Agilität und "empirischer turn" in der Hochschuldidaktik

05.07.2018
Von: Dr. Matthias Kampmann, LaS³

Die dritte ECSEE-Konferenz steckte den Rahmen gegenwärtiger Hochschuldidaktik im Software Engineering ab. Organisiert hat die mehrtägige Veranstaltung Prof. Dr. Jürgen Mottok vom Laboratory for Safe and Secure Systems (LaS³).

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der dritten ECSEE-Konferenz, die vom 14. bis 16. Juni 2018 im Kloster Seeon im Chiemgau stattfand.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der dritten ECSEE-Konferenz, die vom 14. bis 16. Juni 2018 im Kloster Seeon im Chiemgau stattfand. Foto: Dr. Matthias Kampmann, LaS³

Vom 14. bis 16. Juni 2018 trafen sich 54 internationale Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Kloster Seeon im Chiemgau zur dritten „European Conference of Software Engineering Education“ (ECSEE) und zum Erfahrungsaustausch über neue Methoden und didaktische Konzepte in der Lehre des Software Engineering. Drei hochwertige Keynotes rahmten sechs Sessions mit insgesamt 18 Fachvorträgen ein. Eingereicht wurden 23 Papers. Die Akzeptanzrate lag demgemäß bei 78 Prozent.

Agilität als Eckpfeiler aktueller Lehre

Nach der Begrüßung durch den General Chair, Prof. Dr. Jürgen Mottok von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), der für die Organisation verantwortlich zeichnete, startete die Konferenz mit einem richtungsweisenden Vortrag des Schweizer Ethik- und Didaktikforschers Christof Arn. Mit seiner initialen Botschaft, das Unerwartete in der Lehre nicht als vermeidbar, sondern vielmehr als Chance und Ressource zu denken und zu leben, markierte er einen Eckpfeiler aktueller Lehre: die Agilität. Wie die Best-Practice-Beispiele zeigten, die im Rahmen der ECSEE vorgestellt wurden, spielt Agilität schon jetzt international eine große Rolle in der Arbeit mit den Studierenden im Software Engineering.

Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz mündete in der Forderung nach einem "empirischen turn" in der Lehre des Software Engineering, wie der zweite Keynote-Speaker, der Medieninformatiker Prof. Dr. Christian Wolff von der Universität Regensburg, pointiert darlegte. Eine auf quantitativer Forschung basierende Evaluation der Lehre schafft die Grundlage für eine faktenorientierte Verbesserung ihrer Methodik. 

Die dritte Keynote von Prof. Dr. Bernd Brügge (Technische Universität München) offenbarte eine Synthese aus beiden Richtungen. Mit Verve präsentierte Prof. Dr. Brügge, wie er Elemente aus Scrum zur aktivierenden Lehre in seiner Vorlesung mit bis zu 1.600 Hörerinnen und Hörern einsetzt. In seiner Auswertung wurde deutlich: Die Verfahren bewähren sich.

Vorträge des wissenschaftlichen Nachwuchses

Der EVELIN-Standort der OTH Regensburg, angesiedelt am Laboratory for Safe and Secure Systems, LaS³, präsentierte in zwei Fachvorträgen einen Ausschnitt seiner Arbeit. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sabrina Jahn und Rebecca Reuter erklärten ihre Sicht auf die Charakterisierung von sogenannten "Learning Tasks" und ihre Bedeutung für die Lehre und das Lernen im Software Engineering.

In Vertretung des wissenschaftlichen Mitarbeiters Florian Hauser zeigte Ivonne Hutzler, auf welche Weise Eyetracking-Verfahren für die Lehre und das Verständnis von Wahrnehmungsprozessen erkenntnisbringend sind. Mit einer mobilen Eyetracking-Station bot sich allen Konferenzteilnehmenden die Möglichkeit, an dem Experiment teilzunehmen.

Zum Abschluss: Preisverleihungen

Zum Konferenzende verlieh das Organisationsteam Best Paper und Best Presentation Awards. In diesem Jahr ging der „Best Presentation Award“ an Gordon Fraser von der Universität Passau, der stellvertretend für seine Koautoren Alessio Gambi (Universität Passau) und José Miguel Rojas (University of Leicester) über „A Preliminary Report on Gamifying a Software Testing Course with the Code Defenders Testing Game“ vortrug. Unterhaltsam, präzise und mit britischem Humor schilderte er die positiven Auswirkungen seines digitalen Lernsettings. Im Zentrum steht die webbasierte und frei zugängliche Software „Code Defenders“.

Das „Best EVELIN Paper“ verfassten Georg Hagel, Martina Müller-Author – beide von der Hochschule Kempten –, Dieter Landes und Yvonne Sedelmaier – beide von der Hochschule Coburg – unter dem Titel „Involving Customers in Requirements Engineering Education: Mind the Goals!“. Das „Best External Paper“ reichten Jefferson Seide Molléri, Javier Gonzalez-Huerta und Kennet Henningsson vom Blekinge Institute of Technology, Karlskrona in Schweden mit dem Titel „A Legacy Game for Project Management in Software Engineering Courses“ ein. Sämtliche Proceedings sind in der ACM Digital Library veröffentlicht.

Die ECSEE: eine Veranstaltung des Projekts EVELIN

Die ECSEE ist derzeit noch eine Veranstaltung des Projekts EVELIN (Experimentelle Verbesserung des Lernens von Software Engineering). EVELIN wird im Rahmen des Qualitätspakts Lehre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das Projekt, das Forschungen an fünf bayerischen Hochschulen umfasst, befindet sich in der zweiten Förderungsphase, die bis Ende 2020 läuft. 

Vom 17. bis 19. Juni 2020 wird in geänderter Trägerschaft die vierte ECSEE im Kloster Seeon stattfinden.

Zurück