Zwölf Jahre Vizepräsident an der OTH Regensburg

21.08.2018
Von: Tanja Rexhepaj

Professor Dr. Wolfgang Bock hat an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) 40 Studiengänge formal mit auf den Weg gebracht. Ein Interview über fast 30 Dienstjahre - davon zwölf als Vizepräsident - an der OTH Regensburg.

Prof. Dr. Wolfgang Bock war als Vizepräsident verantwortlich für Lehre und Studium. Hier bei einer Erstsemesterbegrüßung im Wintersemester 2016/2017.

Prof. Dr. Wolfgang Bock war als Vizepräsident verantwortlich für Lehre und Studium. Hier bei einer Erstsemesterbegrüßung im Wintersemester 2016/2017. Foto: OTH Regensburg / Florian Hammerich

Urkundenverleihung anlässlich der erfolgreichen Systemakkreditierung mit Dr. Verena Kloeters (Mitte), Geschäftsführerin der Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen AQAS

Urkundenverleihung anlässlich der erfolgreichen Systemakkreditierung mit Dr. Verena Kloeters (Mitte), Geschäftsführerin der Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen AQAS – (von links) Prof. Dr. Manfred Hopfenmüller, Rudolf Rödl, Prof. Dr. Ralph Schneider, Alice Werther, Prof. Dr. Wolfgang Baier, Dr. Verena Kloeters, Ralph Böhnel, Sandra Rochholz, Kristin Hoffmann, Larissa Raith und Prof. Dr. Wolfgang Bock. Foto: OTH Regensburg

Nächstes Jahr feiern Sie 30-jähriges Dienstjubiläum an der OTH Regensburg: 1989 haben Sie an der damaligen FH Regensburg eine nebenberufliche Lehrtätigkeit in den Fächern Elektrotechnik und Elektronik aufgenommen. Welche Erinnerungen haben Sie aus Ihrer Zeit als junger Dozent?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Der Beginn meiner Dozententätigkeit fiel in die Zeit der "Ersten digitalen Revolution", in der der "Personal Computer" zum Standardwerkzeug im Beruf und zum Statusobjekt im Privaten avancierte. An der damaligen Fachhochschule gab es zwar erste Labore mit teurer Rechnerausstattung, die Lehrenden konnten aber noch nicht flächendeckend die neue Digitaltechnik nutzen. Kopieren war aus Kostengründen reglementiert, Prüfungsunterlagen und - soweit vorhanden - Lehrveranstaltungsunterlagen wurden im Fachbereichssekretariat mit Schreibmaschine getippt. Trotz der Empfehlungen durch erfahrene Kollegen, nichts selbst zu tippen, habe ich diesen Service nicht mehr in Anspruch genommen.

Wie haben sich unsere Studierenden auf der einen Seite und unsere Professoren/innen auf der anderen Seite in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Die Studierenden haben sich meines Erachtens nach gar nicht so stark verändert. Die Interessen sind gleich geblieben. Es wird ein Studienabschluss angestrebt und dabei geschaut, wie dies mit optimiertem Ressourceneinsatz möglich ist. Einige haben vertieftes Interesse, andere versuchen es mit minimalem Einsatz. Das "Formelle" zwischen den Studierenden und den Lehrenden hat sich über die Jahre kaum verändert, wohl aber zwischen den Lehrenden selbst. Ein "Du" war vor 30 Jahren eher selten, dennoch trafen sich die Professoren und - soweit vorhanden - Professorinnen nebst Partnerin und Partner regelmäßig auch privat.

Mit dem Wintersemester 2017/2018 ist Ihre vierte und letzte Amtszeit als Vizepräsident für Studium und Lehre zu Ende gegangen. Ist mit vier Amtsperioden ein Maximum erreicht oder warum haben Sie sich nicht erneut für dieses Amt zur Wahl gestellt?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Ein Maximum im Sinne der Anzahl der Wahlperioden ist nach derzeitiger Grundordnung der Hochschule für Vizepräsidenten/innen nicht vorgegeben. Dennoch erfolgt eine Wahl für jeweils drei Jahre, eine Weiterausübung des Amtes ist jedes Mal neu zu entscheiden. Für mich selber sehe ich einige Aufgaben der letzten Jahre als erledigt an und umgekehrt neue Themen auf die Hochschule zukommen. Die noch anstehenden sieben Jahre meiner aktiven Dienstzeit sind für mich jetzt auch noch ausreichend lange, so dass es sich lohnt, mich in meinem Lehrgebiet noch einmal tiefer einzuarbeiten.

Viele Vizepräsidenten rücken in das Amt des Präsidenten nach - haben Sie das selbst nie in Betracht gezogen? Warum (nicht)?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Eine Bewerbung für das Präsidentenamt wäre beim letzten Amtswechsel jederzeit möglich gewesen. Da ich aber zu diesem Zeitpunkt schon sechs Jahre Vizepräsident war, konnte ich die für dieses Amt anstehenden Aufgaben genau einschätzen. Ein Präsidentenamt erfordert den Verzicht auf nahezu alle privaten Hobbies und bedingt neben der Verantwortung eine kontinuierliche Erreichbarkeit für Hochschulangelegenheiten. Das wollte ich meiner Familie und mir nicht antun.

In den zwölf Jahren als Vizepräsident, aber auch schon zuvor - etwa als Prodekan der Fakultät Maschinenbau - haben Sie die Entwicklung der OTH Regensburg maßgeblich mitgestaltet. Was ist aus Ihrer Sicht Ihr größter beruflicher Erfolg? Und was war die größte Herausforderung?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Mein größter beruflicher Erfolg ist sicher nicht auf einen singulären Sachverhalt reduzierbar. Eine derartige Frage ist auch am besten von anderer Seite zu beantworten. In der Rückschau freut es mich, dass über mehrere Entwicklungsschritte an der OTH Regensburg ein sehr attraktives und qualitativ hochwertiges Studienangebot aufgebaut werden konnte, das regional und auch überregional sehr gut nachgefragt wird. Aus externer Rückkopplung von verschiedener Seite wird die hohe Reputation der Hochschule immer wieder deutlich.

Persönlich hatte ich da und dort bei der Entwicklung der Studienprogramme durchaus auf die Einhaltung hochschulspezifischer Aspekte gedrängt. Es freut mich im Rückblick besonders, dass dabei sowohl mit den Studierenden, mit den Lehrenden und mit den Funktionsträgern ein sehr freundliches und kooperatives Verhältnis aufgebaut werden konnte. Eine meiner größten Herausforderungen stand gleich zu Beginn der ersten Amtsperiode an. Eine Novellierung des Hochschulgesetzes im Jahr 2006 brachte den Hochschulen mehr Freiheiten, aber auch mehr Pflichten. Gerade zu dieser Zeit war die Position des Juristen an der Hochschule temporär unbesetzt. Kaum im Amt musste ich dann, weitgehend auf mich alleine gestellt, die Allgemeine Studienordnung der Hochschule im Entwurf formulieren.

Stichwort Bologna-Prozess: Wie ist Ihre Meinung zu dieser transnationalen Hochschulreform und wie hat sich dadurch unser Hochschulalltag verändert?

Prof. Dr. Wolfgang Bock:Für die Mehrzahl der Änderungen, die der Bologna-Prozess mit sich brachte, gab es keine Alternative. Sieht man von der Bezeichnung der Abschlussgrade ab, war die Einführung der gestuften Struktur oder die Reduktion der Detailsteuerung durch die Staatsministerien wegen der Ausdifferenzierung der Berufsfelder und der internationalen Anschlussfähigkeit nicht mehr sinnvoll. Neben den neuen Studiengängen und der externen Qualitätssicherung brachte die Bologna-Reform einen deutlichen Wettbewerb in die Hochschulen.

Vor Ihrer Zeit an der OTH Regensburg waren Sie nach Ihrer Promotion in Physik als Forscher und Ingenieur bei der Siemens AG angestellt. Warum haben Sie sich letztlich für einen akademischen Karriereweg entschieden? Und warum haben Sie dafür die damalige FH Regensburg gewählt?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Mit der Fachhochschule Regensburg hatte ich bis zum Jahr 1989 fast nichts zu tun gehabt. Gegen Ende der achtziger Jahre stiegen die Studierendenzahlen merklich an, so dass die Hochschule auf der Suche nach Lehrbeauftragten bei Unternehmen nachgefragt hatte. In einem Schreiben des Fachbereichs Maschinenbau an Siemens Halbleiter (heute Infineon) wurde der Bedarf für Elektrotechnik und Elektronik dargestellt. Siemens hat den Brief an die Mitarbeiter weitergeleitet. Da mein Promotionsthema im Gebiet der angewandten Elektronik verankert war und meine Tätigkeit bei Siemens in Mess- und Produkttechnik lag, bewarb ich mich als Lehrbeauftragter und wurde auch sofort genommen. Dabei lernte ich die Hochschule und umgekehrt die Hochschule mich kennen.

Wie viele Studiengänge sind in Ihrer Amtszeit an der OTH Regensburg eingeführt worden, und welche davon haben sich aus Ihrer Sicht als besonders prägend für die OTH Regensburg erwiesen?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Von den heute mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengängen waren bei meinem Amtsantritt im Sommersemester 2006 erst drei Studiengänge eingeführt und weitere acht Studiengänge im Genehmigungsverfahren. Ich selber durfte deswegen rund 40 Studiengänge formal auf den Weg bringen und den zuständigen Gremien vorlegen. Dazu waren weit über 200 Satzungen auszuarbeiten und beschließen zu lassen. Besonders prägend für die OTH Regensburg sind nicht einzelne Fachdisziplinen, sondern umgekehrt das umfangreiche akademische Portfolio in den Disziplinen Ingenieur-, Natur-, Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitswissenschaften sowie Gestaltung. Die beiden letzteren Disziplinen waren im Jahr 2006 noch überhaupt nicht vorhanden.

Gibt es unter den Aufgaben, mit denen Sie an der Hochschule betraut waren oder sind - hier reicht die Palette von der Leitung des Alumni- und Career-Services sowie der Stabsstelle Qualitätsmanagement und Organisation bis hin zu Vertreterfunktionen bei der virtuellen Hochschule Bayern (vhb) oder beim Regensburger Stadtmarketing - eine, die Ihnen am besten gefällt?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Die genannten Aufgaben beanspruchten ganz unterschiedliche Zeitbudgets, so dass ein direkter Vergleich gar nicht möglich ist. Bei den internen Aufgaben hatte ich das besondere Glück, sehr motivierte und zuverlässige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben. Die Zusammenarbeit war deshalb sehr angenehm. Bei den externen Funktionen konnte ich viele Menschen in unterschiedlichen Funktionen aus der Region und weit darüber hinaus kennen und schätzen lernen. Das möchte ich im Nachhinein nicht missen.

Welches Ihrer vielen Spezial-Themen wie Frühstudium oder duales Studium halten Sie für besonders wichtig? Und welche dieser Spezial-Themen sind Ihrer Meinung nach ausbau- bzw. zukunftsfähig?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Allein von den Zahlen her ist das duale Studium von den beiden genannten das wichtigere Angebot der Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Beide Varianten zeigen, dass in Zukunft mit noch mehr Vielfalt der Angebote an den Hochschulen zurechnen ist. Der Begriff "Spezial-Themen" sollte durch Diversität ersetzt werden. Im Wettbewerb der Hochschulen und gegebenenfalls rückläufigen Anfängerzahlen werden angepasste und maßgeschneiderte Studienangebote die Erfolgsfaktoren sein.

Sie sind jetzt wieder schwerpunktmäßig in der Lehre tätig: Was haben Sie sich für die Zeit bis zu Ihrem Ruhestand noch vorgenommen?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: In der Fakultät Maschinenbau leite ich das Labor für Automatisierungssysteme. Die Themen in meinen Laborarbeiten passen bestens zur allseits diskutierten Industrie 4.0. Dabei ist es nicht leicht, mit der technischen Entwicklung mitzuhalten und die Studierenden optimal auf die Berufswelt vorzubereiten. Noch in diesem Jahr möchte ich wesentliche Teile der Laboreinrichtung aktualisieren.

Ihr Nachfolger im Amt des Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Prof. Dr. Ralph Schneider, ist nun auch mit einem der neueren Themen in diesem Bereich, nämlich der Virtuellen Lehre, konfrontiert. Vor welchen Aufgaben steht die OTH Regensburg im Zusammenhang damit? Wo sehen Sie Chancen und Risiken?

Prof. Dr. Wolfgang Bock: Für diese Frage möchte ich an die Antwort zur ersten Frage anknüpfen. Zu Beginn meiner Professorentätigkeit waren die Nutzung des PCs und das Bereitstellen von Skripten für Studierende neu und von den Lehrenden nicht in der Breite akzeptiert. Heute wird der Sinn von digitalen Lehrmethoden oder von "Blended Learning" zum Teil kritisch diskutiert. Dabei ist meiner Meinung nach das "Ob" keine Frage, gemischte analoge und digitale Lehranteile werden der Normalfall werden. Für eine weiterhin gute Wettbewerbsposition der OTH Regensburg sehe ich die Hochschule in guten Händen.

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