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Historische Bauforscher helfen in Nepal beim Wiederaufbau

07.03.2017
Von: Stabsstelle Hochschulkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Es war nicht der letzte Flug nach Kathmandu. Im März reisten Prof. Dr. Peter Morsbach, Studentin Karolin Seitz und Fotograf Gerald Richter wieder in die Hauptstadt Nepals, um unweit von dort das im Rahmen des Masterstudiengangs Historische Bauforschung an der OTH Regensburg laufende Nepal-Projekt weiter voranzubringen.

Honorarprofessor Dr Peter Morsbach und Studentin der Historischen Bauforschung Karolin Seitz

Honorarprofessor Dr. Peter Morsbach und Studentin der Historischen Bauforschung Karolin Seitz von der OTH Regensburg kümmern sich um die Kartierung der Schäden in der Stadt Dhulikel, unweit der Hauptstadt Kathmandu, welche infolge des verheerenden Erdbebens im Jahr 2015 zu verzeichnen sind.

Ein Foto der Stupa in Bodnath aus dem Jahr 2016

Ein Foto der Stupa in Bodnath aus dem Jahr 2016. Bodnath ist ein Vorort im Nordosten von Kathmandu.

Der Stupa in Bodnath, fotografiert im November 2014, noch vor dem Erdbeben in Nepal, das sich 2015 ereignete.

Der Stupa in Bodnath, fotografiert im November 2014, noch vor dem Erdbeben in Nepal, das sich 2015 ereignete.

Ein Foto von der Stupa in Bodnath

Ein Foto von der Stupa in Bodnath, welches um ca. 1900 entstanden sein dürfte. Fotos: Gerald Richter

Ein „kleiner“ Masterplan für die Stadt Dhulikhel soll das Ergebnis sein: Es geht darum, durch einen „Leitfaden“ den 15.000-Einwohner-Ort nicht zuletzt auch für Touristen wieder attraktiv zu machen. Vor dem Erdbeben im Jahr 2015 war Dhulikhel, das etwa 20 Kilometer von Kathmandu entfernt liegt, ein Touristenmagnet. „Im März stand die Überprüfung unserer Gebäudeaufnahme vom vergangenen November an und das ‚site-management‘ sollte weiterentwickelt werden“, erklärt Honorarprofessor
Dr. Peter Morsbach. Dazu gehöre sowohl die Anregung zu einem städtebaulichen und denkmalpflegerischen Leitbild als auch die Weiterentwicklung und Verbesserung touristischer Infrastrukturen. Dazu habe man auch einen Stadtrundgang durch Dhulikhel erarbeitet, es soll eine Fotoausstellung zu dem Projekt geben sowie ein Buch erscheinen.

Ursprünglich gründete sich das Nepal-Projekt auf eine Fotosammlung mit Bildern vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Durch Prof. Dr. Susanne von der Heide, der weltweit besten Kennerin der Geschichte, Religion und Kultur Nepals und wesentlicher Motor des Projektes, wurden Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize (ehemals OTH Regensburg, jetzt TU Berlin) und Prof. Dr. Peter Morsbach auf diese einzig artige und höchst interessante Sammlung aufmerksam. Die Aufnahmen – größtenteils in schwarz-weiß – zeigen Landschaften, Stadtansichten und Menschen aus Kathmandu, dem Kathmandu-Tal, aus Dhulikhel und Umgebung.

Mit der Idee, zu den vielen hundert Aufnahmen Gegenschüsse zu produzieren und so eine Dokumentation zu baulichen Veränderungen und denkmalpfle gerischen Aspekten zu erarbeiten, reisten Prof. Dr. Schulz-Brize und Prof. Dr. Morsbach gemeinsam mit Fotograf Gerald Richter im Herbst 2014 erstmals in den Himalaya-Staat. Das war ein halbes Jahr vor dem verheerenden Erdbeben. Mit der Naturkatastrophe und dem gewaltigen Ausmaß an Zerstörung bekam das Projekt schnell eine politische Dimension: Was als Workshop im Rahmen des Masterstudiengangs Historische Bauforschung geplant war, geriet zum Großprojekt, an dem unter Federführung der TU Berlin die OTH Regensburg,
der Stadtrat, die „municipality“ von Dhulikhel, Prof. Susanne von der Heide und die University of Kathmandu beteiligt sind.

Karolin Seitz, Studentin des Masterstudiengangs Historische Bauforschung, war im März 2017 zum zweiten Mal vor Ort. Ihre Aufgabe war zunächst, unter Anleitung von Prof. Dr. Morsbach innerhalb von nur zwei Wochen die 500 Gebäude der historischen Altstadt aufzunehmen, sodann die Fotosammlung zu digitalisieren sowie eine Inventarliste zu der umfangreichen Sammlung zu erstellen. Seitens der TU Berlin sorgte Dr. Martin Gussone für eine erste Gebäudekartierung, auf der die Arbeit von Karolin
Seitz beruht.

„Google maps kann man dort vergessen und uns liegt kein verlässliches Planmaterial vor“, sagt Prof. Dr. Morsbach. Aus bauhistorischer Sicht ist Dhulikhel besonders interessant wegen der dort  vorkommenden Newar-Architektur. Die Newar sind eine Volksgruppe aus dem Kathmandu-Tal, die sich eine Pagodenbauweise aus Holz und sonnengebrannten Lehmziegeln zu eigen gemacht hatte. Es besteht eine enge Verknüpfung mit dem Projekt der TU Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Schulz-
Brize, die im Rahmen von mehreren Workshops heimischen Architekten, Architektinnen und Bauingenieuren und Bauingenieurinnen die Grundlagen der Historischen Bauforschung vermittelt und mit ihrem Team an der Planung für den Bau und die Einrichtung eines städtischen Museums arbeiten.

Gegenstand des nächsten Aufenthalts in Nepal im Frühjahr 2018 wird neben der Vervollständigung des städtebaulichtouristischen Grundkonzepts auch die Diskussion um die Einrichtung des Museums in Dhulikhel sein – dieses könnte in Zukunft die Fotosammlung samt Gegenschüssen als Dauerausstellung zeigen.

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