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"Natürliches Experiment" zum Thema Studienerfolg im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit

17.02.2021
Von: Dr. Kerstin Pschibl

Ergebnisse einer Studie im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit zeigen, inwieweit die Note der Hochschulzugangsberechtigung den Studienerfolg beeinflusst.

Forschungsassistentin Anna Scharf vergleicht die Studienabbruchquoten einer "durchschnittlichen Kohorte" (Zulassung bis Note 2,2) und einer Kohorte mit Zulassung bis Note 3,7.

Forschungsassistentin Anna Scharf vergleicht die Studienabbruchquoten einer "durchschnittlichen Kohorte" (Zulassung bis Note 2,2) und einer Kohorte mit Zulassung bis Note 3,7.

Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Sonja Haug fasst die Ergebnisse der Vergleichsstudie zusammen. In beiden Kohorten ist die Note der Hochschulzugangsberechtigung die einflussstärkste Determinante auf die erbrachten Studienleistungen.

Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Sonja Haug fasst die Ergebnisse der Vergleichsstudie zusammen. In beiden Kohorten ist die Note der Hochschulzugangsberechtigung die einflussstärkste Determinante auf die erbrachten Studienleistungen. Screenshots: OTH Regensburg/Dr. Kerstin Pschibl

„Welche Auswirkungen haben die Noten der Hochschulzugangsberechtigung auf den Studienerfolg?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt eines "natürlichen Experiments" an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg). Die Ergebnisse dieser Untersuchung stellten Soziologieprofessorin Prof. Dr. Sonja Haug und Forschungsassistentin Anna Scharf am 20. Januar 2021 in der Fakultätsratssitzung vor.

Anhand eines "natürlichen Experiments" – einer Untersuchungsmethode bei der die Proband*innen aufgrund von nicht beabsichtigten und kontrollierten Ereignissen in Untersuchungsgruppe und Vergleichsgruppe eingeteilt werden – wurden zwei Kohorten des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit verglichen. Eine "durchschnittliche Vergleichskohorte", die im Wintersemester 2016/2017 gestartet war (Numerus Clausus (NC) 2,2) mit einer Untersuchungskohorte, bei der im Wintersemester 2017/2018 aufgrund eines Dateneingabefehlers alle und damit dreimal so viele Studierende ohne NC aufgenommen worden waren.

Gemäß dem aktuellen Stand der Bildungsforschung erzielen Studierende mit einer besseren Note bei der Hochschulzugangsberechtigung (HZB) üblicherweise bessere Noten im Studium. Auch in der durchgeführten Studie ist die Note der HZB in beiden Kohorten die einflussreichste Determinante auf die erbrachten Studienleistungen. Neben der Note der HZB hat auch die Schulform Einfluss auf die Studienleistung. Studierende, die an einem Gymnasium ihren Abschluss machten, zeigen im Vergleich zu anderen Schulformen (z. B. FOS/BOS), gemessen am Notendurchschnitt, signifikant höhere Studienleistungen. Alter oder Geschlecht sowie das Bundesland, in dem die HZB erworben wurde, haben hingegen keinen signifikanten Effekt.

Nur geringe Unterschiede bei der Durchfallquote

Das "natürliche Experiment" lieferte auch neue Erkenntnisse in Bezug auf die Studienabbruchquote und zeigt, dass es bei den Studienabbruchsquoten bis zum fünften Semester – insbesondere in Bezug auf die Durchfallquoten (z. B. nicht bestandener Drittversuch) – weniger Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Kohorten gab, als erwartet.

In der Untersuchungskohorte, in der der NC bei der Immatrikulation nicht galt, schieden in den ersten drei Semestern nur knapp vier Prozent mehr Studierende aus als in der Vergleichskohorte; die meisten aufgrund eines Hochschulwechsels oder aufgrund "sonstiger Exmatrikulationsgründe". Lediglich 1,56 Prozent wurden aufgrund nicht bestandener Prüfungen oder Fristversäumnisse exmatrikuliert.

Die Unterschiede werden erst bis zum Ende des fünften Semesters zunehmend größer. Bei der zahlenmäßig großen Untersuchungskohorte brachen insgesamt von Semester eins bis fünf knapp 20 Prozent ihr Studium ab, in der Vergleichskohorte nur etwa 11,5 Prozent. Der Anteil der Studierenden, die aufgrund eines nicht bestanden Drittversuchs exmatrikuliert wurde, lag in der Untersuchungskohorte zwar 3,5 Prozentpunkte über der Vergleichskohorte, war mit 4,22 Prozent jedoch insgesamt immer noch relativ niedrig.

Der erhöhte Aufwand hat sich ausgezahlt

Der Vergleich der beiden Kohorten zeigte also, dass Studierende der Untersuchungskohorte zwar im Durchschnitt in den Studienleistungen hinter der Kontrollkohorte zurücklagen, sich die prüfungsbedingte Studienabbruchquote jedoch kaum zwischen den beiden Kohorten unterschied.

So würden viele Studierende der Untersuchungskohorte wahrscheinlich einige Mehrfachversuche benötigen und länger studieren, vermutet Prof. Dr. Haug: „Das Studium verlängert sich nach hinten und die Belastung der Fakultät wird erst allmählich geringer“. Voraussichtlich wird aber trotzdem die Mehrzahl der Studierenden von den etwa 450 Studienanfänger*innen ihr Studium beenden können.

Dekan Prof. Dr. Carl Heese führte aus, dass der erhöhte Aufwand, den die Hochschule etwa bei den personellen Ressourcen aufgebracht hatte, sich offensichtlich auszahlt. Viele Studierende konnten die Chance nutzen, die sich ihnen mit diesem Studienplatz geboten hat.

Die ersten Ergebnisse der Vergleichsstudie waren bereits vor zwei Jahren präsentiert worden, siehe "Verwandte Nachrichten" unten.

Die aktuellen Ergebnisse wurden im Rahmen der Masterarbeit von Anna Scharf im Masterstudiengang Soziale Arbeit - Inklusion und Exklusion erstellt.

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