Erlebnisausstellung informierte über Depression und Psychose

21.09.2012
Von: Christine Allgeyer, Katholische Jugendfürsorge

Die Ausstellung von Integrationsfachdienst Oberpfalz (ifd), Katholischer Jugendfürsorge und Regionalem Steuerungsverbund des Versorgungsgebietes Regensburg hat an der Hochschule Regensburg (HS.R) halt gemacht.

Hochschul-Vizepräsidentin Prof. Dr. Klaudia Winkler und KJF-Direktor Michael Eibl in einem der Erlebnisräume der Ausstellung „Grenzen erleben“ an der HS.R. Foto: Michael Schaller

„Grenzen erleben“ war der Titel der Erlebnisausstellung, die am 19. September 2012 an der Hochschule Regensburg (HS.R) eröffnet wurde. Die Veranstalter in Regensburg wollten eine breite Öffentlichkeit für die Belange psychisch kranker Menschen sensibilisieren. So hatten es sich die Initiatorin der Ausstellung Manina Sobe, Leiterin des Integrationsfachdiensts Oberpfalz (ifd), die Katholische Jugendfürsorge, die HS.R und der Regionale Steuerungsverbund des Versorgungsgebietes Regensburg (PSAG Regensburg) zur Aufgabe gemacht mit „Grenzen erleben“ über die Erkrankungen Depression und Psychose aufzuklären. Die Ausstellung fand von 19. September bis 23. September 2012 an der HS.R statt.

„Die steigende Anzahl psychisch kranker Menschen, die in der Arbeitswelt nicht mehr Fuß fassen können, ist alarmierend," erklärte KJF-Direktor Michael Eibl bei der Ausstellungseröffnung, „unsere regionalen Unterstützungsstrukturen arbeiten hervorragend um den Betroffenen zu helfen“, so Eibl weiter. Eine enge Kooperation mit Arbeitgebern könne darüber hinaus helfen, Betroffene in das Arbeitsleben zu integrieren oder ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Im Jubiläumsjahr der Katholischen Jugendfürsorge, in der sie ihren 100. Geburtstag feiert, ist „Grenzen erleben“ eine von vielen Veranstaltungen, mit denen der kirchliche Träger den Blick auf gesellschaftlich brisante Themen und seine vielfältigen Leistungen für Menschen in schwierigen Lebenslagen lenken will.

Schirmherr Bezirkstagspräsident Franz Löffler stellte in seinem Grußwort heraus, wie wichtig es sei, über psychische Erkrankungen aufzuklären und das in weiten Teilen der Bevölkerung fehlende Verständnis für die Belange psychisch kranker Menschen zu sensibilisieren. Jahrzehntelang hätten diese am Rande der Gesellschaft gelebt, der Bezirk jedoch habe große Anstrengungen unternommen, Strukturen und Einrichtungen für diesen Personenkreis und insgesamt für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Moderne Fachkliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an 6 Standorten im Bezirk Oberpfalz zeigten dies. „Wir haben die psychiatrische Versorgung gut entwickelt“, so Löffler. „Grenzen erleben“ leiste einen weiteren Beitrag zur Inklusion, die ein gesamtgesellschaftliches Thema aller Generationen sei.

Die HS.R-Vizepräsidentin Prof. Dr. Klaudia Winkler brachte den Gästen der Vernissage die Situation von Erkrankten nahe und schilderte beispielhaft deren intensive Beeinträchtigungen. „Ausgrenzung verschlimmert die Erkrankung, Stigmatisierung wird mittlerweile als Zweiterkrankung angegeben“, erklärte Winkler. Angesichts der Situation der Erkrankten leisten die etwa 180 in den neun Arbeitsgruppen des Steuerungsverbundes mitwirkenden Fachleute und Interessensvertreter wertvolle Arbeit. Eva Frigo, die erste Vorsitzende des Steuerungsverbundes, zeigte deren Aufgabenfeld auf; vor allem wollen sie die Situation der Betroffenen gemeinsam mit diesen und deren Angehörigen verbessern.    

Netzwerkpartner engagieren sich gemeinsam

Als Sponsoren konnten die Organisatoren das BMW Werk Regensburg und den Bezirk Oberpfalz gewinnen. Für deren finanzielle Unterstützung bedankten sich die Veranstalter bei der Ausstellungseröffnung besonders. Der Geschäftsführerin Christine Peinkofer-Menath der Geschäftsstelle des Regionalen Steuerungsverbunds des Versorgungsgebietes am Gesundheitsamt Regensburg und dessen beiden Vorsitzenden Eva Frigo und Dr. Josephine Roeder-Aigner, der stellvertretenden ifd-Leiterin Claudia Jung sowie den Partnern der Hochschule Regensburg ist es zu verdanken, dass Organisation und Umsetzung der Ausstellung so gut liefen. „Wir zeigen gemeinsam, dass es uns ein großes Anliegen ist, durch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit einen Beitrag zur Versorgung und Betreuung der Betroffenen zu leisten“, freut sich Manina Sobe, Leiterin des ifd.

„Es kann jeden von uns treffen.“ Die ifd-Leiterin weiß das von ihren Klienten. Deswegen tut Aufklärung Not, um psychische Erkrankungen zu entmystifizieren und einer Stigmatisierung der Betroffenen entgegen zu wirken. „In der Ausstellung geschieht dies durch eigenes Erleben und Selbsterfahrung in Erlebnisräumen mit Hilfe unterschiedlicher mechanischer, akustischer und visueller Reize“, klärt Manina Sobe, Leiterin des ifd auf.

Jeder dritte Deutsche, so das Ergebnis einer Untersuchung der TU Dresden, leidet an einer psychischen Erkrankung. Depression werde zur Volkskrankheit, so Sobe. Doch was heißt das genau, „psychisch krank?“ Welche Hilfen brauchen die Betroffenen, insbesondere wenn sie ihren Arbeitsplatz nicht verlieren wollen oder mit der Erkrankung Arbeit suchen. In genau dieser Situation sind die Fachkräfte im IFD kompetente Ansprechpartner. Sie und ein professionelles Helfernetzwerk beraten, unterstützen und begleiten Betroffene, Angehörige sowie Arbeitgeber. Dies zeigt auch eine Präsentation parallel zur Erlebnisausstellung des Regionalen Steuerungsverbundes des Versorgungsgebietes Regensburg in Form von Infoständen begleitend zur aktuellen Ausstellung auf.

Arbeitsplätze für psychisch Kranke sind Mangelware

Angesichts der seit vier Jahren auffällig steigenden Zahl hilfesuchender Klienten mit einer psychischen Erkrankung werden Manina Sobe und ihr Beraterteam zunehmend mit den Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert. Die Anforderungen der Arbeitswelt sind hoch, zu hoch für manche. „Im Moment ist es sehr schwer einen passenden Arbeitsplatz für psychisch kranke Menschen zu finden“, berichtet Sobe, „ohne Stressfaktoren wie Termin- und Leistungsdruck. Die Arbeitswelt und Arbeitskultur müssen sich verändern, sie macht die Menschen krank.“ Das Thema sei brisant und die Politik dürfe die Arbeitgeber damit nicht allein lassen, fordert Sobe.

Indes fragen beim IFD immer mehr Arbeitgeber aus der Region nach Schulungen für Führungskräfte zum Thema Umgang und Kommunikation mit psychisch instabilen Mitarbeitern und wünschen eine Aufklärung über Krankheitsbilder und Hilfen. Bei konkreten Fällen, rät Sobe, sollte der IFD möglichst früh direkt einbezogen werden. Bei Bedarf bietet der ifd eine sozialpädagogische Unterstützung der Arbeitnehmer durch Integrationsberater sowie regelmäßige Gespräche an. Alle Gespräche werden vertraulich geführt. Die Berater informieren auch über personale und finanzielle Hilfen, psychosoziale Dienstleister, medizinische und berufliche Rehabilitationsmaßnahmen bzw. –möglichkeiten.

Zurück