Nachhaltigkeit im Verkehrswegebau

11.11.2021
Von: Prof. Andreas Appelt

Der 14. Mobilitätsworkshop an der OTH Regensburg fand auch 2021 wieder großes Interesse. Rund 50 Teilnehmende waren mit dabei – vor Ort oder per Live-Stream.

Horizontalhybride Bauweise.

Horizontalhybride Bauweise. Foto: Heinz Schnorpfeil GmbH

Dank an die Referenten und digitalen Teilnehmer (von links): Christian Unzner, Rüdiger Schemm, Alexander Grünewald, Thomas Großmüller, Prof. Andreas Appelt, nicht auf dem Bild Andreas Tiemann (digitale Teilnahme).

Dank an die Referenten und digitalen Teilnehmer (von links): Christian Unzner, Rüdiger Schemm, Alexander Grünewald, Thomas Großmüller, Prof. Andreas Appelt, nicht auf dem Bild Andreas Tiemann (digitale Teilnahme). Foto: Markus Frank

Knotenpunkt in Betonbauweise.

Knotenpunkt in Betonbauweise. Foto: Alexander Grünewald

Fragen zur Nachhaltigkeit im Verkehrswegebau sowie Radverkehr und Mobilität im Großraum Regensburg: Das waren die Schwerpunkte des 14. Regensburger Mobilitätsworkshops an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), organisiert von der Fakultät Bauingenieurwesen, der Autobahn GmbH des Bundes, Außenstelle Regensburg, und dem Informationszentrum Beton.

Die Veranstaltung, erstmals als hybrides Format angeboten, stieß auf sehr großes Interesse: 20 Fachteilnehmende waren vor Ort dabei, 32 Teilnehmende via Live-Stream. Sie kamen aus dem staatlichen Bereich des Straßenbaus von Kommunen, Verbänden, Staatlichen Bauämtern sowie aus dem Hochschulbereich. Prof. Andreas Appelt, berufen an der Fakultät Bauingenieurwesen im Fachgebiet Straßenplanung/Straßenbau, und der Leiter der Außenstelle Regensburg der Autobahn GmbH des Bundes, Christian Unzner, begrüßten die Teilnehmenden und dankten Rüdiger Schemm vom Informationszentrum Beton für die gute Zusammenarbeit bei der Organisation der Veranstaltung.

„Der richtiger Baustoff an der richtigen Stelle“

Nachhaltige Bauweisen im Verkehrswegebau sind dann gegeben, wenn eine möglichst lange Lebensdauer erreicht wird. Unter dem Motto „Der richtiger Baustoff an der richtigen Stelle“ wurden im Rahmen des Workshops zwei Beispiele des punktegenauen Einsatzes von Beton an vom Schwerverkehr hochbelasteten Bereichen im Straßenquerschnitt vorgestellt, bei denen die Betonbauweise auf Grund der hohen Verformungsbeständigkeit Vorteile hinsichtlich der Dauerhaftigkeit bietet.

Alexander Grünewald, Berater am Informationszentrum Beton, stellte den „Neubau Kreuzung Daimler-Knoten in Sindelfingen in Betonbauweise“ vor. Grünewald erläuterte die Konzeption des Knotenpunktes, der als zentrale Werkszufahrt zu einem Automobilwerk mit prognostizierten 4310 Schwerverkehrsfahrzeugen jeden Tag hochbelastet ist. Der Bestand war gekennzeichnet von starken Verdrückungen und Spurrinnenbildungen. Die Planung und Ausführung des sehr großen Knotenpunktes erfolgte deshalb in Betonbauweise auf Asphalttragschicht unter Aufrechterhaltung des Verkehrs. Bauherr des Projektes ist das Landratsamt Böblingen. Als Besonderheit wurde auf Grund der schwierigen geometrischen Randbedingungen Faserbeton mit PP-Fasern eingesetzt, um die Zugfestigkeit und somit auch die Dauerhaftigkeit der Bauweise weiter zu erhöhen. Grünewald erläuterte umfangreich die grundlegenden Anforderungen an die Betonbauweise bei Knotenpunkten und die komplexe Bauablauf- und Fugenplanung beim Projekt in Sindelfingen.

Andreas Tiemann, Geschäftsführer der Heinz Schnorpfeil Bau GmbH, berichtete über die horizontal-hybride Bauweise im Autobahnbau. Dabei werden auf Autobahnen der hochbelastete rechte Fahrstreifen und der Standstreifen in Betonbauweise, der Überholfahrstreifen in Asphalt hergestellt. Die Bauweise wurde im Zuge der A 61 in den Jahren 2017 bis 2019 und 2021 bereits erfolgreich umgesetzt. Vorteil der Bauweise ist der Einsatz der Baustoffe Asphalt und Beton passgenau an den Stellen, an denen die jeweiligen Baustoffe ihre Stärken ausspielen können. Tiemann erläuterte die zehn Schritte zur erfolgreichen Umsetzung. Dabei sind die richtige Bauabwicklung und der Anbau des Betonfahrstreifens an den bereits im Vorfeld hergestellten Asphaltfahrstreifen, der passgenau zurückgeschnitten wurde, für eine erfolgreiche und dauerhafte Ausbildung der Längsfuge entscheidend. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Gewährleistung einer dauerhaft funktionierenden Entwässerung der Längsfuge. Hierzu werden im Fugenbereich Drainagestreifen eingebaut. Mit vielen Details erläuterte Tiemann diesen sehr interessanten Ansatz der sowohl unbewehrt als auch in vollständig bewehrter Bauweise ausgeführt wurde. Es sei zu erwarten, dass sich der Mehraufwand und die Mehrkosten in der Herstellung sehr schnell durch die angestrebten Liegedauern von fünfzig Jahren, insbesondere bei der vollständig bewehrten Bauweise, amortisieren.

Rege Diskussion über Fachthemen

Nach einer Kommunikationspause und der Möglichkeit zum fachlichen Austausch mit den Referenten in Breakoutsessions wurde die Veranstaltung durch den Vortrag von Thomas Großmüller, Nahmobilitätskoordinator der Stadt Regensburg, mit dem Thema Mobilität und Radverkehr im Großraum Regensburg abgeschlossen.

Großmüller erläuterte die Potentiale und die Zielsetzung der Stadt Regensburg zur Reduzierung der CO2-Emissionen um 80 bis 95 Prozent bis zum Jahr 2050. In diesem Zusammenhang kommt der Förderung des Radverkehrs eine zentrale Rolle zu. Die Zielsetzung des Stadtratsbeschlusses „Fahrradfreundliches Regensburg“ hat dabei das Ziel, den Anteil des Radverkehrs auf 30 Prozent bis 2035 zu steigern. Großmüller gab einen Überblick über die aktuellen Aktivitäten zur Verbesserung und zum Ausbau des rund 200 Kilometer langen Radverkehrsnetzes im Stadtgebiet. Derzeit laufen Planungen zur Verbesserung der neun Fahrradstraßen, der Fahrradabstellanlagen und der konsequenten Verbesserung der Verkehrssicherheit für Radfahrer an Knotenpunkten durch beispielsweise vorgezogene Aufstellbereiche, bessere Markierungen und Beschilderungen sowie teilweise gesonderte Signalisierungen. Um die ganzjährige Befahrbarkeit einzelner Verbindungen zu verbessern werden im Stadtgebiet in den nächsten Jahren punktuelle Asphaltierungen von bisher unbefestigten Radwegen umgesetzt. Außerdem arbeitet die Stadt aktiv an der Vernetzung des Radwegenetzes mit dem Umland und erarbeitet derzeit auf Grundlage des Radentscheids aus dem Jahr 2019 ein Hauptradroutennetz. Neben dem Thema Radverkehr erläuterte Großmüller am Beispiel des TechCampus die Konzepte zur Förderung der Nahmobilität mit dem Ziel der Verkehrsvermeidung durch möglichst umfassende ortsnahe Angebote sowie eine ortsnahe Vernetzung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Die Zielsetzung ist dabei klar, das Hauptziel liegt in der Verkehrsvermeidung.

Das Ziel des Workshops, mit aktuellen Fragen zur Mobilität und Fachfragen aus dem Betonstraßenbau Baufachleute aus Ämtern, Behörden und dem kommunalen Bereich über aktuelle und innovative Entwicklungen zu informieren, ging erneut auf. Die Teilnehmer*innen diskutierten angeregt über die Fachthemen. Die Durchführung als hybride Veranstaltung hat sehr gut funktioniert und den Teilnehmerkreis bei Einsparung von CO2 infolge entfallener Anreisen erweitert. Prof. Dipl.-Ing Andreas Appelt bedanke sich abschließend sehr herzlich bei allen Beteiligten und insbesondere bei den Mitarbeiter*innen der Fakultät für die reibungslose Organisation dieses technisch aufwendigen Formates. Eine Fortführung der Veranstaltung im Jahr 2022 wurde bereits fest vereinbart.

Zurück