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Verlängerungsleitung für die Energiewende – neues Testfeld eröffnet

25.10.2019
Von: TU Darmstadt, Stabsstelle Hochschulkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Die OTH Regensburg erforscht im Rahmen eines interdisziplinären Kooperationsprojekts den Transport regenerativ erzeugten Stroms.

Ein neues Testfeld zur Erforschung des Transports regenerativ erzeugten Stroms wurde am 17. Oktober 2019 in Griesheim eröffnet.

Ein neues Testfeld zur Erforschung des Transports regenerativ erzeugten Stroms wurde am 17. Oktober 2019 in Griesheim eröffnet.

Projektleiter Prof. Dr. Thomas Neidhart der OTH Regensburg gab bei der Eröffnungsfeier des Testfelds Einblicke in dessen Funktionsweise.

Projektleiter Prof. Dr. Thomas Neidhart der OTH Regensburg gab bei der Eröffnungsfeier des Testfelds Einblicke in dessen Funktionsweise. Fotos: Gregor Rynkowski, TU Darmstadt

In einem Langzeit-Großversuch geht die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) gemeinsam mit der Siemens AG, der TU Darmstadt und der TU Berlin der Frage nach, wie sich regenerativ erzeugter Strom mit unterirdischen, gasisolierten Gleichstromleitungen verlustarm, effizient und kompakt über weite Strecken transportieren lässt. Dazu wurde am 17. Oktober 2019 das Testfeld auf dem August-Euler-Flugplatz in Griesheim eröffnet, wo Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kooperationspartner unter Realbedingungen diese bislang wenig erforschte, aber potenziell zukunftsträchtige Technologie in einem mindestens einjährigen Langzeitversuch testen.

Für das Gelingen der Energiewende ist der elektrische Netzausbau in Deutschland essentiell, um den aus Windenergie erzeugten Strom im Norden in den Süden zu transportieren. Dabei entstehen jedoch sowohl technische als auch gesellschaftliche Herausforderungen, da der Bau von Hochspannungsfreileitungen teilweise auf Widerstand bei Anwohnerinnen und Anwohnern stößt und die Energie mit herkömmlichen Wechselstrom-Erdkabeln nicht wirtschaftlich über hunderte Kilometer transportiert werden kann.

Eine Ergänzung zu den bisherigen Übertragungstechniken stellen neuartige platzsparende, gasisolierte Gleichstrom-Übertragungsleitungen dar. Durch die kompakte Bauweise lassen sich fünf Gigawatt – die Leistung von rund 1.000 großen Offshore-Windkraftanlagen – auf einer Trassenbreite von ca. sechs Metern übertragen. Freileitungen benötigen für geringere Leistungen etwa 60 Meter breite Trassen.

Im Rahmen des Projekts soll nun herausgefunden werden, ob die gasisolierten Gleichstromleitungen die Anforderungen erfüllen: höhere Übertragungsleistung, geringerer Landschaftsverbrauch, geringere elektrische Verluste, hohe Zuverlässigkeit sowie eine höhere Wirtschaftlichkeit.

OTH Regensburg sammelt Messdaten

Das Fachgebiet Geotechnik der Fakultät Bauingenieurswesen der OTH Regensburg nimmt, unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Neidhart, thermische und mechanische Messungen vor. Mithilfe von Messsensoren, werden die Bodenmechanik und die thermischen Grenzwerte der in zeitweise fließfähige Verfüllbaustoffe gebettete gasisolierte Gleichstrom-Übertragungsleitungen beobachtet. Ein Jahr lang werden dafür alle 10 Minuten Messdaten gesammelt, um zu überprüfen, ob die von der OTH Regensburg konzeptionierten, zeitweise fließfähigen Verfüllbaustoffe wirksam und dauerhaft die wärmebedingten Dehnungen verhindern sowie die geplante hohe Wärmeableitung gewährleisten.

Projektleiter Prof. Dr. Neidhart ist besonders stolz darauf, dass fast alle eingebauten Sensoren den rauen Baustellenbetrieb und die Witterungseinflüsse überlebt haben und tadellos funktionieren. Hierfür spielen die Erfahrungen der Forschergruppe Geotechnik, die intensiv im Forschungscluster Energieeffiziente und Ressourcenschonende Baustoffe und Bauverfahren (ERB) engagiert ist, eine große Rolle. Besonders ist außerdem, dass nicht nur direkt an der gasisolierten Gleichstrom-Übertragungsleitung gemessen wird, sondern auch Bodenbereiche bis zu 16 Meter daneben erfasst werden.

Das interdisziplinäre Projekt wird durch öffentliche Fördergelder finanziell unterstützt. Hierbei werden die Arbeitspakete der Siemens AG, der OTH Regensburg und der TU Berlin sowie ein Arbeitspaket der TU Darmstadt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) öffentlich gefördert. Außerdem erhält die TU Darmstadt Fördergelder vom Hessischen Wirtschaftsministerium durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für die Schaffung der benötigten Infrastruktur sowie für die Prüftechnik und die Durchführung der Hochspannungsversuche auf ihrem Grundstück in Griesheim.

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