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Studie untersucht Impfbereitschaft mit COVID-19-Vakzin

05.02.2021
Von: Simone Böttger, Prof. Dr. Sonja Haug, Prof. Dr. Karsten Weber

Wie werden die Schutzimpfungen gegen COVID-19 akzeptiert? Wie kann die Impfbereitschaft eventuell erhöht werden? Diese Fragen untersucht eine am Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung durchgeführte Studie.

Eine Studie am Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung (IST) der OTH Regensburg befasst sich mit der Impfbereitschaft mit einem COVID-19-Vakzin in der Bevölkerung.

Eine Studie am Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung (IST) der OTH Regensburg befasst sich mit der Impfbereitschaft mit einem COVID-19-Vakzin in der Bevölkerung. Foto: OTH Regensburg/Florian Hammerich

Eine Impfbereitschaft von etwa 67 Prozent liefert die Studie "Impfbereitschaft mit einem COVID-19-Vakzin und Einflussfaktoren. Ergebnisse einer telefonischen Bevölkerungsbefragung", die von Prof. Dr. Sonja Haug und Prof. Dr. Karsten Weber von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) sowie von Prof. Dr. Rainer Schnell von der Universität Duisburg-Essen durchgeführt und eben veröffentlicht wurde. Hierfür wurden im Rahmen einer bundesweiten Zufallsstichprobe 2.014 Personen telefonisch zu ihrer Impfbereitschaft und ihren Einstellungen befragt. Die Befragungen fanden im November und Dezember 2020 und vor der Zulassung eines COVID-19-Impfstoffs statt.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich 67,3 Prozent der Bevölkerung mit einem COVID-19-Vakzin impfen lassen würden, wobei fast 40 Prozent davon mit "ja sicher" antworten. Um zu erfahren, woran sich die Impfbereitschaft in der Bevölkerung festmacht, wurde auch nach den Gründen einer Impfbefürwortung sowie einer Impfskepsis oder -ablehnung gefragt.

Impfbereitschaft auch von sozialer Bezugsgruppe abhängig

Es konnte gezeigt werden, dass die Impfbereitschaft von der sozialen Bezugsgruppe abhängig ist und sich die Einstellung zur Impfung an der Meinung der sozialen Netzwerke orientiert. Ebenso steigt die Impfbereitschaft, wenn die Personen einer Risikogruppe angehören oder wenn jemand in der Familie oder im Freundeskreis mit COVID-19 infiziert war oder ist. 

Auch das Vertrauen in das Robert-Koch-Institut spielt bei der Ausprägung der Impfbereitschaft eine Rolle. Ein starkes Vertrauen spiegelt sich in einer hohen Impfbereitschaft unter den Befragten wieder. Zudem steigt die Impfbereitschaft, wenn die Befragten gefährliche Konsequenzen bei einer Erkrankung erwarten oder Unklarheit darüber besteht.

Häufiger Grund: Sorge vor Nebenwirkungen

Ein häufiger Grund für Impfskepsis oder -ablehnung ist die Sorge um Nebenwirkungen. Impfskeptiker*innen nehmen die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen häufig überhöht wahr. Dies weist auf ein Informationsdefizit und weit verbreitete Fehlinformationen hin.

Aufgrund unvollständiger oder intransparenter Informationen treten daher häufig Probleme bei der Interpretation relativer Häufigkeiten auf. Korrektes Wissen über die Evidenz der Seltenheit von Nebenwirkungen hingegen erhöht die Impfbereitschaft.

Wichtig: transparente Information und Aufklärung

Prof. Dr. Haug, Prof. Dr. Weber und Prof. Dr. Schnell fordern daher eine korrekte und vollständige Information über Nebenwirkungen sowie eine Aufklärung über deren Wahrscheinlichkeit. Hierfür empfehlen sie bundeseinheitliche, zentralisierte, transparente Information, die leicht im Internet abrufbar ist.

Zudem sollte sich die Risikokommunikation am Wissen der Zielgruppe orientieren und leicht verständlich sein. Ein Beispiel wäre etwa die Verwendung von "Einer von Tausend" anstatt "0,1 %". Zudem spielen die Hausärzt*innen eine ebenso entscheidende Rolle. Ihre Einstellung und ihre Einschätzung der Wichtigkeit von Impfungen ist von hoher Bedeutung für die Durchimpfung ihrer Patient*innen. 

Weitere Analysen geplant

Weitere Analysen zu Einflussfaktoren wie beispielsweise Bildung, Einstellung zu Wissenschaft und Medizin sowie Verschwörungsüberzeugungen sind geplant.

Das Projekt wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST) gefördert. Prof. Dr. Haug und Prof. Dr. Weber, die die gemeinsame Leitung des Instituts für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung (IST) innehaben, sind beide Mitglieder im RCHST, Prof. Dr. Weber zudem Direktor.

 

Das Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST)

Das Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST) ist eine fakultätsübergreifende Forschungseinrichtung der OTH Regensburg, die von der bayerischen Staatsregierung maßgeblich unterstützt wird. Das RCHST bündelt umfangreiche Expertise und Aktivitäten in Lehre, Forschung und Weiterbildung in den Bereichen Medizintechnik, Medizinische Informatik, Gesundheits- und Sozialwissenschaften sowie Ethik und Technikfolgenabschätzung und entwickelt sie weiter.

Die OTH Regensburg greift damit aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Aufgabenstellungen wie die demografische Entwicklung in Deutschland, den medizinisch-technischen Fortschritt, die Digitalisierung in der Medizin sowie das wachsende Gesundheitsbewusstsein auf. Das RCHST wurde 2017 gegründet und setzt sich derzeit aus zwölf Mitgliedslaboren zusammen. Es wird von einem wissenschaftlichen Direktorium geleitet, unterstützt von der RCHST-Geschäftsstelle. Für Fragen wenden Sie sich gerne per E-Mail an das RCHST.

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