Einführung der agilen Projektmanagement-Methode Scrum

11/21/2018
By: Prof. Dr. Sabine Jaritz

Wie lässt sich die agile Projektmanagement-Methode Scrum direkt im Unternehmen anwenden? - Eine ehemalige Studentin stellte den Einsatz dieser an der OTH Regensburg erlernten Methode in ihrem Vortrag an der Fakultät Betriebswirtschaft vor.

 

Die ehemalige Studierende der OTH Regensburg und Referentin Julia Dekany (ganz links) nach ihrem Vortrag an der Fakultät Betriebswirtschaft über den praktischen Einsatz von Scrum im Unternehmen.

Die ehemalige Studierende der OTH Regensburg und Referentin Julia Dekany (ganz links) nach ihrem Vortrag an der Fakultät Betriebswirtschaft über den praktischen Einsatz von Scrum im Unternehmen. Foto: Prof. Dr. Sabine Jaritz

Wie schafft man es als Studentin, eine neue Methode des Projektmanagements in einem Unternehmen einzuführen? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um Scrum einzuführen? Wo liegen die Herausforderungen? Für welche Projekte außerhalb der Informationstechnologie (IT) eignet sich ein agiles Vorgehen? Wie reagieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diese ungewohnte Art des Projektmanagements? Und lohnt sich Scrum überhaupt? – Fragen wie diese waren Thema eines Vortrags, zu dem die Fakultät Betriebswirtschaft der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) Julia Dekany, eine Werkstudentin bei der Firma Einhell, eingeladen hatte.

Projektmanagement-Vorlesung hat für Scrum begeistert

Am 12. November 2018 hielt Julia Dekany von der Firma Einhell Germany AG einen Vortrag über die Einführung und Durchführung von Projekten nach der agilen Managementmethode Scrum. Der Gastvortrag war in die Projekt-Controlling-Vorlesung im Studiengang Bachelor Betriebswirtschaft von Prof. Dr. Sabine Jaritz eingebettet. Genau diese Vorlesung im Schwerpunkt Projektmanagement besuchte die Referentin vor einem Jahr. Die Vorlesung behandelt neben dem traditionellen Projektmanagement auch die agile Methode Scrum. 

Studierende haben die Möglichkeit – welche übrigens in Deutschland derzeit einzigartig ist –, im Rahmen der Vorlesung das „Professional Scrum Master Zertifikat“ zu erwerben. Von dieser Möglichkeit machte damals auch Julia Dekany Gebrauch. Wie die Referentin im Vortrag erläuterte, hat sie nicht nur Scrum gelernt, sondern für diese Methode auch eine große Begeisterung entwickelt. Diese trug sie mit in die Firma Einhell, wo sie aktuell Werkstudentin ist. Durch ihre Ausbildung vor Ort besitzt Julia Dekany ein gutes Verständnis über die einzelnen Unternehmensbereiche und über die Unternehmenskultur – beides durchaus wichtige Voraussetzungen, um als Werkstudentin eine neue Methode einzuführen.

Offen für Innovation und agiles Vorgehen

Die Einhell Germany AG ist ein Familienbetrieb mit Hauptsitz in Landau an der Isar und entwickelt und vertreibt Werkzeuge und Gartengeräte für die Do-it-yourself-Branche. Das Unternehmen ist in über 90 Ländern aktiv, beschäftigt weltweit mehr als 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gilt als innovativ. Der Ausbau einer digitalen Organisation ist Teil der Konzernstrategie, strategische Agilität spielt hierbei eine wichtige Rolle.

Anwendung von Scrum in einem Pilotprojekt

Im Zuge der Konzernstrategie wurden bei einem Tochterunternehmen von Einhell ebenfalls organisatorische Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt. Im Zuge ihrer Werkstudententätigkeit war Julia Dekany an diesem Vorhaben beteiligt und warf die Frage auf, ob es möglich wäre, in diesem Kontext Scrum anzuwenden. 

Scrum ist ein inkrementeller, iterativer Ansatz, der durch ein hohes Maß an Transparenz, regelmäßiger Überprüfung und – wenn notwendig – schnellen Anpassungen gekennzeichnet ist. Mit diesem Ansatz werden Verbesserungen sehr schnell sichtbar gemacht und können so zur Motivation aller Beteiligten beitragen. Da sowohl ihre direkte Vorgesetzte als auch die beteiligten Projektmitarbeitenden sich offen für Scrum gezeigt hatten, konnte die Referentin als zertifizierter Scrum-Master die Scrum-Methode in einem konkreten Projekt ausprobieren und einführen. 

In der Scrum-Logik wurde das Unternehmen als ein Produkt mit mehreren Bereichen gesehen. Die Herausforderungen beziehungsweise die Lösungsansätze für die einzelnen Organisationsbereiche wurden in einem sogenannten Product Backlog festgehalten, der die Basis für die Anforderungen für die einzelnen Sprints stellte. Scrum besteht aus mehreren aufeinander folgenden Sprints. Bei Einhell wurde für einen Sprint ein Zeitfenster von zwei Wochen festgelegt. Vor jedem Sprint fand ein sogenanntes „Sprint Planning“ statt, an dem das Projektteam ein „Sprint Backlog“ für die nächsten 14 Tage definierte. 

Am Ende des Sprints wurden die Ergebnisse der letzten zwei Wochen in einem „Sprint Review“ überprüft und die Anforderungen für den nächsten Sprint definiert. Aus Sicht von Julia Dekany war es durch dieses agile, iterative Vorgehen möglich, Verbesserungen im 14-tägigen Rhythmus sichtbar zu machen. Da bei Scrum zuerst die Anforderungen umgesetzt werden, die den größten Nutzen versprachen, konnte das Projekt auch schnell Erfolge vorweisen.

Nutzung von Scrum in weiteren Projekten

Das Pilotprojekt hat dazu geführt, dass die Scrum-Methode auch in weiteren Projekten zum Einsatz kam, jeweils ohne externe Begleitung. Julia Dekany unterstützte als Scrum-Master ein Projekt zur Weiterentwicklung einer Software und ein Projekt, bei dem es um die Optimierung der Schnittstelle zwischen der Zentrale und einer Auslandstochter ging. Gerade bei letzterem Projekt war es, wie Julia Dekany den Studierenden an konkreten Situationen erläuterte, durchaus herausfordernd, mit virtuellen Teams in zwei Kontinenten und zwei Zeitzonen zusammenzuarbeiten. 

Die Referentin zeigte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch Beispiele von „Scrum Boards“, sodass die Studierenden hier sehr konkret erfahren konnten, wie Scrum in der Praxis aussieht und wie Tools den Scrum-Alltag unterstützen können.

Anwendungsorientierte Lehre und aufgeschlossene Unternehmen in der Region

Der Vortrag mündete in eine Frage- und Antwortrunde. Die zahlreichen, auch sehr spezifischen Fragen spiegelten das große Interesse der Studierenden wider. Prof. Dr. Sabine Jaritz bedankte sich auch im Namen der Studierenden bei Julia Dekany von Einhell für den informativen Vortrag und die Beantwortung aller Fragen. Die Studierenden konnten durch den packenden Vortrag erfahren, in welchen konkreten Situationen diese agile Projektmanagementmethode wirkungsvoll eingesetzt werden kann und wo die Herausforderungen im Projektalltag liegen. 

Die Referentin hat durch ihre persönliche Geschichte gezeigt, wie leicht es sein kann – Begeisterung am Inhalt, eigener Mut und Aufgeschlossenheit auf Unternehmensseite vorausgesetzt –, Inhalte aus Vorlesungen direkt in einer Firma mit Erfolg anzuwenden. Dieser Erfahrungsbericht ist letztlich auch Zeichen dafür, dass die zeitgemäße praxisorientierte Hochschulausbildung an der OTH Regensburg ebenso wie die exzellente Kooperation mit innovativen Unternehmen in der Region wie die Einhell Germany AG höchst erfolgreich sind.

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