Grenzkonflikte und Grenzüberschreitungen: Debatten zu Sexismus – Rassismus – Nationalismus

Im Wintersemester 2016/2017 findet erneut eine öffentliche Vortragsreihe statt. Das Thema in diesem Semester lautet "Grenzkonflikte und Grenzüberschreitungen: Debatten zu Sexismus - Rassismus - Nationalismus".


Die Vortragsreihe befasst sich mit dem Verhältnis von Rassismus und Sexismus in Politik, Kultur und Gesellschaft. Aus unterschiedlichen Perspektiven wird beleuchtet, wie diese zusammenwirken und welche Herausforderungen sich daraus ergeben.

Die Veranstaltungen finden jeden zweiten Dienstag, 18:30 - 20:00 Uhr an der OTH Regensburg statt. Die Vorträge sind öffentlich und stehen allen Interessierten offen. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich.

Organisiert werden die Veranstaltungen von der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften. Finanziert werden die Vorträge über das Professorinnenprogramm II.

Die Vorträge im Einzelnen

  • 11.10.2016: "Rassistische Feminismen in historischer Kontinuität" von Prof. Dr. Nivedita Prasad, Alice Salmon Hochschule Berlin
    Beschreibung: Neben den vielen emanzipatorischen feministischen Bewegungen gibt es (in Deutschland) auch solche, die sich in ihrer Analyse einer sehr rassistischen Tradition bedienen, und damit rassistischem Wirken eine scheinbar feministische Legitimation geben. In diesem Vortrag wird insbesondere auf antimuslimischen Rassismus in heutigen feministischen Debatten in Deutschland eingegangen, die auch in sozialarbeiterischer Theorie und Praxis wirkmächtig sind.
  • 25.10.2016: Emine Aslan, Uni Mainz
    Beschreibung: Wenn wir heute "Nach Köln" sagen, wissen die allermeisten Menschen in Deutschland was damit gemeint ist. Dieses "Nach Köln", das diskursiv durch mediale und politische Dynamiken so stark aufgeladen wurde, vermittelt uns den Eindruck, dass es sich womöglich um ein einschneidendes Ereignis im kollektiven Verständnis der Bundesrepublik handelt. Dieser Vortrag wird sich mit dem Zusammenspiel medialer und politischer Rhetorik mit anti-feministischen und rassistischen Denkmustern beschäftigen.
  • 08.11.2016: "Staatsbürgerschaft, Religion und Geschlecht. Das Beispiel muslimischer Körperverhüllung" von Prof. Dr. Birgit Sauer, Uni Wien
    Beschreibung: Die vergangene Dekade ist durch heftige auf- und abschwellende Debatten über die Körperverhüllungen muslimischer Frauen gekennzeichnet. Auch wenn die öffentlichen Diskussionen in europäischen Ländern tendenziell ein unfreundliches Klima gegenüber der Sichtbarkeit religiöser Körperverhüllungen im öffentlichen Raum schufen, so führten doch nur wenige Länder prohibitive Regelungen ein. Der Vortrag fragt vor diesem Hintergrund nach der biopolitischen Bedeutung des “Streits um ein Stück Stoff” und arbeitet anhand einer kritischen frame-Analyse von Policy-Dokumenten heraus, wie in diesen Debatten Zugehörigkeit (belonging) bzw. Nicht-Zugehörigkeit an der Schnittstelle von Geschlecht und Religion verhandelt und konstruiert wird. Sichtbar wird dabei, dass die öffentlichen “Kopftuch-Debatten” Staatsbürgerschaft re-definieren und an körperliche Praxen (der Ver- oder Enthüllung) knüpfen.
  • 22.11.2016: "'Those that we can not not want': Zur ambivalenten Erfolgsgeschichte der FrauenMenschenrechte"von Prof. Dr. Uta Ruppert, Uni Frankfurt am Main
    Beschreibung: Kein anderer Ansatz transnationaler Geschlechterpolitik gilt als so zentral und so erfolgreich und ist zugleich so umstritten wie die FrauenMenschenrechte. Mit weltweiten Kampagnen erst während der Weltkonferenzen der 1990er Jahre erstritten, wurden sie schon kurze Zeit später als Rechtfertigung für den Afghanistankrieg herangezogen. Doch nicht nur die Instrumentalisierung der FrauenMenschenrechte liefert Anlass für Kritik. Ihr universeller Anspruch ist ebenfalls ein Ansatzpunkt für heftige feministische Kontroversen. Wie sind diese Ambivalenzen der FrauenMenschenrechte zu verstehen und zu bewerten?
  • 06.12.2016: "Frauen auf der Flucht", Internationales Frauencafé Nürnberg
    Beschreibung: Frauen fliehen aus unterschiedlichen Gründen: sie fliehen vor Kriegen, Hunger, Armut, Elend, Klimakatastrophen, Diktaturen und aus frauenspezifischen Fluchtgründen wie Vergewaltigung, Gewalt in der Familie, Zwangsehe, Genitalverstümmelung, Verbot der sexuellen Selbstbestimmung. Das Internationale Frauencafé unterstützt diese Frauen die nach Deutschland geflohen sind. Mitarbeiterinnen berichten in dieser Veranstaltung über ihre Arbeit, ihr Angebot und ihre Erfahrungen mit den Frauen auf der Flucht. 
  • 10.01.2017: "Feministische Politik in der Krise" von Dr. Alexandra Scheele, Uni Bielefeld/BTU Cottbus - Wiederholung aus der 1. Vortragsreihe!
    Beschreibung: Der Vortrag setzt sich mit der Frage auseinander, wie sich in Krisenzeiten die Bedingungen für feministische Politiken verändern. Dazu werden zunächst die Auswirkungen der verschiedenen Krisen auf geschlechtliche Ungleichheiten aufgezeigt und anschließend gefragt, inwiefern Antifeminismus und die (Re-)Aktivierung dichotomer Geschlechterstereotype als Ausdruck einer zunehmenden Verunsicherung interpretiert werden können.

Veranstaltungsort

Die Vorträge finden an der OTH Regensburg am Standort Seybothstr. 2 im Raum S 322 (3. Stock, Aufzug vorhanden).

Informationen zur Anreise

Informationen zum Raumplan

Rückblick

Die Vortragsreihe im WiSe 2015/2016 "Diesseits und jenseits von Geschlecht: Debatten zu Politik-Identität-Sexualität" befasste sich mit den politischen und kulturellen Debatten zum Geschlechterverhältnis und mit dem Denken und Handeln innerhalb und jenseits klassischer Geschlechterkonstruktionen.

Wie gestalten sich Macht- und Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern, in welcher Weise werden Geschlechterkonstruktionen und -konflikte in Politikprozessen sichtbar? Wie lässt sich Gesellschaft und Individualität denken, wenn man sich von Konstruktionen der Zweigeschlechtlichkeit löst? Wie sehen subjektive und gesellschaftliche Widerstände aus? Welche politischen Ziele und Handlungsmöglichkeiten werden damit verknüpft? Die Vorträge und Debatten sollen den Blick öffnen für plurale Lebensformen und -konzepte und für Politiken der Gleichstellung und Emanzipation.