Absolvent erreicht bei Startup Challenge den dritten Platz

26.07.2017
Von: Elisabeth Schmid

Innovative Konzepte in der Raumfahrt: Stefan Eisenknappl, Absolvent der Elektro- und Informationstechnik an der OTH Regensburg, schafft dritten Platz in europaweitem Wettbewerb.

Stefan Eisenknappl. Foto: Stefan Eisenknappl

Stefan Eisenknappl. Foto: Stefan Eisenknappl

Zentrifugen-Training. Foto: Flemming Ottsen

Zentrifugen-Training. Foto: Flemming Ottsen

Stefan Eisenknappl beim Zentrifugen-Training.

Stefan Eisenknappl beim Zentrifugen-Training. Foto: Flemming Ottsen

Stefan Eisenknappl hat die Zentrifuge gut überstanden. Foto: Flemming Ottsen

Stefan Eisenknappl hat die Zentrifuge gut überstanden. Foto: Flemming Ottsen

Remote sensing laboratory in China. Foto: NCIAE

Remote sensing laboratory in China. Foto: NCIAE

Preisverleihung ESA BIC Berlin. Foto: DLR Leuschner

Preisverleihung ESA BIC Berlin. Foto: DLR Leuschner

Stefan Eisenknappl hat im März sein Bachelorstudium Elektro- und Informationstechnik an der OTH Regensburg erfolgreich abgeschlossen. Bei der ESA BIC Start up Challenge 2017 „Innospace Masters“, ein jährlich stattfindender europaweiter Wettbewerb, der innovative Konzepte in allen Bereichen der Raumfahrt prämiert, hat es Stefan Eisenknappl unter die besten drei geschafft. Von seiner Idee „Small, multi-purpose and floatable launch platform for uncertified rockets, spacecrafts and balloons“ musste er verschiedene Auswahlgremien mit Vertretern aus der Raumfahrtindustrie und Experten der Raumfahrtagenturen überzeugen. 

Die Begeisterung und Leidenschaft für die Luft- und Raumfahrt begleitet Stefan Eisenknappl seit seiner Kindheit. „Schon als Kind habe ich Bücher über Raumfahrt verschlungen. Mit meinem Teleskop habe ich die Sterne beobachtet und mein Kinderzimmer mit den Planteten unseres Sonnensystems im genauen Maßstab geschmückt. Auch das Fliegen hat mich immer schon begeistert. Seit meiner Kindheit besteht der Wunsch, einmal ins All zu reisen.“ erzählt er fasziniert.

Das Studium hat Stefan Eisenknappl konkret genutzt, um Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln – weltweit. Er schaffte das fast Unmögliche – bei einer amerikanischen Luft- und Raumfahrtfirma ein Praktikum zu absolvieren. Bei Interorbital Systems am Mojave Air and Spaceport beschäftigte er sich in den sechs Monaten seines Praktikums mit Raketentriebwerken, mechanischen Raketensteuerungen und Raketentests.

Auslandspraktika in USA, China und Dänemark

Über Kontakte dort lernte er Dick Rutan kennen, einen erfahrenen und renommierten Testpiloten, der insbesondere durch seine Nonstop-Weltumrundung mit der Voyager bekannt wurde. Stefan Eisenknappl bekam die Möglichkeit, bei ihm den Pilotenschein zu machen - ein weiterer Traum ging in Erfüllung. Er verlängerte seinen USA-Aufenthalt, da sich die Möglichkeit ergab bei Dave Ronneberg, Geschäftsführer bei Berkut Engineering and Design in Santa Monica, und bei EPS (Engineering Propulsion Systems, Inc.) in Mojave und New Richmond, Erfahrungen in den Bereichen Flugzeugbau und Flugversuche zu sammeln.

Zurück an der OTH Regensburg hielt es ihn nicht lange. Er nutzte die vorlesungsfreien Zeiten gezielt, um am North China Institute of Aerospace Engineering in Langfang, China, und bei Copenhagen Suborbitals in Kopenhagen, Dänemark, sein Know-how zu vertiefen. Für seine Bachelorarbeit forschte Stefan Eisenknappl am RML Spacelab in Kopenhagen an der Entwicklung einer bemannten suborbitalen Rakete. „Meine Auslandsaufenthalte haben mich zu einem Experten auf einem ganz speziellen Gebiet der Luft- und Raumfahrttechnik gemacht. Eine Zusammenarbeit mit herausragenden Persönlichkeiten der experimentellen Luft- und Raumfahrtbranche und die damit gewonnene Erfahrung wären für mich in Deutschland so nicht möglich gewesen. Meine Auslandspraktika in USA, China und Dänemark waren einschneidende Erlebnisse, welche mein Leben komplett verändert haben. Ohne die Unterstützung der Professoren meines Studiengangs und des Akademischen Auslandsamts der OTH Regensburg wäre dies nicht möglich gewesen.“ schildert Stefan Eisenknappl. 

Reiseziel Mond – Finanzierung mittels Crowdfunding

Momentan arbeitet Stefan Eisenknappl, gemeinsam mit einem guten Freund, in Kopenhagen am Bau einer zivilen suborbitalen Rakete. Ein Prüflauf ist im Sommer geplant, der Raketenstart im Herbst. „Wir sind vermutlich bis jetzt das jüngste und kleinste Team mit dem geringsten finanziellen Aufwand, das einen solchen Versuch unternimmt.“ berichtet Stefan Eisenknappl stolz. „Für die Finanzierung mittels Crowdfunding haben wir uns etwas Ungewöhnliches einfallen lassen, neben Raumfahrtenthusiasten wollen wir auch die ganz normale Bevölkerung ansprechen. Dementsprechend wird das Aussehen der Rakete nach dem berühmten Comic ´Tim und Struppi – Reiseziel Mond` inspiriert sein. Wir sind selbst überwältigt von der positiven Resonanz“. (Mehr unter www.DestinationMoon.space)

Destination Moon sieht Stefan Eisenknappl als seine Inspirations- und Entscheidungsphase zwischen abgeschlossenem Studium und Beruf. „Es ist eine tolle Möglichkeit nochmals völlig ungebunden ein überschaubares Projekt umzusetzen und zu erkunden, was sich daraus ergibt.“ Stefan Eisenknappl will Studierende, die noch am Anfang ihres Studiums stehen, inspirieren. „Ich möchte jeden dazu motivieren, Projekte zu realisieren, selbst wenn deren Erfüllung anfangs utopisch erscheint. Speziell in jungen Jahren sollte man sich das Unmögliche zutrauen und versuchen, das Beste aus dem vermeintlich Unvorstellbaren zu machen, denn es entstehen daraus immer wertvolle Zutaten für spätere Lebensabschnitte.“ so Stefan Eisenknappl.

Er erzählt, er sei sehr bodenständig aufgewachsen und hätte nie gedacht, dass er einmal mit amerikanischen Astronauten, Rekordhaltern und Testpiloten zusammenarbeiten und von diesen ausgebildet werde. Der Pilotenschein, Flugzeugbau und -tests, zivile Raketentests und –starts in der Wüste und im baltischen Meer mit dem Ziel, einen Menschen ins All zu befördern – Erfahrungen und Erlebnisse, die Stefan Eisenknappl persönlich und fachlich geprägt und seinem großen Traum, einmal ins All zu reisen, ein Stück näher gebracht haben. 

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