Maschinenbau als Dienst am Menschen

13.01.2014
Von: Tanja Rexhepaj

Markus Geith, Absolvent der OTH Regensburg, erhält für seine Masterarbeit den BIOTECH-Innovationspreis. Geith forscht jetzt am Regensburg Center of Biomedical Engineering (RCBE) der OTH Regensburg an neuen Gefäßimplantaten.

Markus Geith während der mikroskopischen Untersuchung eines Stents, hier im Labor für Medizintechnik (RCBE) der OTH Regensburg. Im Hintergrund auf dem Bildschirm sieht man die einzelnen „Struts“ des Implantates. Foto: OTH Regensburg

Markus Geith während der mikroskopischen Untersuchung eines Stents, hier im Labor für Medizintechnik (RCBE) der OTH Regensburg. Im Hintergrund auf dem Bildschirm sieht man die einzelnen „Struts“ des Implantates. Foto: OTH Regensburg

Markus Geith ist Maschinenbauer. Aber dem 27-Jährigen geht es nicht um Maschinen: "Bei der Entwicklung von Medizinprodukten kann ich den klassischen Maschinenbau mit biologischen Systemen verknüpfen. Das ist spannend und zudem gibt es einem ein gutes Gefühl, da ich dem Menschen direkt helfen kann." Markus Geith geht es um den Menschen. Deshalb arbeitet er seit Juli 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand von Prof. Dr.-Ing. Thomas Schratzenstaller im Labor für Medizinprodukte der Fakultät Maschinenbau, das Mitglied des Regensburg Center of Biomedical Engineering (RCBE) ist. Seine Aufgabe: die Entwicklung eines neuartigen Gefäßimplantats, eines Stents mit verbesserten, für den Patienten vorteilhafteren Eigenschaften.

Entwicklung von Gefäßimplantaten

Die Anschubfinanzierung für sein Forschungsvorhaben steht bereits, und sein Betreuer Prof. Dr.-Ing. Thomas Schratzenstaller ist zuversichtlich, dass Kliniken und weitere Unternehmen Geiths Projekt unterstützen werden. Denn der avisierte Nutzen ist groß: Geith will mechanisch und fluiddynamisch optimierte Stents aus Metall mit einer Beschichtung aus Polymilchsäure, kurz PLA (aus dem Englischen „polylactic acid“), entwickeln. In diese sollen dann Medikamente eingelagert werden können, die eine überschießende Wundheilung in Folge der Gefäßaufweitung – typischerweise werden Stents als Stützen in den Herzkranzgefäßen verwendet - verhindern. Ein solcher PLA-beschichteter Stent würde deutlich geringere Verletzungen des betroffenen Blutgefäßes bedeuten. Infolgedessen müsste auch eine geringere Menge an Medikamenten als bisher auf dem Stent aufgebracht werden. „Zudem ist PLA bioresorbierbar, baut sich also nach einiger Zeit im Körper ab und setzt so das darin enthaltene Medikament kontrolliert frei“, erklärt Geith. Gelänge ihm die Umsetzung, blieben unzähligen Patienten chronische Entzündungen, Wiederverschlüsse der Gefäße oder Spätthrombosen erspart.

Vom Technischen Zeichner zum Forscher

Denn erst im November hat Markus Geith bereits eine Auszeichnung erhalten: Am Dies Academicus der Universität Regensburg hat der OTH-Absolvent den BIOTECH-Innovationspreis für seine Masterarbeit zum Thema „Einfluss von Flachsfasern auf die Biodegradationsrate von PLA-Kompositwerkstoffen“ verliehen bekommen. Der mit 1000 Euro dotierte Preis würdigt Geiths mit der Note 1,0 bewertete Arbeit, für die er sechs Monate lang im „Center of Advanced Composite Materials“ der „University of Auckland“ in Neuseeland geforscht hatte. Der Weg nach Neuseeland zu Prof. Dr. Debes Bhattacharyya, einem der international renommiertesten Wissenschaftler auf diesem Gebiet, war für Markus Geith kein gerader: Der gebürtige Straubinger hatte nach der Realschule zunächst eine Lehre zum Technischen Zeichner gemacht, bevor er sich entschloss, auf der BOS in Straubing sein Abitur nachzuholen. „Denn irgendwann war mir klar: Ich wollte studieren.“ 2007 schrieb er sich an der Hochschule Regensburg im Fach Maschinenbau ein, 2011 machte er seinen Bachelor.

Forschung rund um den Menschen

Zwei Jahre später folgte die Masterarbeit, wie gesagt, preisgekrönt. Und zu recht: Geith beweist in seiner Arbeit, dass ein Kompositwerkstoff aus PLA und Flachs besser abbaubar ist, als das reine PLA. Aus diesem völlig neuartigen Kompositwerkstoff könnten zukünftig etwa Plastiktüten hergestellt werden - ein Ansatz zur Minderung des globalen Müllproblems: Denn die neuen Tüten würden sich sehr viel schneller abbauen als die derzeit gebräuchlichen; entsprechende Master- und Doktorarbeiten, die den neuen Stoff unter anderem auf seine mechanischen Eigenschaften untersuchen, laufen bereits. „Das hat gute Zukunftschancen, da ja die Ölreserven irgendwann aus sind – und aus Öl werden bisher ja die meisten Plastikverpackungen hergestellt.“ Ja – Markus Geith geht es bei seiner Forschung um den Menschen, wenn nicht gar um die Menschheit.

Zurück