Kulturvermittlung und kulturelle Vielfalt

07.01.2019
Von: Maike Berndt-Zürner, Dipl.-Kulturwiss. (Univ.), Dipl.-Musikerz.

Vor allem um Fragen der Kulturvermittlung drehte sich die Studienfahrt nach Nürnberg, bei der die Studierenden mit Kursleiterin Maike Berndt-Zürner zwei Kulturläden und das Neue Museum für Kunst und Design besuchten.

Die Villa Leon in Nürnberg war die erste Station der Studienfahrt, die Studierende zusammen mit Dozentin Maike Berndt-Zürner im November 2018 unternahmen.

Die Villa Leon in Nürnberg war die erste Station der Studienfahrt, die Studierende zusammen mit Dozentin Maike Berndt-Zürner im November 2018 unternahmen. Foto: Petra Kellner

Auch Projekte für und mit Menschen auf der Flucht – wie dieser Integrationskurs – gehören zum Angebot der Villa Leon in Nürnberg.

Auch Projekte für und mit Menschen auf der Flucht – wie dieser Integrationskurs – gehören zum Angebot der Villa Leon in Nürnberg. Foto: Uwe Niklas

Abschließend konnten die Studierenden der OTH Regensburg auch einer Probe des „Theaterprojekts international“ im Kulturladen "Loni-Übler-Haus" beiwohnen.

Abschließend konnten die Studierenden der OTH Regensburg auch einer Probe des „Theaterprojekts international“ im Kulturladen "Loni-Übler-Haus" beiwohnen. Foto: Carolin Schlichtig

Was sind Qualitäten von Kulturvermittlung angesichts unserer diversen Gesellschaft? Was meint dabei Kultur und Interkultur? Was suggeriert der Begriff der Vermittlung und was bedeutet das für die konkrete Konzeption pädagogischer Vermittlungsarbeit in Kulturinstitutionen und sozialen Einrichtungen im Hinblick auf die berufliche Praxis der angehenden Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen beziehungsweise Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Seminars „Kulturvermittlung und kulturelle Vielfalt“?

Vor dem Hintergrund der kritischen Diskussion dieser Fragen (etwa mit kulturpolitischen Bezügen anhand der UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Fragen zu Diversity und Migrationspädagogik) bot die Exkursion am 16. November 2018 nach Nürnberg ausgewählte praktische Bezugspunkte.

Im Anschluss an kulturpolitische Demokratiekonzepte der letzten Jahrzehnte im Sinne von „Kultur von allen und für alle“ fördert die Stadt Nürnberg in besonderer Weise die Stadtkulturarbeit, indem bereits seit den 1980er-Jahren in zahlreichen Stadtteilen Nürnbergs soziokulturelle Zentren beziehungsweise Kulturläden mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen angesiedelt sind. Ziel ist es, zum einen die Teilhabe möglichst vieler Bevölkerungsgruppen an Kulturangeboten zu ermöglichen und zum anderen die vielfältige gemeinsame Gestaltung im Sinne eines aktiven und demokratischen Aufgreifens aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen zu unterstützen. Dabei stehen besonders die Themenfelder Menschenrechte, interkulturelle Kulturarbeit und Kinderkultur im Zentrum.

Die Villa Leon in Nürnberg

Der erste Besuch der Studierenden galt der „Villa Leon“, die unter dem Motto "Vielfalt Leben“ agiert. Sie wurde 2001 auf einem ehemaligen Schlachthofgelände als Stadtteilzentrum mit integrierter Bibliothek und Fahrbibliothek mit Schwerpunkt Kinder und Familien eröffnet. Neben der Stadtteilorientierung (St. Leonhard und Schweinau) ist der Kulturladen auch eine Plattform für städtische und überregionale Kulturereignisse.

Die Einrichtung versteht sich dabei als Ort der Begegnung und realisiert diesen Anspruch durch Angebote wie kurdische oder lateinamerikanische Kulturtage, Gruppen-, Kurs- und Beratungsangebote, Ausstellungen in Zusammenarbeit mit Initiativen, Vereinen oder Einzelpersonen, durch Musikreihen in den Bereichen Klezmer und Weltmusik, mit Schwerpunkten auf Kinderkultur (Kinderatelier, Lesenächte). Auch Projekte für und mit Menschen auf der Flucht gehören dazu. 

Die Gespräche mit mehreren Kursleiterinnen und -leitern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtung – namentlich mit Manfred Beck, Öffentlichkeitsarbeit, und Andrea Machhörndl, stellvertretende Leitung – thematisierten besonders Projekte von und mit Menschen auf der Flucht sowie die Veranstaltungsorganisation und ermöglichten zahlreiche spannende Einblicke in die konkrete Arbeitsweise des Kulturladens.

Im Gespräch mit einer Museumspädagogin

Einen für viele Teilnehmende der Studienfahrt neuen Zugang ermöglichte auch die Museumspädagogin Claudia Marquardt im Neuen Museum für Kunst und Design. Sie gestaltete eine spezielle Führung zu museumspädagogischen Herangehensweisen mit vielfältigen Zielgruppen. Anhand ausgewählter Gemälde und Ausstellungsstücke erläuterte sie den kreativen Ansatz etwa mit generationsübergreifenden Gruppen wie Seniorinnen und Senioren und Schülerinnen und Schülern einer Übergangsklasse, die Arbeit mit Jugendlichen und Kindern, Menschen mit psychischen Krankheiten oder Menschen mit Behinderungen. 

Während der bauliche Charakter des Museums als „Kulturtempel“ auf die Studierenden – im Unterschied etwa zur Villa Leon – zunächst eher als Zugangsbarriere wahrgenommen wurde, stellte sich die pädagogische Herangehensweise als einladend und inspirierend dar, denn hier werden die Bedürfnisse der Teilnehmenden auf eine sensible Weise berücksichtigt, indem man viel Wert auf einen individuellen Zugang zur ausgestellten Kunst legt. Viele hätten gerne noch mehr und intensiver sowohl die Ausstellung als auch die museumspädagogische Arbeitsweise erforscht und konkrete Möglichkeiten ausgelotet, wie sich Kooperationen zwischen Kulturinstitutionen und sozialen Einrichtungen gestalten lassen.

„Theaterprojekt international“

Abschließend war die Studierendengruppe eingeladen, bei einer Probe des „Theaterprojekts international“ des Kulturladens Loni-Übler-Haus mit Geflüchteten und Einheimischen mitzumachen; die Leitung hatten der Schauspieler Irfan Taufik und die Sozialpädagogin und stellvertretende Leiterin des Kulturladens Sylvia Kohlbacher inne. Die freundliche Aufnahme der Studierenden durch die Theatergruppe mit zirka 15 Teilnehmenden war inspirierend und motivierend – auch mit Blick auf eine eigene Umsetzung solcher Projekte.

Überzeugend wirkten dabei die hohe Motivation der teilnehmenden Jugendlichen, deren Ideen und individueller Hintergrund für die Konzeption des Theaterstücks eine wichtige Rolle spielen, und die Kompetenzen der Leiterinnen und Leiter, den künstlerischen und den pädagogischem Anspruch zu verbinden.

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