Architektur: HS.R-Studierende entwerfen einen "Dorf.Mittel.Punkt"

04.06.2013
Von: Prof. Anne Beer

Architektur-Studierende der Hochschule Regensburg (HS.R) stellten Entwürfe für neuen "Dorf.Mittel.Punkt" in strukturschwachen Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth vor.

Architektur-Studierende und Professor Anne Beer

Architektur-Studierende der HS.R stellen Entwürfe für das Projekt "Dorf.Mittel.Punkt" vor. Professorin Anne Beer (links) betreute die Gruppe. Foto: Hochschule Regensburg

Vor eine interessante Aufgabe gestellt sahen sich die Architektur-Studierenden von Professorin Anne Beer, die gemeinsam mit dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz eine Aufgabe stellte, die sich mit den Folgen von Strukturwandel und demographischer Entwicklung in den ländlichen Gemeinden der nördlichen Oberpfalz auseinandersetzen und exemplarisch Strategien für die Reaktivierung geschwächter Ortszentren aufzeigen sollten.

Ausgangspunkt war die Verwaltungsgemeinschaft Neusorg im Landkreis Tirschenreuth: Demographischer Umbau und Strukturwandel führen, wie auch andernorts, hier zunehmend zu Leerständen oder baulichen Unternutzungen im Bestand. Der Rückbau beziehungsweise das Wegfallen von Grundversorgung an Infrastruktur gefährden schleichend die sogenannte "Daseinsvorsorge" der Kommunen.

Das mögliche Konzept, aktiv mit kleinteiligen Versorgungsfunktionen in Form sogenannter Dorf.Mittel.Punkte fallenden Strukturen entgegenzuwirken, sollte exemplarisch untersucht werden. Das Programm durfte dabei innovativ entwickelt werden; es mussten jedoch die drei Säulen Handel, Dienstleistung und Soziale Versorgung abgedeckt werden.

Für die Bearbeitung wurden die beiden Gemeinden Ebnath und Brand definiert: Ausgehend von einer Gemeindeanalyse zu Raum, Funktionsgefüge, Verkehr, Grün, und Potentialen für Wirtschaft und Tourismus, haben die Studierenden Vorschläge entwickelt, wie ganz spezifisch, in Nachqualifizierung bestehender Potentiale, diese Ortszentren neu gestärkt werden könnten.

Arbeitsorte waren jeweils Liegenschaften mit Identität stiftender, räumlicher Relevanz für die jeweilige Kommune: So wurden in Brand die leerstehenden Gebäude des "Goldenen Hirschen", ein ehemaliges Traditionsgasthaus mit Saal und Fremdenzimmern, für Umnutzung untersucht. In Ebnath wurde eine Parzelle direkt am Fuss der historischen Kirche, in Ersatzbau eines heruntergekommenen Geschäftshauses, zur Bearbeitung gestellt.

Am Beispiel des leerstehenden Gasthofes "Goldener Hirsch" in der 1148 Einwohner zählenden Gemeinde Brand zeigten die Studierenden beispielsweise auf, wie sich der Ortskern, ausgehend von den Potentialen vor Ort, mit neuer Nutzung gestalten ließe: Eine komplexe Analyse der historischen Gehöfte führte hier zu dem Vorschlag eines Bio-Schul-Landheimes, das in enger Vernetzung und In-Wert-Setzung mit den räumlichen und produktiven Potentialen der Landwirtschaftsbetriebe vor Ort am Tourismus-Markt eine eigenständige Position besetzen könnte, und dabei dennoch eng mit der Geschichte des Dorfes und seiner Identität verbunden wäre.

Begleitet wurde das Seminar mit Vorträgen von Bettina Witt und Willi Perzl vom Amt für ländliche Entwicklung. Gastkritik der Schlusspräsentation von Architekt Martin Köstlicher.

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