Bauforscherinnen dokumentieren antike Badeanstalt in Olympia

21.12.2017
Von: Stabsstelle Hochschulkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

In ihrer Masterarbeit im Studiengang Historische Bauforschung an der OTH Regensburg haben Sara Dolls und Raphaela Pain die Dokumentation der Leonidaion-Therme, ein Bad im Südwestbezirk des Heiligtums von Olympia, begonnen. Das Projekt wird nun am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Berlin weitergeführt.

Die Leonidaion-Therme von Süden: So sehen die Überreste der Badeanstalt heute aus. Foto: Sara Dolls

Die Leonidaion-Therme von Süden: So sehen die Überreste der Badeanstalt heute aus. Foto: Sara Dolls

Das Heizschachtsystem in den Wänden sorgte für die Erwärmung der Raumluft im Bad. Foto: Raphaela Pain

Das Heizschachtsystem in den Wänden sorgte für die Erwärmung der Raumluft im Bad. Foto: Raphaela Pain

Das antike Olympia, Austragungsort der ersten Olympischen Spiele im Jahr 776 vor Christus, lag jahrhundertelang begraben unter meterdicken Sand- und Schlammschichten. Erdbeben und wiederholte Überschwemmungen haben die historische Kultstätte auf der griechischen Halbinsel Peloponnes versinken lassen – bis deutsche Archäologen Ende des 19. Jahrhunderts mit systematischen Ausgrabungen begannen.

Die sogenannte Alte Grabung im Jahr 1880 brachte auch Gebäudestrukturen der Leonidaion-Therme zutage, ein Bad im Südwestbezirk des Heiligtums von Olympia. Eine abschließende Dokumentation über dieses Gebäude wurde im Rahmen einer Masterarbeit im Studiengang Historische Bauforschung an der OTH Regensburg angegangen. Die beiden Verfasserinnen, Sara Dolls und Raphaela Pain, verfolgen das Projekt nun am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) weiter.  

Kooperation mit dem DAI

Das größte Gebäude in Olympia war das Leonidaion, ein Gästehaus aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. für etwa 150 Personen. Direkt an das Gästehaus angebaut war eine Badeanstalt, deren Gebäudeüberreste bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts unberührt blieben. Die vollständige Freilegung erfolgte in den 1990er Jahren. Im vergangenen Jahr machten sich Sara Dolls und Raphaela Pain auf den Weg nach Olympia, um in einer sechswöchigen Bauaufnahmekampagne das Gebäude zu vermessen, ein Raumbuch zu erstellen sowie Theorien zu Bauphasen und zur Rekonstruktion des Gebäudes auszuarbeiten. Die Kooperation mit dem DAI kam über Claudia Mächler M.A. zustande, die zuvor ebenfalls den Studiengang Historische Bauforschung an der OTH Regensburg absolviert hat und nun am Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts arbeitet und das Projekt betreut hat.

„Die detaillierte Untersuchung des Gebäudes ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass sie aufgrund ihres Errichtungszeitraumes ein Bild der jüngsten Entwicklungsstufe der Badekultur in Olympia widerspiegelt und sich in ihrer Baustruktur der Nutzungswandel des Heiligtums in der Spätantike abzeichnet“, sagen die Verfasserinnen. Die Leonidaion-Therme war ein technisch ausgeklügeltes Bad: Beheizt wurde sie durch ein kombiniertes System aus Wand- und Bodenheizung.

Nach der Funktion des Gebäudes als Bad wurde es als Kelterei und als Werkstatt genutzt. Nach Ergänzungen der Bauaufnahme und vertiefenden Betrachtungen, die im Rahmen einer Anstellung der beiden Verfasserinnen am DAI erfolgt, werden die Forschungsergebnisse in eine abschließende Publikation des DAI münden. Zugleich wird die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen DAI und OTH Regensburg fortgesetzt: Eine weitere Masterarbeit zur Untersuchung einer spätantiken Kirche in Olympia, die in die berühmte Phidias-Werkstatt eingebaut wurde, ist in Arbeit.

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