Studierende besuchen Forschungscamp in Wettzell

13.01.2016
Von: Kerstin Weiherer, Prof. Georg Scharfenberg (OTH Regensburg)

Studierende des Studiengangs „Master of Applied Research in Engineering Sciences“ (MAP) der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) besuchen im Rahmen eines Forschungscamps das Geodätische Observatorium Wettzell bei Bad Kötzting.

Das Team MEHREN vor dem 20-Meter-Radioteleskop des Geodätischen Observatoriums. Foto: Geodätisches Observatorium Wettzell (Mitarbeiter)

Das Team MEHREN vor dem 20-Meter-Radioteleskop des Geodätischen Observatoriums. Foto: Geodätisches Observatorium Wettzell (Mitarbeiter)

Christian Plötz erklärt seinen Arbeitsbereich.

Christian Plötz erklärt seinen Arbeitsbereich.

Dr. Thomas Klügel erläutert die Messeinrichtungen des Ringlasers. Fotos: Jonas Frank

Dr. Thomas Klügel erläutert die Messeinrichtungen des Ringlasers. Fotos: Jonas Frank

Das Forschungsteam "Multimotor Elektrofahrzeug mit höchster Raum- und Energieeffizienz und kompromissloser Fahrsicherheit", kurz MEHREN des LaS³ entwickelt das "Funktionale Sicherheitskonzept" (FuSi) für ein modernes, kompaktes Elektrofahrzeug der Zukunft, dessen Antriebsmotore sich in den Rädern des Autos befinden (Radnabenantrieb).

Aktuell ist mit der Fertigstellung des Sicherheitskonzepts die Projektarbeit jedoch nicht abgeschlossen, da der Test des Fahrzeugs noch bevorsteht. Die Erprobung des Fahrzeugprototyps, der von Ford erstellt wird, ist für das anstehende Frühjahr geplant. Die entsprechende Testspezifikation dafür wird ebenfalls vom Team entworfen.

Im Forschungsteam, das für das FuSi-Thema von Masterstudierenden des Studiengangs „Master of Applied Research in Engineering Sciences“ (MAP) unter Leitung von Prof. Georg Scharfenberg geführt wird, ist im laufenden Semester ein Generationswechsel eingetreten. Wichtige Kompetenzträger „der ersten Stunde“ haben dieses Semester das Studium abgeschlossen und verlassen somit das Team, während die „Neuen“ bereits über eine Zeitdauer von mehr als neun Monaten eingearbeitet sind.

Studierende schauen "über den Tellerrand"

Aus diesem Anlass ist das Projektteam zur Verabschiedung der Absolventen und Absolventinnen, aber auch zur weiteren Teambildung für einen Tag auf Exkursion gegangen. Ziel der Exkursion war das Geodätische Observatorium Wettzell bei Bad Kötzting, sowie auch die Diskussion zum weiteren Vorgehen im Forschungsprojekt MEHREN.

Die Exkursionsgruppe wurde herzlich durch Christian Plötz willkommen geheißen, der vor Jahren an der Hochschule Regensburg absolviert hat und im Verlauf der Besichtigung seinen Arbeitsbereich darstellte. Zunächst aber wurde von Dr. Thomas Klügel der theoretische Hintergrund in einem Vortrag das Observatorium Wettzell mit seinen Aufgabenstellungen und den zur angewandten Messprinzipien anschaulich dargestellt. Die Untersuchungen befassen sich mit der Vermessung der Form der Erde und ihrer Lage im Raum und zielen so auf die Registrierung kontinentaler Verschiebungen und kleinster Abweichungen von der Erdrotation ab.

Am Arbeitsplatz der Laserentfernungsmessung zeigte der Mitarbeiter Günther Herold wie mit einem leistungsstarken Impulslaser über die Reflexion des Impulses im Tripelprisma eines Satelliten oder eines Mondfahrzeugs aus der Entfernungsmessung Veränderungen im Zentimeter-Bereich erfasst werden können.

Die Herausforderungen dabei sind die erforderliche Nachführung des Lasers, um das bewegte, weit entfernte Ziel zu treffen sowie die Erfassung und Verstärkung des reflektierten extrem schwachen Signals. Zur Vermeidung von Gefährdungen im Luftraum über der Station wird der Flugverkehr überwacht, so dass Messungen bei Annäherung von Flugobjekten unterbrochen werden können.

Ein weiteres Highlight war die Besichtigung des 20-Meter-Radioteleskops des Observatoriums. Das Teleskop wird für die „Very Long Baseline Interferometry“ (VLBI) in Verbindung mit anderen, weit entfernten Radioteleskopen (beispielsweise in Südamerika oder auf der Antarktis) eingesetzt. Über die zeitsynchronisierte Erfassung von Radioquellen im Weltraum (Quasare) können damit die Entfernungen zwischen den beteiligten Radioteleskopen als Grundlage der Erdvermessung ermittelt werden. In den Radioteleskopen des Observatoriums befinden sich extrem empfindliche Messempfänger, die mit dem gesamten Messequipment den Arbeitsplatz des Nachrichteningenieurs Christian Plötz in Weiterentwicklung und Betreuung umfassen.

Auch die Besichtigung des Ringlasers auf dem Gelände war bis in den dicht abgeschotteten Vorraum des Lasers mit den zugehörigen Auswerteeinrichtungen möglich. Der einzigartige Großringlaser erlaubt Variationen der Erdrotation mit hoher zeitlicher Auflösung entsprechend einer Tageslängenänderung von 0,1 Millisekunden zu erfassen.

Im Anschluss an den Besuch des Geodätischen Observatoriums blieb noch ausreichend Zeit für ein gemeinsames Mittagessen mit Christian Plötz, der aus seiner beruflichen Entwicklung nach dem Studium in Regensburg und seiner täglichen Arbeit im Observatorium berichtete. Spannend zu hören war, dass seine Außendienst Tätigkeit auch die Antennenanlagen einer Station auf der Antarktis einbezieht.

Zurück