Internationale humanitäre Hilfseinsätze in Summer Schools trainiert

09.09.2013
Von: Prof. Dr. Markus Bresinsky

Studierende aus dem Studiengang International Relations and Management der Hochschule Regensburg (HS.R) erörtern sicherheitspolitische Fragestellungen und lernen praktisches Wissen von international einsatzerfahrenen Fachexperten.

Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Summer School in Chievres in Belgien.

Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Summer School in Chievres in Belgien.

Summer School auf der Airbase Chievres in Belgien.

"NATO Special Operation Training and Education Program" auf der Airbase Chievres in Belgien.

Simulation Lagezentrum UN Headquarter in Regensburg.

"Adress Globe 2013" – Simulation Lagezentrum UN Headquarter in Regensburg.

Vertiefung der experimentellen Ergebnisse im Summer Course in Münster (Westfalen).

Vertiefung der experimentellen Ergebnisse im Summer Course in Münster (Westfalen). Fotos: Prof. Dr. Markus Bresinsky

Humanitäre Hilfseinsätze international, ressortübergreifend und mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologie managen - das war das Kernthema im vergangenen Sommersemester von drei aufeinander aufbauenden, englischsprachigen Veranstaltungen im Studiengang International Relations and Management.

Die Studierenden hatten Gelegenheit, die Herausforderungen der vernetzten Sicherheit nicht nur konzeptionell und theoretisch zu verstehen, sondern ebenso experimentell zu analysieren und handlungspraktisch zu erfahren. Im Mittelpunkt stand dabei die Fragestellung, wie das Zusammenwirken aus Mensch, Organisation und Technik so konzipiert werden kann, dass Gruppen disloziert, trotz räumlicher Trennung, effektiv und zielführend zusammenarbeiten können.

Kooperation mit der Fachhochschule des Bundes in Mannheim

Begonnen hat die Reihe mit der experimentellen Übung "Adress Globe 2013". In Kooperation mit der Fachhochschule des Bundes in Mannheim wurde eine dortige Übung für Standort-Services im Einsatz mit einer Übung in Regensburg zur dislozierten Zusammenarbeit gekoppelt.

Aufgabe für die Studierenden war es, ein Verbindungsteam der Vereinten Nationen - repräsentiert von HS.R-Studierenden in Mannheim - aus dem Hauptquartiert der Vereinten Nationen - repräsentiert in Regensburg - im Einsatz zu unterstützen.

Das dabei verwendete Szenario basierte auf der aktuellen Mission der UNO in Afghanistan unter besonderer Berücksichtigung des deutschen sicherheitspolitischen Engagements im Norden des Landes. Dadurch lernten die Studierenden in einem realistischen Szenar die Einsatzaufgaben im humanitären Hilfseinsatz kennen.

Begleitet wurde die experimentelle Übung durch ein Analyseteam aus Studierenden, deren Analyseergebnisse in einem First-Impression-Report allen Beteiligten zurückgemeldet wurde. Besonders interessant für alle Beteiligten war die Erfahrung, aus einer zeitversetzen, dislozierten "Reachback-Komponente" einen dynamischen und komplexen Einsatzauftrag in einem Einsatzland durchzuführen.

Die Analyse konnte dabei wiederholt wichtige Erkenntnisse aus der Human Factors Forschung belegen, dass die Leistung von dislozierten Teams mit der Effektivität von Technologie, Teambuilding, Metakommunikation und Feedback korreliert. 

Zusammenarbeit mit der Universität in Münster und Groningen

Vertieft wurden die experimentellen Ergebnisse dieser Übung durch eine Summer School in Münster (Westfalen) am 1. Deutsch-Niederländischen Korps in Zusammenarbeit mit der Universität Münster und Groningen. Thema dieser Veranstaltung waren die konzeptionellen Grundlagen der zivil-militärischen Zusammenarbeit in humanitären Einsätzen.

Einsatzerfahrende Experten der Streitkräfte, der Bundespolizei und des Internationalen Roten Kreuzes verdeutlichten den Studierenden die Komplexität des ressortübergreifenden Ansatzes in der vernetzen Sicherheitspolitik. 

Angereichert durch Beiträge aus der Wissenschaft wurden anschließend die unterschiedlichen Absichten und Zielsetzungen der an Einsätzen beteiligten Akteure in Arbeitsgruppen analysiert und diskutiert. Highlight dieser Veranstaltung war nach Auskunft der Studierenden neben dem Vortrag durch Alexander Maus von der Bundespolizei insbesondere die kritische Diskussion mit Generalleutnant van Loon, Kommandeur des Ersten Deutsch-Niederländischen Korps.

Hierbei wurde deutlich, dass die Praxis der vernetzten Sicherheitspolitik sicherlich noch von den konzeptionellen Grundvorstellungen abweicht. Insbesondere im Kontext mit der vorgeschalteten Übung "Adress Globe 2013" wurde den Studierenden klar, wie weit Konzeptentwicklung und Einsatzrealität von einander abweichen können. 

Training auf der Airbase Chievres in Belgien

Abgeschlossen wurde die Reihe durch ein praktisches Training im "NATO Special Operation Training and Education Program" auf der Airbase Chievres in Belgien. Hierbei war es Aufgabe für die Studierenden, angesichts des aktuellen Syrienkonfliktes auf der Basis von Open Source Informationen ein umfassendes Lagebild aus Sicht der beteiligen Konfliktakteure zu erstellen.

Besonderer Wert wurde dabei auf die Identifizierung der Absichten und der für die Zielerreichung notwendigen Handlungsschritte gelegt. Die Ergebnisse wurden dann mit Fachexperten diskutiert und durch methodische Inputs zu den Analyseprodukten verbessert.

Die einsatzreale Handlungspraxis wurde dabei in bis zu zehnstündigen Arbeitsphasen in medial besonders ausgestatteten Analyseräumen in wiederholten Lagebriefings und in örtlicher Abgeschiedenheit vermittelt. Das Fazit der Studierenden war dementsprechend einhellig: anstrengend, fordernd aber extrem lehrreich.

Im dritten Jahr kann diese mehrteilige Veranstaltungsreihe nun bereits auf eine kleine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Durch die Kooperation mit der Fachhochschule des Bundes in Mannheim wurde in diesem Jahr ein neuer Partner hinzugewonnen.

Für die Studierenden aus dem Studiengang International Relations and Management bietet sich mit dieser Reihe die einzigartige Gelegenheit, sicherheitspolitische Fragestellungen nicht nur im Hörsaal zu erörtern, sondern mit international einsatzerfahrenen Fachexperten aus allen Ressorts zu diskutieren.

In den kommenden Monaten wird insbesondere die Konzept-Entwicklung und die experimentelle Überprüfung für disloziert geführte Organisationseinheiten in humanitären Hilfseinsätzen durch weiterführende Übungen und Seminare vertieft.

Zurück