Inklusion als Querschnittsaufgabe

24.06.2021
Von: Katja Meier

Große Resonanz für die Veranstaltung "Qualifiziert. Motiviert. Chancenlos? Wie die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung gelingen kann." des Vereins der Freunde der OTH Regensburg e.V.

Wie sieht erfolgreiche Integration aus und welche Unterstützungsangebote gibt es? Diese Fragen standen im Fokus der virtuellen Veranstaltung "Qualifiziert. Motiviert. Chancenlos? Wie die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung gelingen kann". Rund 50 Gäste waren der Einladung des Vereins der Freunde der OTH Regensburg e.V. im Rahmen der Veranstaltungsreihe "zu Gast bei Freund*innen" gefolgt. Der Verein der Freunde der OTH Regensburg e.V. initiierte die Veranstaltung in Kooperation mit der Servicestelle Gender & Diversity der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg). Prof. Dr. Christine Süß-Gebhard, Leiterin der Servicestelle, dankte dem Verein für die Zusammenarbeit und führte durch das Programm.

Behinderung thematisieren und Integration aktiv gestalten

Eduard B. Wagner, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Freunde der OTH Regensburg e.V., begrüßte die Teilnehmer*innen und betonte, wie bedeutsam es sei, die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung immer wieder zu thematisieren: „Es ist wichtig, dass an vielen Stellen in der Gesellschaft immer wieder sensibilisiert, motiviert und weitergearbeitet wird. Hier möchten wir mit der heutigen Veranstaltung einen Beitrag leisten“. Wagner freute sich über das große Interesse und lud die Gäste herzlich ein, sich in das lebendige Netzwerk des Vereins einzubringen. Sein besonderer Dank galt den Referenten.

4,6 Prozent der Pflichtarbeitsplätze in Deutschland sind aktuell von Menschen mit einer Schwerbehinderung besetzt. „Warum wir das politische Ziel von 5 Prozent nicht erreichen, ist gar nicht so leicht zu verstehen“, gab Prof. Dr. Carl Heese, Dekan der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften der OTH Regensburg, zu bedenken. In seinem einleitenden Vortrag ging er der Frage nach, wie erfolgreiche Integration aussehe. Anhand aktueller Kennzahlen erläuterte er die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland und stellte konkrete Unterstützungsangebote dar: „Ambitionierte Ziele, jedoch nicht gutes Vorankommen charakterisiert die Integration in den letzten Jahren“, so sein Fazit.

Individuelle Unterstützung im Arbeitsalltag

Nach dem Motto "Alles aus einer Hand" unterstützt das Rehamanagement der Berufsgenossenschaft Holz und Metall seine Versicherten umfassend bei der beruflichen Integration nach einem Arbeitsunfall und/oder Berufserkrankung. Anhand konkreter Fallbeispiele zeigte Norbert Waldmüller, Rehamanager bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall, auf, wie persönliche Betreuung und Beratung sowie konkrete Maßnahmen von der Erstversorgung bis zur Wiedereingliederung auf die individuelle Situation, die Wünsche und Möglichkeiten der Betroffenen zugeschnitten werden.

"Qualifiziert. Motiviert. Chancen. Los!" so die Interpretation des Veranstaltungstitels von Dominic Frick, Alumnus der OTH Regensburg sowie Gesundheits- und Integrationsberater (CDMP) bei der ZF Friedrichshafen AG in Passau. Er gab einen Praxiseinblick in das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) des Unternehmens. Anhand von Praxisbeispielen stellte Dominic Frick dar, wie sich das BEM der ZF Friedrichshafen AG auf die Fähigkeiten des Individuums konzentriert und nicht auf die vorliegenden Einschränkungen. Im Leistungscenter Montage wurden so beispielsweise individuell gestaltete Arbeitsplätze für leistungsgeminderte Mitarbeitende geschaffen. Ein BEM-Prozess kann mehrere Monate bis Jahre laufen und baut auf einem großen, funktionierenden Netzwerk auf, erläuterte Dominic Frick in seinem Beitrag. „Nutzen Sie bestehende Veränderungsprozesse, wo möglich. Suchen Sie Lösungen auf allen Ebenen. Es gibt so viele Möglichkeiten und Chancen“, motivierte Dominic Frick die Zuhörer*innen.

Inklusion als Erfolgsmodell

„Geht nicht, gibt's nicht“, ein Glaubenssatz, der sich wie ein roter Faden durch das Leben von Frank Reinel, Inklusionsbeauftragter der Stadt Regensburg, zieht. Passend zur Fußball-Europameisterschaft startete er seinen persönlichen Erfahrungsbericht mit einem Einblick in seine Karriere als deutschlandweit erster Schiedsrichter im Rollstuhl. Reinel durchlief seine Schullaufbahn durch den unermüdlichen Einsatz seiner Eltern im Regelbetrieb und schloss 2009 sein Studium der Rechtswissenschaften mit dem 2. Staatsexamen erfolgreich ab. Seitdem ist er selbstständig als Rechtanwalt tätig und initiiert aktuell als Inklusionsbeauftragter der Stadt Regensburg zahlreiche spannende Projekte, wie zum Beispiel den Ratgeber "Barrierefrei durch Regensburg" inklusive Piktogramm-System. „Inklusion ist eine Querschnittsaufgabe, die vielen Menschen Vorteile bringt“, so das Fazit von Frank Reinel.

Im Anschluss an die interessanten Vorträge blieb Zeit für Fragen der Zuhörer*innen und eine anregende Diskussion.

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