Die Fallstricke des Geschäftsführers

20.12.2016
Von: start-up center

„Verhalten Sie sich wie der ehrbare Kaufmann. Dann kann Ihnen eigentlich nichts passieren“. Mit diesen Worten fasste Dr. Florian Kreis von der Regensburger Rechtsanwaltskanzlei KLX seine Ausführungen zusammen.

Die diesjährige Vortragsreihe des start-up centers beendete Dr. Florian Kreis mit einem Vortrag zum Thema „Haftungsrisiken für Gesellschafter und Geschäftsführer“.

Nicht nur Gründungsinteressierte fanden sich zum Vortrag von Dr. Florian Kreis ein. Fotos: Martin Sporn

Der Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht klärte im Rahmen der Vortragsreihe des start-up centers an der OTH Regensburg rund 40 Studenten über die Risiken auf, die einem als Gesellschafter oder Geschäftsführer drohen können. Von persönlicher Haftung über die Privatinsolvenz bis hin zur Haftstrafe ist im Zweifel alles denkbar. Dabei dürfe man nicht den Fehler machen, sich durch die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in völliger Sicherheit zu wiegen.

Der nichtsnutzige Bruder

Gunter ist Gesellschafter und Geschäftsführer der fiktiven Perpetuum-mobile GmbH, anhand derer Dr. Florian Kreis die juristischen Fallstricke erläuterte. Gunter steht im krassen Kontrast zum ehrbaren Kaufmann, der wirtschaftliches Fachwissen mit ethischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Weitblick oder Mäßigung vereint. So zahlt er seinem Bruder monatlich 10.000 Euro, obwohl der überhaupt nichts für die Firma leistet und das Geld verprasst. Das komme, so Dr. Florian Kreis, nicht nur einer illegalen, weil verdeckten, Gewinnausschüttung gleich. Da die Auszahlungen als Betriebsausgaben gewinnmindernd wirkten, erfülle es außerdem den Straftatbestand der Steuerhinterziehung, warnte Dr. Florian Kreis. Er gab den Tipp, Geschäfte mit der GmbH nahestehenden Personen immer schriftvertraglich zu regeln, und zwar so, dass die Verträge einem Drittvergleich standhalten würden. Man müsse also die gleichen Zinsen, Sicherheiten, Preise und Gehälter ansetzen, die der Markt oder vergleichbare Fremdunternehmen verwenden. Speziell, wenn das Stammkapital einer Gesellschaft unterschritten sei, dürfe der Geschäftsführer keine Entnahmen mehr vornehmen, da er sonst persönlich hafte.

Nichtwissen schützt vor Strafe nicht

Dass Gunter nicht durchkommen würde, als er das Telekom-Logo nachmachte, war allen Anwesenden sofort klar. Interessanter ist da schon, dass er für solche unerlaubten Handlungen auch dann persönlich haften muss, wenn er nicht davon weiß. Wählt er also ein Logo, das ein kleines, unbekanntes Unternehmen bereits hat eintragen lassen, steht er persönlich für die Abmahngebühren, Anwaltskosten und Schadenersatzforderungen gerade. „Deshalb komplizierte Aufgaben an Experten delegieren, auch wenn das im Notfall Geld kostet“, riet Dr. Florian Kreis. Das Geschäft brumme am Ende schließlich wegen einer guten Idee und nicht, weil man sich gut im Steuerrecht auskenne.

Leere Kassen können ins Gefängnis führen

Für Gunter kam es, wie es kommen musste: Seine Firma war überschuldet und stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit – laut Dr. Florian Kreis der „einzige echte Insolvenzgrund in der Praxis“. Da es hierbei nur um die reine Liquidität ginge, schöben viele Unternehmen die drohende Insolvenz wie eine Blase vor sich her. Der Tipp des Experten: Bei Auftreten eines Insolvenzgrunds unverzüglich Insolvenzantrag stellen. Das sei auch schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit möglich. „Wenn Sie den Antrag stellen, wird Ihnen keiner einen Vorwurf machen. Der entsteht erst dann, wenn Sie es zu spät tun“, warnte Dr. Florian Kreis. Dann nämlich haftet der Geschäftsführer direkt und persönlich gegenüber alten und neuen Gläubigern – und sogar gegenüber dem Insolvenzverwalter, Dr. Florian Kreis zufolge die allerschlimmste Form der Haftung. In Deutschland würden Insolvenzen im Schnitt um anderthalb Jahre verschleppt und oft stelle dann die Sozialversicherung bei ausfallenden Beitragszahlungen Insolvenzantrag, so der Referent. „Auch hier haftet der Geschäftsführer persönlich – und zwar für den Arbeitnehmeranteil, den er ja treuhänderisch verwaltet und normalerweise direkt vom Lohn abzieht und abführt“. Dr. Florian Kreis‘ Tipp, um dem vorzubeugen, ist es, ausreichende Rücklagen für die Sozialversicherungsbeiträge zu bilden, um in klammen Zeiten gewappnet zu sein.

Unternehmerische Entscheidungen und ihre Dokumentation

Daneben gibt es noch ein weiteres Feld, an dem man nicht sparen sollte: die Buchführung. Sie sollte gewissenhaft gepflegt werden, schon allein um sich selbst zu enthaften. „Wer im Krisenfall alles nur in eine Schuhschachtel packt, dem kündigt im Zweifel auch der Steuerberater, der keine Lust auf sowas hat“, mahnte Dr. Florian Kreis. Dann drohe häufig der Bankrottfall. Eine ordnungsgemäße Buchhaltung diene außerdem dazu, den Überblick zu bewahren.

Den müsse der Geschäftsführer natürlich auch bei unternehmerischen Entscheidungen haben. Es gelte, sie genau zu planen, zu prüfen und sämtliche Unterlagen zu sammeln. Eine hilfreiche Methode sei dabei, die Gesellschafter mit allen Details in Kenntnis zu setzen und sie entscheiden zu lassen, getreu dem Bundeswehr-Motto „Melden macht frei und belastet den Vorgesetzten“. Die Gefahr bei Gründern sei häufig, dass sie andere zwar überzeugend von ihrer Idee begeistern könnten, aber „sich andererseits häufig auch selbst begeistern lassen und so leicht über den Tisch gezogen werden können“, erzählte Dr. Florian Kreis.

Die Feststellung von Prof. Dr. Sean Patrick Saßmannshausen, dass in den ersten beiden Reihen nun sechs Gründungsideen aufgegeben worden wären, sorgte für Gelächter. „Ein Leben ohne Risiko ist nicht möglich. Und die Vermeidung eines Risikos schafft ein neues Risiko“, ergänzte Dr. Florian Kreis und machte Mut, dennoch eigenständige unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Schließlich spiegle sich das potentielle Risiko auch im Gehalt einer Führungskraft wider – und zwar auch beim ehrbaren Kaufmann.

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