Digitalisierung und Mediatisierung in der Sozialen Arbeit

18.12.2018
Von: Julia Roth

Unter dem Thema „Digitalisierung/Mediatisierung in der Sozialen Arbeit – aktuelle Situation und Herausforderung für Praxis und Lehre“ stand die zweite Studiengangkommission, die am 5. Dezember 2018 tagte.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten Studiengangkommission zum Themenkomplex Digitalisierung in der sozialen Arbeit im Dezember 2018 an der OTH Regensburg.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten Studiengangkommission zum Themenkomplex Digitalisierung in der sozialen Arbeit im Dezember 2018 an der OTH Regensburg. Foto: Jürgen Heubach

Die zweite Studiengangkommission der sozialwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) stand am 5. Dezember 2018 unter dem Thema „Digitalisierung und Mediatisierung“ und ging der Frage nach, welche Auswirkungen die technischen Entwicklungen und Neuerungen auf die Praxis in der sozialen Arbeit wie auch auf die Lehre an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften haben. Dies wurde mit Dozierenden, Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis sowie mit Alumni und Studierenden erörtert.

Die Fakultät verändert sich

Prof. Renate Kühnel moderierte die Studiengangkommission der sozialwissenschaftlichen Studiengänge und verwies dabei auf die vielen Veränderungen, die sich in den letzten Jahren in der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften ergeben hatten. Die Fakultät ist in den letzten Jahren stark gewachsen, sowohl personell als auch in Bezug auf die Vielfalt des Lehrangebots. In den letzten Jahren wurde zum einen der Bereich der Gesundheitsstudiengänge stark ausgebaut, zum anderen entstand mit dem berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Soziale Arbeit ein Studiengang, der zum Teil an dezentralen Lernorten durchgeführt wird und in dessen Konzept deshalb die virtuelle Lehre fest verankert ist.

Uwe Stritzel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät und Multimediadidaktik M. A., stellte das aktuelle Lehrangebot vor, das die Bereiche Digitalisierung und Mediatisierung thematisiert. „Wir sind in dieser Hinsicht bereits gut aufgestellt, das Angebot ist aber sicherlich ausbaufähig“, so Stritzel. Neben der klassischen Lehre ist ein Zertifikat „Medienkompetenz“ an der Fakultät erwerbbar, zudem können Studierende und Lehrende das umfassend ausgestattete Medienlabor nutzen.

Digitalisierung hält Einzug in sämtliche Bereiche

Bei der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass alle Teilnehmenden Berührungspunkte mit dem Thema Digitalisierung haben. Ob in den Lehrveranstaltungen, während des Praxissemesters oder in der täglichen Arbeit mit Klientinnen und Klienten. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Kinder und Jugendliche oder Menschen mit Behinderung oder Seniorinnen und Senioren handelt.

Es sind Themen wie künstliche Intelligenz, elektronische Aktenführung und die Mediennutzung der Klientinnen und Klienten, die die Anwesenden beschäftigen. Kann eine Antragstellung in Zukunft online und ohne Anwesenheit erfolgen? Wie gehe ich damit um, wenn Jugendliche unangemessene Bilder mit dem Handy versenden? Was sind die Vor- und Nachteile einer Online-Beratung?

Digitalisierung in der Berufspraxis der sozialen Arbeit

Wolfgang Mayer stellte eine elektronische Kriterien-Liste (eAkte) vor, die in seiner alltäglichen Berufspraxis als Bewährungshilfe am Landgericht Regensburg eingesetzt wird und in der „günstige“ und „ungünstige“ Entwicklungsfaktoren eingetragen werden. Das System wurde über fünf Jahre evaluiert, Wolfgang Mayer beurteilte es insgesamt positiv: „Die Liste hat den Vorteil, dass die fachlichen Erkenntnisse automatisch gegliedert und zusammengefasst werden. Wenn es das nicht digital gäbe, würde das nicht so gut klappen.“ 

Unter den Teilnehmenden wurde das Verfahren angeregt diskutiert. Lorenz Schmid vom Amt für Jugend und Familie Regensburg wies darauf hin, dass es in seiner Abteilung eine ähnliche Liste für die Einschätzung von Kindeswohlgefährdung gebe. Allein auf die Auswertung des Programms dürfe man sich aber nicht verlassen. Es brauche zusätzliche kollegiale Fallberatung, Supervisionen und den individuellen Blickwinkel, um endgültig zu entscheiden.

Frank Baumgartner berichtete von seinen Erfahrungen in leitender Funktion bei einem Berufsbildungswerk und nun im Kinderzentrum St. Vincent. Ihm stellt sich vor allem die Frage, wie er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema Digitalisierung gewinnen könne. Denn das Thema betreffe verschiedene Generationen auf unterschiedliche Art und Weise. Zudem müssen die finanziellen Bedingungen bedacht werden, besonders in sozialen Einrichtung fehle es häufig an entsprechenden Mitteln.

Seiner Auffassung nach muss sich jede Einrichtung früher oder später zwangsläufig mit dem Thema auseinandersetzen. Konkrete Lösungen für viele Fragestellungen gebe es noch nicht. „Es ist noch eine große Unsicherheit, vor allem bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorhanden“, so Baumgartner.

Herausforderungen für die Lehre an der Fakultät

Bestandteil der abschließenden Diskussion war vor allem die Auswirkung der Digitalisierung und die Herausforderungen in der Praxis für die Lehre an der Hochschule. Sollen etwa Programmierkenntnisse Bestandteil der Ausbildung sein? Die Meinungen hierüber sind geteilt. Ein berechtigter Einwand: Was Studierende während des Studiums an der Hochschule lernen, kann beim Eintritt in das Berufsleben schon längst veraltet sein. Und: Laut den Praxisvertreterinnen und -vertretern sind die Studierenden im Bereich Digitalisierung bereits sehr fit. Eher sollte das Angebot an internen und spezifischen Fort- und Weiterbildungen ausgebaut werden.

Die Lehre an der Hochschule muss sich grundsätzlichen Themen widmen, und zwar den pädagogischen und ethischen sowie den gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Dabei soll unter anderem auch fakultätsübergreifend das Lehrangebot der Regensburg School of Digital Sciences (RSDS) genutzt werden.

Die Vorstellung der Praxisberichte und Diskussionsbeiträge zeigten, dass das Thema Digitalisierung einen hohen Stellenwert in sämtlichen Bereichen der sozialen Arbeit einnimmt – schon jetzt und auch noch in Zukunft.  

Zurück