Herausforderungen an das Jugendamt von morgen

11/29/2018
By: Dr. Kerstin Pschibl

Wie sehen die aktuellen Anforderungen an das „Jugendamt von morgen“ aus? Dazu referierten der Leiter des Regensburger Jugendamts Dr. Volker Sgolik und Jugendhilfeplaner Daniel Engelbrecht bei ihrem Gastvortrag im November 2018.

Von links: Jugendhilfeplaner Daniel Engelbrecht und Jugendamtsleiter Dr. Volker Sgolik referierten zum Thema „Aktuelle Diskussionen zu den Sozialpädagogischen Hilfen. Entwicklungen und Zukunftsperspektiven aus der Sicht des städtischen Jugendamtes“.

Von links: Jugendhilfeplaner Daniel Engelbrecht und Jugendamtsleiter Dr. Volker Sgolik referierten an der OTH Regensburg im November 2018 zum Thema „Aktuelle Diskussionen zu den Sozialpädagogischen Hilfen. Entwicklungen und Zukunftsperspektiven aus der Sicht des städtischen Jugendamtes“. Foto: Dr. Kerstin Pschibl

Die beiden Alumni der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften Dr. Volker Sgolik, heute Leiter des Amts für Jugend und Familie in Regensburg, und Jugendhilfeplaner Daniel Engelbrecht referierten auf Einladung von Prof. Dr. Barbara Seidenstücker am 19. November 2018 im Studienschwerpunkt „Kinder- und Jugendhilfe“ des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg).

Inklusion, interprofessionelle Arbeitsstrukturen und „Digitalisierung versus Datenschutz“ sind für Jugendamtsleiter Dr. Volker Sgolik aktuelle Herausforderungen an seine Behörde. Das Jugendamt muss sich auf neue gesetzliche Vorgaben einstellen, aber vor allem auch auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, den zunehmenden Fachkräftemangel sowie auf eine veränderte Sozialstruktur in der „Boomtown Regensburg“.

Das Amt für Jugend und Familie verstärkt deshalb unter anderem seine Kräfte in Stadtteilprojekten, in der aufsuchenden Familienarbeit, der Familienbildung und in der Jugendsozialarbeit an Schulen. Im „Bürgerstift St. Michael“ wird außerdem ein „Kinderschutzhaus“ eingerichtet, in dem es acht Plätze für Kinder zwischen vier und 14 Jahren geben wird, die sich in akuter Not befinden, nicht mehr zu Hause betreut werden können und (noch) nicht in einer Pflegefamilie unterkommen.

Interprofessionelle Settings und neue Herausforderungen

Die 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amts für Jugend und Familie und insbesondere die 180 Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen arbeiten zunehmend in interprofessionellen Settings. „Sozialarbeit musste schon immer mit anderen Disziplinen vernetzt sein“, so Dr. Sgolik. Inzwischen gibt es aber nicht nur immer mehr Querverbindungen zum „System Schule“ oder beispielsweise der Justiz, sondern auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem „System Gesundheit“. Unter anderem stellt das neue Teilhabegesetz das Jugendamt vor neue Herausforderungen.

Im Jahr 2017 wurden im Regensburger Jugendamt insgesamt 1.119 „Hilfen zur Erziehung“ gewährt. Diese Hilfen wurden vom Gesetzgeber im Sozialgesetzbuch VIII (§§27-35) definiert und sind ein Teil des umfangreichen Förderangebots des Amtes. Sie umfassen Angebote wie die „sozialpädagogische Familienhilfe“ oder auch die stationäre Unterbringung in einem Kinderheim. 

Die Fallzahlen nahmen in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Ausschlaggebend dafür ist zum einen – ganz profan – der Bevölkerungszuwachs der „Boomtown Regensburg“. Außerdem hat sich die Bevölkerungsstruktur in der viertgrößten Stadt Bayerns erheblich verändert. Dazu kommt ein „engmaschigeres soziales Netz“, erläutern Daniel Engelbrecht und Dr. Sgolik. In Stadtteilprojekten und insbesondere bei der „Jugendsozialarbeit an Schulen“ fallen Problemlagen auf, die vor einigen Jahren nicht oder erst zu einem viel späteren Zeitpunkt sichtbar geworden wären.

Künftige Hilfebedarfe besser abschätzen können

Mittels der „Jugendhilfeplanung“, die ebenfalls im Sozialgesetzbuch VIII festgeschrieben ist, werden Prognosen für künftige Entwicklungen erstellt, um zielgenauere Hilfeleistungen anbieten zu können. Daniel Engelbrecht stellte in diesem Zusammenhang eine von ihm entwickelte Regensburger Sozialraumanalyse vor, mit der künftige Hilfebedarfe in den unterschiedlichen Stadtteilen besser abgeschätzt werden können.

In der Sozialraumanalyse werden „soziale Brennpunkte“ sichtbar gemacht. Es wird dabei auch deutlich, welche Auswirkungen Bebauungspläne haben können. „Die Kollegen der Stadtplanung sind für uns hier wichtige Kooperationspartner“, betonte Daniel Engelbrecht, und zwar konkret für den „Erhalt positiver Lebensbedingungen“ für junge Menschen und ihre Familien. „Wir sehen uns hier als Anwalt des Kindes“, ergänzte Dr. Sgolik.

Der promovierte Pädagoge und Sozialpädagoge Dr. Volker Sgolik ist seit 17 Jahren Lehrbeauftragter an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften. Er bot unter anderem Kurse in „Sozialpädagogischer Fallarbeit“ oder dem „Theorie-Praxis-Transfer“ an und lehrt aktuell „Gesprächsführung in der Beratung“. Daniel Engelbrecht hat ebenfalls an der OTH Regensburg „Soziale Arbeit“ studiert und kam über ein Praktikum in das Amt für Jugend und Familie. Er schrieb seine Bachelorarbeit bei Prof. Dr. Barbara Seidenstücker.

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