Berufsintegrationsklassen für junge Geflüchtete – ein Erfolgsmodell?

28.06.2021
Von: Prof. Dr. Philip Anderson, Dr. Kerstin Pschibl

Seit zehn Jahren gibt es in Bayern Berufsintegrationsklassen für junge Geflüchtete. Prof. Dr. Philip Anderson von der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften erstellte ein aktuelles Gutachten zu diesem Bildungsangebot.

Prof. Dr. Philip Anderson untersuchte die Voraussetzung für eine gelungene Förderung von jungen Geflüchteten in Berufsintegrationsklassen.

Prof. Dr. Philip Anderson untersuchte die Voraussetzung für eine gelungene Förderung von jungen Geflüchteten in Berufsintegrationsklassen. Foto: Prof. Dr. Philip Anderson

Prof. Dr. Philip Anderson beschreibt im Gutachten zu den Berufsintegrationsklassen für junge Geflüchtete in Bayern (2020) die fehlende Aufenthaltssicherheit als weitaus größtes Problem für junge Geflüchtete. „Die '3+2-Regelung' muss überall vor Ort Realität werden“, betonte Prof. Dr. Anderson. „Eine garantierte Aufenthaltssicherheit für die Dauer der Ausbildung plus zwei Berufsjahre.“ Wesentlich sei ebenfalls ein leichter und gesicherter Zugang zu qualitativ hochwertiger Sprachförderung von Anfang an. Für junge Geflüchtete mit hoher Vorbildung wäre eine systemisch und flächendeckend installierte Anerkennung der Zeugnisse sinnvoll.

„Fuß fassen und vorankommen“

Sprachliche, Sozialisations- und kulturelle Integrationsprozesse verlaufen oft langsam und sind – laut Prof. Dr. Anderson – als langfristig angelegt zu betrachten. Die Ressourcen dafür müssen demnach nachhaltig zur Verfügung gestellt werden. „Jenseits der humanitär-moralischen Dimension ist dies eine gesamtgesellschaftliche Langzeitinvestition, welche sich sowohl für die Geflüchteten als auch die Aufnahmegesellschaft lohnt“, so Prof. Dr. Anderson. Die Geflüchteten sollen „Fuß fassen und vorankommen können“.

Das Gutachten von Prof. Dr. Anderson zu den Berufsintegrationsklassen für junge Geflüchtete in Bayern war der Ausgangspunkt für eine Reihe von vier virtuellen Veranstaltungen zwischen Februar und Juni des Jahres 2021. Die Auftaktveranstaltung und drei darauf aufbauende Fachforen wurden vom Bayerischen Kultusministerium in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt München organisiert und durchgeführt. Nach der Auftaktveranstaltung im Februar zur Präsentation und Diskussion der Erkenntnisse und Empfehlungen des Gutachtens unter dem Motto "Zehn Jahre Berufsintegrationsklassen für Geflüchtete – ein Erfolgsmodell?" wurde in den darauffolgenden drei Fachforen die Themen "Heterogenität in den BI-Klassen", "Übergänge" sowie "Fort- und Weiterbildungsangebote" von Expert*innen aus Wissenschaft, Verwaltung und (sozial-)pädagogischer Praxis intensiv diskutiert.

Insgesamt nahmen ca. 350 Teilnehmende aus ganz Deutschland an den Veranstaltungen teil. In einer Nachfolgeveranstaltung im Herbst 2021 soll über weitergehende Schritte gesprochen werden, dabei soll die Zielgruppe selbst ihre eigene Sicht zu den Themen einbringen können.

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