"LITTLEtech": Technik für die Kleinsten

30.10.2009
Von: Feuerer, Diana

Experimentierkisten an Kindergärten übergeben

„Für Technik ist es nie zu früh!“ Unter diesem Aspekt übergaben die Projektverantwortlichen der Hochschule Regensburg am 29. Oktober 2009 fünf Technikkisten an ausgewählte Kindergärten im Rahmen einer Pressekonferenz. In einer einjährigen Pilotphase, in der die Kindergärten von der Hochschule pädagogisch begleitet werden, soll das Projekt evaluiert werden.
Bei der Übergabe der von Studierenden der Hochschule entwickelten 27 Technikexperimente, begrüßte der Präsident Prof. Dr. Josef Eckstein, besonders die anwesenden Kinder aus den Kindergärten. Gerade die Kleinsten hat die Hochschule im Visier, wenn es darum geht, das Interesse an der Technik und den Naturwissenschaften nachhaltig zu fördern. Vielleicht kann die HS.R das eine oder andere Kind in einigen Jahren als „Nachwuchswissenschaftler“ an der Hochschule begrüßen.


Bildung beginnt mit der Geburt! Unter diesem Motto startete das Projekt LITTLEtech der Hochschule Regensburg vor einigen Semestern mit dem Ziel, technisch-naturwissenschaftliche Bildung bereits in der Frühpädagogik nachhaltig zu fördern. Viele Pädagogen und Wissenschaftler stimmen darin überein, dass schon bei Kindern ab drei Jahren die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen für einen Zugang zu technisch-naturwissenschaftlichen Phänomenen angelegt sind. Das Interesse der Mädchen und Jungen an technischen Sachverhalten ist in diesem Alter besonders groß. Sie sind hoch motiviert zu erforschen, zu experimentieren, zu erfinden und sich die Welt zu erschließen. Der aktuelle Bayerische Erziehungs- und Bildungsplan sieht daher vor, dass die Themen Naturwissenschaft und Technik in den Kindergärten Einzug halten.


Dass Kinder in diesem Alter schon komplizierte Phänomene verstehen können, widerspricht der lange Zeit vorherrschenden traditionellen Meinung, dass Kinder zwar anschaulich denken können, aber noch nicht in der Lage seien, abstrahieren zu können. Viele Bildungsforscher haben allerdings belegt, dass selbst Vorschulkinder bereits in der Lage sind, komplizierte Sachverhalte wie zum Beispiel technische Zusammenhänge zu begreifen, wenn sie kindgerecht vermittelt werden.


Das Projekt LITTLEtech will insbesondere auch junge Mädchen für Technik begeistern. Bundesweit fehlen den Unternehmen junge Ingenieurinnen. Doch obwohl Mädchen die besseren Schulabschlüsse vorweisen, sind sie in den technischen Berufsfeldern nach wie vor unterrepräsentiert. Gerade die frühkindliche Bildungsphase eignet sich ideal, um Grundlagen für einen offenen und nachhaltigen Umgang mit Naturwissenschaft und Technik zu schaffen und damit Zugangsschranken für Mädchen zu technischen Sachverhalten erst überhaupt nicht aufkommen zu lassen.


Als Kooperationspartner des Projekts unterstützt die Firma Infineon Regensburg LITTLEtech in konzeptionellen und technischen Fragen. Zu technischen Phänomenen haben Kinder in ihrer Lebenswelt nur wenig Zugang, sagte Peter Purainer, Personalleiter von Infineon Regensburg. Das sollen die Experimente jetzt ändern. Vor allem sollen auch Mädchen an die Technik herangeführt werden. Dies unterstrich auch die technische Managerin Andrea Stich von Infineon. Man kann nie frühzeitig genug Kinder spielerisch an die Technik heranführen. Dies muss allerdings in eier besonderen Didaktik und Methodik eingebunden sein, die speziell die Technikkiste auszeichnet, unterstrich der Projektleiter Armin Gardeia.


Die Abteilung SPE (Siemens Personal Education - Ausbildungspartner von Infineon Regensburg) haben speziell für LITTLEtech ein Stromkreisexperiment und eine Motorikschleife entwickelt. Alle Experimente sind so konzipiert, dass sich leicht ein Zusammenhang zur Lebenswelt der Kinder herstellen lässt. In jeder Kiste befindet sich darüber hinaus ein ausführliches Handbuch, indem das didaktische Konzept und die einzelnen Versuche ausführlich erläutert werden. Anhand einer anschaulichen Kurzbeschreibung ist jedes Experiment – auch für Kinder - leicht verständlich und schnell durchführbar.


Das Team von LITTLEtech arbeitet an neuen Experimenten. Ziel ist es, den Kindergärten zu ermöglichen, die Technikkisten stetig zu erweitern. Außerdem sollen weitere Forscherkisten entstehen. Nach Abschluss der Pilotphase haben Kindergärten die Möglichkeit sich für den Erwerb einer Kiste zu bewerben.
 Warum besteht gerade aktuell ein sehr großes Interesse an diesem Thema? Bundesweit fehlen den Unternehmen junge Ingenieure. Zwar steigen die Studienanfängerzahlen wieder an, doch die Branche muss langfristig denken. In der Vergangenheit vernachlässigten Unternehmen wie Pädagogen dabei die frühkindliche Bildungsphase, in der sie bei den Kindern Grundlagen schaffen können für einen offenen und nachhaltigen Umgang mit diesem Thema. Vor allem auch Mädchen sollen für Technik begeistert werden. Aufgrund der demografischen Entwicklung können die Betriebe ihre künftigen Ingenieure gar nicht mehr nur unter Männern rekrutieren. Das heißt: Auch unabhängig von Gleichstellungsüberlegungen braucht die Branche mehr Frauen. Dies unterstützt die Hochschule Regensburg mit dem jährlich stattfindenden Girls’ Day und dem Projekt „girls4tech“, bei dem die technisch-naturwissenschaftlichen Studiengebiete speziell für Frauen vorgestellt werden.

Bild: Den Kindern machte das Experiment mit der Motorikschleife Spaß. Mit dabei: (von links) Projektreferent LITTLEtech Armin Gardeia, Mitarbeiterin bei LITTLEtech Katja Meier (knieend), Frauenbeauftragte der Hochschule Christine Süß-Gebhard, Director Preassembly Development Infineon Regensburg Andrea Stich, Personalleiter Infineon Regensburg Peter Purainer, Präsident der Hochschule Prof. Dr.Josef Eckstein und Ausbilder bei SPE (Ausbildungsverbund Infineon Regensburg) Hans-Jörg Bauer.
Foto: Feuerer

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