Die ganze Welt in einem Raum!

21.05.2010
Von: Hanna Gieffers

In der allwöchentlichen Kaffeestunde des Akademischen Auslandsamts der Hochschule Regensburg stehen Tutoren und Tutorinnen den Austauschstudenten aus der ganzen Welt mit Rat und Tat zur Seite.

Hallo, wie geht’s?, Hola, cómo estás? und Hello, how are you? schallt es einem entgegen, wenn man in die Kaffeestunde des Akademischen Auslandsamtes kommt. Ehe man sich versieht, stehen eine Tasse dampfenden Kaffees und eine Schale Kekse vor einem. „Setzt dich, bedien dich und fühl dich wohl“, sagt Aida Baldari, eine der fünf Tutorinnen, die den Überblick über das Gewusel rund um den Tisch hat. Immer mittwochs betreuen die deutschen Tutoren und Tutorinnen Austauchstudenten aus der ganzen Welt. 

Aida Baldari weiß, wie es ist, in einem fremden Land auf sich alleine gestellt zu sein. Vor acht Jahren kam die quirlige 27-Jährige zum Studieren von Albanien nach Regensburg. Damals gab es noch keine Kaffeestunde. „Es war schwer, sich zurechtzufinden. Ich hätte mir gewünscht, gerade am Anfang jemanden an meiner Seite gehabt zu haben, “ erinnert sie sich und nimmt einen großen Schluck aus ihrer Tasse. Jetzt ist sie selber die „Tutorenmama“ in der Kaffeestunde. Seit drei Jahren betreut sie Austauschstudenten an der Hochschule, steht ihnen bei Behördengängen zu Seite, sucht mit ihnen das beste Fahrrad auf dem Flohmarkt und hilft, sich im Hochschuldschungel zwischen Mensakarte und Sportausweis zurecht zu finden. „Manchmal geht  es zu wie im Kindergarten“, sagt sie und schaut dabei mit einem Zwinkern zu den spanischen Zwillingen Kilian und Rixio Aullon Terol, die neben ihr am Tisch sitzen. „Stimmt genau, am Anfang mussten die Tutoren uns an die Hand nehmen“, sagt Kilian. 2009 sind die beiden Studenten aus Barcelona mit dem  Erasmusprogramm nach Regensburg gekommen. „Wir wurden hier so freundlich aufgenommen und haben schnell gute Freunde gefunden. Deshalb sind wir gleich wiedergekommen,“ sagt der 24-jährige Rixio lachend. Inzwischen studieren beide seit dem Wintersemester den Master Logistik an der HS.R.

So lange ist auch die 24-jährige Franziska Koch Tutorin. Sie weiß noch, wie es am Anfang war: „Alle waren neu in der Stadt und sehr schüchtern, niemand hat sich getraut einen Keks zu nehmen. Jetzt kommen wir Tutoren oft gar nicht mehr nach mit Kaffee und Keksen.“ Die Atmosphäre während der Kaffeestunde ist locker und ungezwungen, die Leute kommen und gehen, manche bleiben eine halbe Stunde, andere zwei. Man kennt sich, hält kleine Schwätzchen, tauscht die heißesten Neuigkeiten über die letzte Party aus. Gesprächsfetzen auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch füllen den Raum. Jedes Semester sind neue Gesichter zu sehen: aus Frankreich, Italien, Spanien, Amerika, Russland und Australien. Fast die ganze Welt ist vertreten. Franziska genießt diese Internationalität. Die European-Business-Studentin war selber schon in Australien, Mexiko und Holland. Ihr gefällt, dieses Erasmus-Feeling auch in Regensburg bewahren zu können und mit Leuten aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammen zu sein.  

Neben der Kaffeestunde veranstalten die Tutoren und Tutorinnen immer donnerstags am Abend einen Stammtisch und organisieren Fahrten in die Regensburger Umgebung. Vor zwei Wochen waren sie in München. Vorher ging es schon zur Walhalla, nach Nürnberg und Salzburg. Als nächstes ist ein Fahrradausflug zum Kloster Weltenburg geplant.

Ein großer Erfolg ist auch das „Big Brother - Big Sister“-Programm. Die Idee ist einfach, aber genial: Austauschstudenten bekommen einen deutschen „Big Brother“ oder eine deutsche „Big Sister“ zur Seite gestellt. Ein Tandem-Projekt, von dem beide Seiten profitieren. Die 25-jährige Johana Mischke ist gerne eine „Big Sister“. Auch sie schaut mittwochs immer in der Kaffeestunde vorbei. Ganz schnell ist sie in ein Gespräch mit Harum aus der Türkei vertieft. Fast ohne es zu merken, springen die beiden vom Deutschen ins Englische und wieder zurück. Sie spricht fließend English. In einer E-Mail vom Akademischen Auslandsamt hat sie zufällig vor einem Semester von dem Programm erfahren. Die Idee fand sie von Anfang an super. Sie mag es, neue Leute aus den verschiedensten Ecken der Welt kennenzulernen. Mindestens einmal pro Woche trifft sie sich mit ihrem „Little Brother“ Diego. „Durch ihn lerne ich viel über sein Heimatland Mexiko kennen“m sagt sie. Sie wundert es nicht, dass auch nach dem eigentlichen Austauschjahr viele „Big Brothers“ und „Big Sisters“ mit ihren Schützlingen in Kontakt bleiben und sich besuchen.

Auch die „Little Brothers und Sisters“ profitieren von ihren deutschen Freunden. „Durch sie lernen wir Regensburg erst richtig kennen, sie zeigen uns die besten Grillplätze an der Donau und nehmen uns mit in die angesagtesten Bars. Und, sie haben immer ein offenes Ohr, wenn es mal nicht so läuft!“, findet Harum aus der Türkei. Er ist froh, dem Lernstress in Istanbul für ein Semester entflohen zu sein, um in Regensburg Deutsch zu lernen. Er fühlt sich wohl.
Egal, woher die Studierenden kommen, sie sind alle hier, um Deutschland kennenzulernen. Die deutschen Studierenden empfangen sie mit offenen Armen. Ganz nebenbei entdecken alle dabei fast die ganze Welt. In dem kleinen Raum S014, immer mittwochs von 13 bis 15 Uhr.  


Mehr Informationen zu Ausflügen und Stammtischen auch unter dietutoren(at)gmail.com.

Bild 1: Kilian und Rixio Aullon Terol aus Spanien sind begeistert von ihrer Tutorin Aida Baldari: Die Küsschen hat sie sich verdient!
Bild 2: Kaffeestunde_1: Jeden Mittwoch treffen sich die Austauschstudenten  mit ihren deutschen Tutoren und Tutorinnen. Fotos: Gieffers       

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