiblicher Studierender in MINT-Studiengängen an unserer Hochschule 23 Prozent. Wir wollen diese Zahl weiter steigern. Das Forscherinnen-Camp – eines der vielen Angebote unserer Jungen Hochschule – ist auf diesem Weg ein wichtiger Baustein.“

2019 beteiligen sich sieben Unternehmen und sieben Hochschulen

Noch immer ist der Frauenanteil in der Metall- und Elektro-Industrie gering, nur jeder vierte Arbeitnehmer in Bayern ist weiblich. Das soll sich ändern, darum richtet sich das Forscherinnen-Camp gezielt an junge Frauen: Die Zeit typischer Männerberufe ist vorbei, Erfolg im technischen Beruf hängt von der Einstellung und Begeisterung ab – nicht vom Geschlecht.

Die Forscherinnen-Camps sind 2007 gestartet. In diesem Jahr beteiligen sich sieben Unternehmen und sieben Hochschulen. Die Camps sind, bis auf die Kosten für An- und Abreise, kostenfrei. Weitere Informationen gibt es unter www.tezba.de.

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