Nachrichten aus der Fakultät

„Segeln auf Sicht“ – Führungsfähigkeit im Zeitalter der Digitalisierung

19.06.2017
Von: Prof. Dr. Carina Braun

„Lectures in Leadership“ ist ein Veranstaltungsformat, das gemeinsam von Professorinnen und Professoren der OTH Regensburg sowie der Universität Regensburg organisiert wird. Das aktuelle Thema "Arbeits- und Führungskultur im Zeitalter von Digitalisierung und hoher Veränderungsdynamik" stieß auf sehr positive Resonanz.

„Lecture in Leadership“ mit Andreas Greve

Am 22. Mai fand an der OTH Regensburg die „Lecture in Leadership“ mit Andreas Greve - mit viel positiver Rückmeldung - statt. Foto: OTH Regensburg

Am 22. Mai 2017 fand erneut eine „Lecture in Leadership“ an der OTH Regensburg statt. Die „Lectures in Leadership“ sind ein Veranstaltungsformat, welches gemeinsam von Professorinnen und Professoren der OTH Regensburg sowie der Universität Regensburg, die sich fachlich mit dem Thema „Führung“ auseinandersetzen, organisiert wird. Bei diesen öffentlich zugänglichen Sondervorlesungen, die in der Regel zwei Mal pro Semester an einem frühen Abend stattfinden, werden Aspekte der Führung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Für die „Lecture in Leadership“ am 22. Mai konnte Andreas Greve, Mitbegründer und Geschäftsführer der nextpracice Gmbh sowie des nextpractice-Instituts für Komplexität und Wandel gGmbH in Bremen gewonnen werden. Seine Vorlesung unter dem Titel „Arbeits- und Führungskultur im Zeitalter von Digitalisierung und hoher Veränderungsdynamik“, zu der mehr als 100 Gäste von OTH, Universität und externen Unternehmen kamen, thematisierte den Wertewandel im Kontext Arbeit und Führung. 

„Ist das, was wir im Kollektiv entscheiden und wie wir uns verhalten, in unserem Sinne und das, was wir wirklich wollen?“ Andreas Greve begann seinen Vortrag mit der Bedeutung der Gesellschaft bei der Gestaltung und Veränderung unserer Kultur. Er verwies dabei vor allem auf die Komplexität, die durch die neuen Möglichkeiten verbunden mit Digitalisierung und die hohe Veränderungsdynamik entsteht. Sie verleitet den Menschen, so Greve, auf kollektive und damit vorgegebene Bewertungsmuster zurückzugreifen, anstelle selbst zu gestalten. Er appellierte damit gleich zu Beginn der Veranstaltung an die Verantwortung aller, die Kulturveränderungen aufgrund von Digitalisierung, Social Media, Globalisierung nicht einfach hinzunehmen, sondern mitzugestalten.

Um Veränderungen in der Arbeits- und Führungskultur in Deutschland besser zu verstehen und transparent zu machen, führte das u.a. von Andreas Greve geleitete Unternehmen nextpractice im Jahr 2014 eine Kulturstudie in Deutschland durch. In dieser vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderten Studie wurden intuitive Bewertungen von Führungskräften erfasst und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Führungskräfte selbst weit weg von einem „Führungsideal“ sehen. „Es braucht einen Paradigmenwechsel“, so Greve. Führung muss sich wegbewegen vom Gedanken Effizienz sowie der Linienhierarchie mit starken Persönlichkeiten. Stattdessen müssen Selbstorganisation, Kollaboration und das Agieren im Netzwerk in den Vordergrund rücken. Damit wird vor allem das „Segeln auf Sicht“ eine entscheidende Führungskompetenz: „Die Fähigkeit, sich auf ergebnisoffene Prozesse einzulassen und in solch offenen Prozessen erfolgreich zu führen“, so Greve.

Die zweite Studie, die Andreas Greve an diesem Abend präsentierte, zeigte Umfrageergebnisse aus Sicht der Erwerbstätigen. Überraschend war vor allem, dass sich in unserer Gesellschaft unterschiedliche Wertewelten aufdecken lassen, d.h. dass sich Erwerbstätige in Deutschland hinsichtlich ihrer Ansprüche und Erwartungen an „gute Führung“ nicht einig sind. Vielmehr zeigen die Daten, dass z.B. die Flexibilität der Arbeit für einen Teil der Gesellschaft einen Mehrwert darstellt – für einen anderen Teil der Gesellschaft hingegen wird eine zu starke Flexibilisierung und ständige Erreichbarkeit als existenzbedrohend wahrgenommen. Insgesamt sieben Wertewelten präsentierte Andreas Greve und verwies auf ein Markertool, mit dem man sich selbst in sehr kurzer Zeit mit wenigen Fragen in den Werteraum und den Wertegruppen zuordnen kann: http://www.arbeitenviernull.de/mitmachen/wertewelten.html

Die Resonanz aus dem Plenum war durchweg positiv, was eine lebhafte Diskussion im Nachgang bezeugte – erneut war die „Lecture in Leadership“ eine gelungene Veranstaltung. Wer sich über den Vortrag und Folgetermine der „Lectures in Leadership“ informieren möchte, kann sich gerne an Prof. Dr. Carina Braun (carina.braun@oth-regensburg.de), Professorin für Personalmanagement an der OTH Regensburg wenden. 

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