Energiespar-App im Test

16.08.2022
Von: Ludwig Langwieder

Verhalten sich Menschen stromsparender, wenn eine App sie aktuell über ihren Verbrauch informiert und mit Anderen vergleicht? Forschende der OTH Regensburg wollen dies im Rahmen eines Verbundprojekts herausfinden.

Die HerzoBase in Herzogenaurach ist eine Reihenhaussiedlung mit Modell-Charakter.

Die HerzoBase in Herzogenaurach ist eine Reihenhaussiedlung mit Modell-Charakter.

Tagesüberblick mit Verbesserung des Öko-Scores bei energetisch positivem Verhalten (links) und konkreten Empfehlungen bei energetisch negativem Verhalten (rechts).

Tagesüberblick mit Verbesserung des Öko-Scores bei energetisch positivem Verhalten (links) und konkreten Empfehlungen bei energetisch negativem Verhalten (rechts).

Die Zahl der Häuser, die ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zeitnah den persönlichen Energieverbrauch aufzeigen können, wächst durch den Einsatz digitaler Haustechnik und intelligenter Stromzähler stetig an. Ein Paradebeispiel dafür ist die sogenannte HerzoBase in Herzogenaurach, ein Reihenhauskomplex mit acht Haushalten, den die Technische Hochschule Nürnberg unter anderem zur Optimierung von Gebäudetechnik und Systemintegration nutzt. Auch Forschende der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) nutzen das Wohngebäude mit acht Haushalten künftig zu Forschungszwecken. Im Projekt EVEKT (Erhöhung der Verbraucherpartizipation an der Energiewende durch KI-Technologien und datenbasierte Mehrwertdienste) untersuchen sie, ob sich die Bewohnerinnen und Bewohner von einer App dazu motivieren lassen, Energie zu sparen, wenn sie dadurch auch Geld sparen und sich im Verbrauch mit ihren Nachbarn messen können.

Positiver Wettstreit

Das Besondere an dem Gebäude ist die KI-Technik, die es möglich macht, das Stromprofil eines Nutzers aufzuschlüsseln und diesem sehr konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. So kann unter Einbeziehung von Wetterdaten das Trocknen der Wäsche in der Sonne statt im Trockner vorgeschlagen werden. Am Ende jeden Tages erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner eine knappe Zusammenfassung ihres Stromkonsums. Monats- und Jahresüberblicke sollen diese zudem dazu animieren, sich in einen positiven Wettstreit mit Anderen zu messen und umweltfreundlicher zu verhalten.
Die Regensburger Forschendengruppe, bestehend aus Prof. Dr. Karsten Weber, Prof. Dr. Sonja Haug und Miriam Vetter vom Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung (IST), wird zu Beginn des Projekts einen Fragebogen entwickeln, um die Bewohnerinnen und Bewohner über die App möglichst passend zur jeweiligen Verbrauchssensibilisierung ansprechen zu können. Dabei macht es einen Unterschied, ob es eher ideelle oder mehr monetäre Gründe sind, die eine einzelne Person zum Energiesparen bewegen können. Neben einer engen individuellen Betreuung sollen ferner sogenannte Gamification-Elemente dafür sorgen, dass sich auf Dauer keine Technikmüdigkeit breitmacht.
Prof. Dr. Karsten Weber erhofft sich viele wichtige Erkenntnisse für zukünftige Smart Homes: „Effiziente Energienutzung und Energieeinsparung sind wichtige Bausteine der Energiewende – Klimawandel, Versorgungssicherheit und hohe Energiekosten geben Anlass genug, kreative Maßnahmen der Einsparung zu entwickeln.“
Der OTH-Projektanteil wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit 194.000 Euro gefördert. Gesamtkoordinator des Verbundvorhabens ist die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Weitere Partner sind die Universität Regensburg und die Eniano GmbH.

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