Diffusion altersgerechter Assistenzsysteme – Kennzahlenerhebung und Identifikation von Nutzungshemmnissen (DAAS-KIN)

Förderung: BMBF

Zeitraum: 2019-2020

Projektleitung: Prof. Dr. Karsten Weber

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen:

Ulrike Scorna, M.A.

Peter Wegenschimmel, Mag.

Dr. Debora Frommeld

weitere Beteiligte: Prof. Dr. Sonja Haug

Studentische Hilfskräfte: Vanessa Mücke (bis 30.09.2019), Sebastian Belda (ab 15.10.2019), Monika Friedl (ab 1.11.2019)

 

Ziel: Untersuchung der Diffusion und der Implementations- und Nutzungshemmnisse altersgerechter Assistenzsysteme in Pflegeeinrichtungen und privaten Haushalten.

 

Methode und Vorgehen: 

  • Umfrage unter Anbietern stationärer und ambulanter Pflege um die die Diffusion solcher Assistenzsysteme zu eruieren. Erfragung von Einsatzplänen und Nutzungshemmnissen.

  • Leitfadengestützte Interviews mit VertreterInnen verschiedener Stakeholdergruppen um Nutzungshemmnissen zu identifizieren.

  • Untersuchung  von potentiellen Nutzungshemmnissen mit Hilfe einer modifizierten Wertbaumanalyse.

 

Ausführliche Projektbeschreibung:

Der demografische Wandel bringt erhebliche gesellschaftliche Probleme mit sich, die insbesondere das bundesdeutsche Pflege- und Gesundheitsversorgungssystem betreffen. Um dieser Situation zu begegnen, wird seit einigen Jahren für den massiven Einsatz von Technik zur Unterstützung der Pflege plädiert. Seit 2008 hat allein das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) schätzungsweise mehr als 100 Millionen Euro in F&E-Projekte investiert, in denen entsprechende Technik entwickelt werden sollte. Andere Ministerien sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene ebenso wie die EU förderten ebenfalls in großem Maßstab entsprechende Vorhaben. Häufig wird dabei Technik entwickelt, ohne dass ausreichend darauf geachtet wird, ob es dafür einen tatsächlich Bedarf gibt oder ob die geplante Gestaltung der Technik tatsächlich den Bedürfnissen der prospektiven NutzerInnen gerecht werden kann (so hat es bspw. von den initialen 18 Projekten, die von 2008-2011 vom BMBF gefördert wurden, nur eines bis zur Marktreife geschafft).

Obwohl massiv Ressourcen in die Entwicklung altersgerechter Assistenzsysteme (hier in einem weiten Sinne verstanden) investiert wurden, bleibt die Diffusion der Systeme sowohl in die Pflegeeinrichtungen als auch in die privaten Haushalte hinein weitgehend im Unklaren. Es liegen zwar mehrere Potenzialstudien vor, aber verlässliche Zahlen, die Auskunft über tatsächlich eingesetzte Systeme, realisierte Umsätze und Marktvolumen etc. geben könnten, existieren derzeit nicht. So können keine validen und reliablen Aussagen über die Erreichung von Zielen, die insbesondere mit der öffentlichen F&E-Förderung verbunden sind, getroffen werden. Es ist also unbekannt, ob altersgerechte Assistenzsysteme tatsächlich (a) dem Arbeitskräftemangel abhelfen, (b) den Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegedienst bei der Verrichtung von belastenden Tätigkeiten helfen, (c) die Versorgung mit Gesundheits- und Pflegedienstleistungen auch in dünn besiedelten Regionen sicherstellen, (d) insbesondere alten und hochbetagten Menschen ermöglichen, ein sicheres und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen, (e) neue Märkte öffnen und damit wohlstandsfördernd oder zumindest  sichernd wirken – um nur einige Ziele zu nennen, die mit altersgerechten Assistenzsystemen verbunden werden.

DAAS-KIN soll helfen diese mit potenziell weitreichenden Konsequenzen verbundene Wissenslücke zu schließen. Mithilfe einer Umfrage unter Anbietern stationärer und ambulanter Pflege soll die Diffusion altersgerechter Assistenzsysteme in die Praxis eruiert werden. Gleichzeitig sollen Einsatzpläne sowie Nutzungshemmnisse erfragt werden. Mithilfe von leitfadengestützten Interviews mit VertreterInnen verschiedener Stakeholdergruppen sollen Nutzungshemmnisse dann noch genauer identifiziert werden. Zuletzt ist geplant, insbesondere die Interviews mithilfe einer modifizierten Wertbaumanalyse auf die normativen Aspekte solcher Einsatzhindernisse hin zu untersuchen: Ziel hierbei ist, das etablierte Technikbewertungsinstrument MEESTAR zu verbessern und auf diese Weise zukünftige ELSA-Begleitforschung bei F&E-Projekten im Kontext altersgerechter Assistenzsysteme noch stärker auf eine konstruktive normative Verbesserung der entwickelten Technik auszurichten. Die Ergebnisse des Projekts sollen in mehrfacher Weise verwertet werden:

  • Frei zugängliche Arbeitspapiere zur Dokumentation bereits erreichter Ergebnisse.
  • Publikationen für die Pflege- und Gesundheitswissenschaften, die Pflegepraxis sowie für den Bereich der Technikfolgenabschätzung und HTA.
  • Umfassender und frei zugänglicher Projektbericht; die Publikation als Open Access-Buch wird angestrebt.
  • Tagungsteilnahmen im deutschsprachigen Raum und international.
  • Organisation einer eigenen Tagung zur Mitte des Projekts.
  • Einbringen der Ergebnisse in die Lehre.
  • Vorträge und/oder Vortragsreihen für die breitere Öffentlichkeit.
  • Artikel in Publikumszeitschriften zur Popularisierung des Themas (wenn möglich).