Lernen zwischen Heizstrahlern und Baustellenlicht

24.11.2010
Von: Feuerer, Diana

Studierende der Hochschule Regensburg (HS.R) machen mit der Aktion „Hör-Zelt“ auf Auswirkungen einer Sparpolitik auf die HS.R aufmerksam.

Vorlesungsbetrieb mit Jacke und Mütze: Prof. Dr. Thomas Schaeffer von der Fakultät Maschinenbau lehrte sein Fach „Bewegungstechnik“ im „Hör-Zelt“.

Das Podium bei der Protestaktion: (von links) Antonia Arenz, Studentin der Fakultät Informatik und Mathematik, Johannes Ries, Vertreter des Sprecherrats der HS.R, HS.R-Präsident Prof. Dr. Josef Eckstein und Prof. Dr. Thomas Schaeffer von der Fakultät Maschinenbau der HS.R.

Das „Hör-Zelt“: Unter dem Motto „Weil im Hörsaal kein Platz für sie war“ fanden in einem eigens errichteten „Hör-Zelt“ auf der Campuswiese den ganzen Tag lang reguläre Vorlesungen statt. Fotos: Feuerer

„Wir haben die Befürchtung, dass es schwierig werden könnte, einen Sitzplatz im Hörsaal zu bekommen.“ Das ist die Angst, die Johannes Ries, Vertreter des Sprecherrats der Hochschule Regensburg (HS.R) heute öffentlich formuliert hat. Anlass war eine Protestaktion von Sprecherrat,  Studentischem Konvent und Fachschaften der HS.R, um auf die spezifischen Folgen einer Sparpolitik der Bayerischen Staatskanzlei für die HS.R aufmerksam zu machen. Dazu fanden unter dem Motto „Weil im Hörsaal kein Platz für sie war“ in einem eigens errichteten „Hör-Zelt“ auf der Campuswiese den ganzen Tag lang reguläre Vorlesungen statt. Die Studierenden arbeiteten mit Mütze und Jacke an z.B. „gewöhnlichen Differentialgleichungen“. Heizstrahler liessen es nicht allzu kalt werden, Baustellenstrahler sorgten für entsprechendes Licht. Die Hochschule Regensburg bangt derzeit konkret um zwei dringend benötigte Baumaßnahmen mit Kosten von insgesamt 56 Millionen Euro. Des Weiteren muss sie jährliche Einbußen von zirka 200.000 Euro verkraften.

An dem heutigen Pressegespräch im „Hör-Zelt“ anlässlich der Protestaktion  beteiligte sich auch HS.R-Präsident Prof. Dr. Josef Eckstein. Er unterstütze die Aktion der Studierenden, so Eckstein, denn für die Hochschule Regensburg habe die derzeitige Situation „dramatische“ Züge. Die HS.R soll im Jahr 2013 rund 8.000 Studierende ausbilden. Das ist einer der Eckpunkte der Zielvereinbarungen, die die HS.R und das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst 2008 beschlossen haben, um für den doppelten Abiturjahrgang vorzusorgen. Bereits jetzt zählt die HS.R 7.000 Studierende – 1.300 mehr als vor fünf Jahren.

„Wir erfüllen unsere Pflicht, was fehlt sind die Räume“, sagte HS.R-Präsident Prof. Dr. Eckstein. Denn überfällig ist bis dato die Freigabe der bereits in Aussicht gestellten Planungsmittel für den dafür notwendigen räumlichen Ausbau. Es geht bei den Baumaßnahmen der HS.R um ein Gebäude für die Fakultät Informatik und Mathematik, welche derzeit noch in einem Gebäude der Universität untergebracht ist. Des Weiteren ist ein neues Laborgebäude für die vielen neuen Studiengänge der HS.R nötig. Beide Gebäude sollen bis 2014 fertig sein. Präsident Eckstein sieht sich in der Verantwortung, den Studierenden weiterhin gute Studienbedingungen zu bieten. Es gehe um die Zukunft der jungen Leute, die in den nächsten Jahren studieren wollen - und auch um den Standort Regensburg. Der Präsident machte deutlich: „Solange keine negative Entscheidung gefallen ist, solange kämpfen wir.“
 
Stellvertretend für die Professorenschaft äusserte sich außerdem Prof. Dr. Thomas Schaeffer von der Fakultät Maschinenbau öffentlich. Nach seiner Vorlesung „Bewegungstechnik“ im „Hör-Zelt“ nahm auch er zum Pressegespräch am Podium Platz. Er wolle damit Unterstützung für die  Aktion der Studierenden signalisieren. Prof. Dr. Schaeffer berichtete dann von den bereits jetzt schon etwas beengten Verhältnissen an seiner Fakultät.  „Zum Teil wandern die Stühle schon von Vorlesung zu Vorlesung mit“, so Schaeffer. Des Weiteren berichtete Antonia Arenz, eine „betroffene“ Studentin der Fakultät Informatik und Mathematik, von der Situation ihrer „ausgelagerten“ Fakultät. Johannes Ries, Vertreter des Sprecherrats brachte abschließend das Anliegen der Aktion nochmal auf den Punkt: „Lieber Freistaat, macht den großen Sack auf und gebt uns – pünktlich zu Weihnachten – die Mittel für die zwei dringend benötigten Gebäude.“

Unterstützt hat die Aktion „Hör-Zelt“ auch der Verein der Freunde der
Hochschule Regensburg e.V, ebenso die Unabhängige Studierenden
Organisation U.S.O. e.V.

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