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OTH Regensburg erarbeitet Vorschläge zur Stabilität des Stromnetzes

12.11.2019
Von: Stabsstelle Hochschulkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Wissenschaftler der OTH Regensburg haben eine Studie zur Blindleistung für die Stabilisierung der Netzspannung erstellt. Eine Bundeskommission unter Vorsitz von Prof. Dr. Oliver Brückl stellte den Endbericht nun vor.

Blindleistung sorgt für eine gewisse Stabilität der Spannung im Stromnetz.

Blindleistung sorgt für eine gewisse Stabilität der Spannung im Stromnetz.

Prof. Dr. Oliver Brückl von der OTH Regensburg steht der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eingesetzten „Kommission zur zukünftigen Beschaffung von Blindleistung“ vor.

Prof. Dr. Oliver Brückl von der OTH Regensburg steht der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eingesetzten „Kommission zur zukünftigen Beschaffung von Blindleistung“ vor. Fotos: OTH Regensburg / Florian Hammerich

Angesichts der Herausforderungen der Energiewende für das deutsche Stromnetz setzt die Bundesregierung auf die Expertise der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg). Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) sollen die Wissenschaftler anhand von Simulationen zunächst untersuchen, wie hoch der Bedarf an sogenannter Blindleistung im gesamten deutschen Stromnetz künftig sein wird. In einem nächsten Schritt arbeitet das Team um Prof. Dr. Oliver Brückl aus der Fakultät Elektro- und Informationstechnik Defizite bei der Bereitstellung von Blindleistung im Übertragungsnetz heraus und berechnet, wie diese durch Blindleistungsquellen im Verteilungsnetz gedeckt werden könnten.

Blindleistung hält im Stromnetz die Spannung auf einem bestimmten Niveau stabil, so dass beispielsweise Elektrogeräte zuverlässig funktionieren und nicht beschädigt werden. Es handelt sich um eine zweite Art der elektrischen Leistung, mit der zwar keine Wirkenergie umgesetzt, aber die Spannung geregelt werden kann. Energiewende und Elektromobilität erschweren die Einhaltung der definierten Spannungsgrenzen, weil die Netze ursprünglich nicht für diese hohen Leistungseinspeisungen und -entnahmen ausgelegt waren. Bislang wurde Blindleistung vor allem aus konventionellen Kraftwerken aus dem Übertragungsnetz bereitgestellt. Mit Verdrängung dieser Kraftwerke verschärft sich also die Situation.

Es handelt sich bereits um die zweite Studie zur zukünftigen Bereitstellung von Blindleistung, die die OTH Regensburg gemeinsam mit dem Institut für Netz- und Anwendungstechnik (INA) erarbeitet. Prof. Dr. Brückl ist im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereits als Experte für Netzstabilität etabliert. So berät und unterstützt er das Ministerium bei der Umsetzung des Clean Energy Package (CEP) der EU. Das CEP beschreibt, wie die Energieversorgung in der EU künftig organisiert und umgesetzt werden soll. Dabei gibt es teils deutliche Änderungen im Vergleich zur gegenwärtigen Situation. Im Sommer dieses Jahres wurde Prof. Dr. Brückl zudem vom BMWi als ständiges Mitglied der AG Systemsicherheit berufen. Diese entwickelt Maßnahmen, die trotz der großen Veränderungen im Energiesektor einen sicheren Betrieb der Stromnetze garantieren. Außerdem steht der Wissenschaftler der OTH Regensburg der vom BMWi eingesetzten „Kommission zur zukünftigen Beschaffung von Blindleistung“ vor, die nun ihren Endbericht veröffentlichte. Darin schlagen die Expertinnen und Experten vor, Strommarktteilnehmer, die Blindleistung zur Stabilisierung der Netzspannung liefern, künftig zu entlohnen. Laut der Empfehlung sollen Netzbetreiber und Blindleistungslieferanten die Vergütungen bilateral aushandeln. Dabei bleibt offen, ob es für die Höhe der Vergütungen Vorgaben geben soll.

In der Kommission hatten sich rund ein Jahr lang Vertreterinnen und Vertreter der 15 größten und relevantesten Verbände im Bereich Stromversorgung, die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde, das Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) als Ausschuss des Verbands der Elektrotechnik (VDE) sowie Vertreter mehrerer Abteilungen des Bundeswirtschaftsministeriums ausgetauscht.

Der Endbericht befindet sich bis 15. November 2019 in der öffentlichen Konsultation, in der jeder das Dokument kommentieren oder Anregungen und Vorschläge einreichen kann. Auf Basis dieses Endberichts, der Konsultation sowie weiteren Workshops soll kommendes Jahr entschieden werden, wie tatsächlich die Spannungsstabilität künftig organisiert werden soll.

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