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Effizienzhaus Plus in Deggendorf-Natternberg - Wissenschaftliche Begleitforschung an der OTH Regensburg

Projektbeschreibung

Für das Effizienzhaus Plus der Firma Bachl GmbH & Co. KG in Deggendorf-Natternberg wurde die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg mit der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Energie-Monitoring beauftragt. Die Forschung wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gefördert. Über einen Zeitraum von zwei Messjahren vom 01.11.2014 bis 31.10.2016 wurden sämtliche Energiedaten aufgenommen und ausgewertet.

Mithilfe von Strom- und Wärmemengenzählern sowie Sensoren für Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2-Gehalt in verschiedenen Räumen wurde eine vollständige und differenzierte Erfassung der Energieströme und des Raumklimas erreicht. Im Haus wurden dazu insgesamt über 50 Sensoren verbaut, davon allein 10 Temperatursensoren zur Überwachung und technischen Bewertung des Warmwasser-Pufferspeichers. Für die Messung der elektrischen Ströme in Erzeuger- und Verbraucherkreisen wurden 25 Sensoren benötigt. Ultraschall-Wärmemengenzähler dienten zur Messung der Wärmeströme im Heizungssystem.

Auf dem Dach des Hauses befindet sich eine Wetterstation, um die tatsächlichen Erträge mit der vorhandenen Wettersituation (Außentemperatur, Sonneneinstrahlung) im Betrachtungszeitraum normieren zu können. Dies ist wichtig für die Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit anderen Energieeffizienzhaus-Projekten und Anlagentypen. Insbesondere die monatlichen Bilanzen für den Endenergieverbrauch, die Erträge von Photovoltaikanlage und Sonnenkollektoren und die Zu- und Abflüsse der Energiespeicher (Druckluft- und Warmwasser-Pufferspeicher) standen im Mittelpunkt der Untersuchungen. Aber auch die Art der Energienutzung (Beleuchtung, Raumwärme, Brauchwarmwasser, E-Mobilität) wurde bewertet.

Das Gebäude wird vorwiegend solarthermisch beheizt, ergänzt durch eine elektrische Nachheizung. PV‐Module auf dem Dach decken den Jahresstrombedarf bilanziell. Durch Einsatz eines Batteriespeichers kann der Anteil des selbst genutzten PV‐Stroms erhöht werden.

Die Gesamtbilanz des ersten Messjahres zeigt, dass das Gebäude primär‐ und endenergetisch die Anforderungen an den Effizienzhaus Plus Standard erfüllt.

In der Endauswertung werden die Energieflüsse, Gewinne und Verbräuche, sowie die Wirkungsgrade, den solaren und elektrischen Deckungsgrad und den Autarkiegrad des Gebäudes im Detail untersucht. Wir diskutieren den Einfluss des elektrischen Batteriespeichers sowie die thermischen Verluste aus dem Pufferspeicher.

Verbesserungspotentiale werden in der Beseitigung von haustechnischen Fehlfunktionen und in einer stärkeren Dämmung des Pufferspeichers gesehen. Dieser ist zudem für den beabsichtigten Zweck nach den Erkenntnissen aus den empirischen Messungen zu groß dimensioniert, wodurch sich für künftige Projekte ein Einsparungspotential ergibt.

Die wichtigsten Kenndaten wurden an das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart übermittelt, das vom BMVBS mit der Quervernetzung aller laufenden Modellhaus-Förderprojekte zum Thema „Effizienzhaus Plus“ beauftragt ist.

Der vollständige Endbericht kann als pdf-Datei von der Internetseite der Forschungsinitiative Zukunft BAU heruntergeladen werden.

Ansprechpartner:

  • Prof. Dr. Oliver Steffens (Projektleiter, Bauphysik)
  • Prof. Dipl.-Ing. Nikolaus Neuleitner, Architekt BDA
  • Prof. Dr.-Ing. Christian Rechenauer (Heizungs- und Klimatechnik)