Wasser-Technologie trifft auf Brau-Technologie

14.02.2019
Von: Nina Auer, Hydro Solution e.V

Studierende der OTH Regensburg haben regelmäßig die Möglichkeit, einen Einblick in die Kunst des Brauens zu gewinnen. In Zusammenarbeit mit dem Verein Hydro Solution wurde Flusswasser gereinigt und im Brauprozess eingesetzt.

von  links: Sigfried Schrammel, Luis Wohlschläger,  Gerhard Goldmann, Maximilian Dötterl, Daniel Kutscher.

Beim Bierbrau-Projekttag am 5. Februar 2019: (von links) Sigfried Schrammel, Luis Wohlschläger, Gerhard Goldmann, Maximilian Dötterl, Daniel Kutscher.

Wasser-Technologie trifft auf Brau-Technologie. Das Wasser wurde dazu aus den drei Flüssen Regensburgs entnommen und aufbereitet.

Wasser-Technologie trifft auf Brau-Technologie. Das Wasser wurde dazu aus den drei Flüssen Regensburgs entnommen und aufbereitet.

Bierbrauen mit Regensburger Flusswasser

Bierbrauen mit Regensburger Flusswasser

Fotos: Michael Rübel und Nena de Pol / OTH Regensburg

Fotos: Michael Rübel und Nena de Pol / OTH Regensburg

Nur Wasser ist auch keine Lösung?! Eines ist aber sicher: Wasser ist die Basis von allem, auch von Bier. Studierende der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) haben regelmäßig die Möglichkeit, einen tiefen Einblick in die Kunst des Brauens zu gewinnen. Der Leiter der Werkstatt „Verfahrenstechnik Brauprozess“ Siegfried Schrammel erklärt dabei geduldig die genauen Abläufe. Ob beim Maischen oder Läutern: Es gibt einiges zu beachten. Und so wird auch tief in die verfahrenstechnische Theorie eingetaucht.

Aber dieses Mal ist etwas anders. Die älteste, heute noch gültige Lebensmittelvorschrift, das Bayerische Reinheitsgebot von 1516, schrieb lange Zeit fest, dass Bier nur aus Gerste, Hopfen und Wasser gebraut werden dürfe. Doch dieses Mal floss das Wasser nicht einfach aus der Leitung und damit aus einem tiefen Brunnen oder einer Quelle. Das benötigte Wasser wurde direkt aus den drei Flüssen Regensburgs entnommen: Naab, Regen und Donau.

Bier, gebraut mit Regensburger Flusswasser

Nun werden einige verständnislos den Kopf schütteln: Wie sollte man aus bräunlich-grünem Flusswasser Bier brauen? Die Verschmutzung und besonders die Zahl der Mikroorganismen übersteigen deutlich die von der Deutschen Trinkwasserverordnung vorgeschriebenen Werte. Genau da kommen die Filter des gemeinnützigen Vereins Hydro Solution e. V. ins Spiel. Es handelt sich um sogenannte Langsamsandfilter, die nicht nur außerordentlich effektiv, ohne den Einsatz von Chemikalien oder Energie herstellbar sind, sondern auch auf einem naturschonenden, biotechnologischen Prinzip basieren.

Seit zirka zwei Jahren wird die Filtrationstechnologie im Rahmen von Abschluss- und Forschungsarbeiten an der OTH Regensburg von studentischen Vereinsmitgliedern untersucht, weiterentwickelt und in ländlichen Gebieten Afrikas eingesetzt. Derartige Kooperationsprojekte wie „Wasser-Technologie trifft auf Brau-Technologie“ fördert die fakultäts- und fachübergreifende Zusammenarbeit.

Im Labor „Process Engineering“ der Fakultät Maschinenbau wird das Flusswasser durch die „Hydro Solution“-Filter zunächst aufbereitet. Ein Stockwerk höher, in der Werkstatt „Verfahrenstechnik Brauprozesse“, geht es dann weiter. Es wird geschrotet, gemaischt, geläutert, gekocht, abgekühlt und als letzter Schritt die Hefe zugegeben. Nun folgt der mehrwöchige Gärprozess und alle Beteiligten sind gespannt auf das sicherlich köstliche „Drei-Flüsse-Bier“.

VIDEO
Video vom Bierbrau-Projekttag am 5. Februar 2019

Über Hydro Solution e. V.

Hydro Solution setzt sich seit 2017 mit Leidenschaft und Engagement für das Menschenrecht auf „sauberes Trinkwasser“ ein. Vor allem in ländlichen Regionen Kenias und Burkina Fasos agiert der Verein, wo ein Großteil der Menschen ihr Trinkwasser unbehandelt aus bakteriell verseuchten Flüssen bezieht. Krankheiten wie Typhus oder Cholera gehören dort zum Alltag und verhindern nicht nur häufig den Schulbesuch, sondern führen mehrfach zum Tod.

Bereits 4.000 Menschen können mit Hilfe der Filter täglich mit sauberem Trinkwasser versorgt werden und jede Woche werden es mehr. So funktioniert das Konzept des Vereins nachhaltig und schafft einen wirtschaftlichen Nutzen. Ganz nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden Einheimische selbst im Filterbau ausgebildet und sind somit in der Lage, sich eine eigene Existenz zu sichern. Eine nächste Arbeitsreise der Studierenden nach Kenia steht im April 2019 an. Mit einer Spende können auch Externe die lebensrettende Arbeit von Hydro Solution e. V. in Afrika unterstützen.

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