Experte für Interkulturalität war Gast der Hochschule

22.12.2009
Von: Feuerer, Diana

Der Festvortrag von Dr. Albert Schmid, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, zum Thema Interkulturelle Kommunikation im Kontext von Migration, Integration und Religion“ auf der Akademischen Jahresfeier 2009 unterstreicht eines der profilgebenden Themen der Hochschule Regensburg

Dass die Hochschule Regensburg sich dem Thema „Interkulturalität“ besonders annimmt, machte auch die Festansprache der diesjährigen Akademischen Jahresfeier deutlich. Dr. Albert Schmid, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sprach über „Interkulturelle Kommunikation im Kontext von Migration, Integration und Religion“. Im Folgenden eine Zusammenfassung der interessanten Ansprache von Dr. Schmid:


Zu Beginn seiner Rede zitierte Dr. Albert Schmid Papst Benedikt XVI.: „Echte Kulturen sind weder in sich selbst verschlossen noch in einem bestimmten Augenblick der Geschichte erstarrt, sonden sie sind offen, mehr noch, sie suchen die Begegnung mit anderen Kulturen….“. Dr. Schmid machte deutlich, dass das Phänomen großer Wanderungsbewegungen ein dauerhaftes sei. Wenn die Migration nicht zum Problem werden solle, müsse die Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen gelingen, so Schmid. Grundvoraussetzung sei dafür, dass Fremdheit nicht negiert werde. Dr.Albert Schmid verlas Auszüge aus „Die Große Wanderung“ von Hans Magnus Enzensberger. Der Text beschreibt die Begegnung von einander unbekannten Menschen in einem Eisenbahnabteil. Der Text beschreibt, wie ein neuer Passagier sich vom „Außenseiter“ zum „Eingeborenen“ entwickelt, sobald weitere Neuankömmlinge das Abteil betreten.

„Es geht nicht darum, das Fremde aufzuheben und zu beseitigen, sondern um ein Feststellen der Fremdheit und um die Frage: Wie ist mit dieser Fremdheit umzugehen?“, sagte Dr. Albert Schmid bei seiner Festansprache. Er nannte im Folgenden die Hauptbeweggründe für die internationale Migration: Die sogenannten 3D-Faktoren „development, demography and democracy“. Drei Prozent der Weltbevölkerung seien laut International Organization for Migration Menschen, die fern ihrer Heimat leben wollen oder müssen. Schmid betonte, dass die Migration ein Grundelement menschlicher Existenz sei, „Wanderungen gehören zur Conditio humana, wie Geburt, Fortpflanzung, Krankheit und Tod“.

Im Folgenden erläuterte der Festredner die Phasen der Zuwanderung nach Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Laut Einführung der offiziellen Wanderungsstatistik sind 38,4 Millionen Menschen zwischen 1952 und 2008 nach Deutschland gezogen, demgegenüber sind 28,5 Millionen Deutsche und Ausländer weggezogen. Daraus ergibt sich ein Wanderungsplus von 9,9 Millionen Menschen. Schmid klärte auf: „In Deutschland hat jeder Fünfte, also 20 Prozent der Bevölkerung, einen Migrationshintergrund“. Sei einigen Jahren sinken laut Schmid die Zuwandererzahlen. In Deutschland herrsche also aktuell mehr eine „gefühlte Zuwanderung“ als eine tatsächliche, zitierte Dr. Schmid den früheren deutschen Innenminister Wolfgang Schäuble. Integration definierte der Festredner im Weiteren als Respekt vor Identität bei gleichzeitiger Forderung nach Identifikation. Er rief die Integrationsangebote des Bundesamts für Migration und Flüchtling in Erinnerung.

Den Bogen zur Religion spannte Dr. Schmid über die größte Zuwanderergruppe in Deutschland, Einwanderer aus der Türkei. Die Religion sei ein bedeutender Faktor der Integration. Es gebe dabei zwei Strömungen, zum einen die zunehmende Säkularisierung, zum anderen die Fundamentalisierung. Er forderte „gegenseitigen Respekt“, um die Zukunft der Gesellschaft mit ihren Migranten zu gestalten. Dr. Schmid nannte die Deutsche Islam Konferenz einen ersten Schritt dahingehend, das Wissen über den Islam zu mehren. „Der Islam ist mittlerweile eine deutsche Religion“, sagte Dr. Schmid. Fünf Prozent der Deutschen sind Muslime, davon haben 45 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit. Er machte deutlich, dass stärkere Religiösität nicht gleichbedeutend mit Fundamentalismus sei, sie sollte vielmehr als Ressource für eine Integration genutzt werden. „In unserer Gesellschaft sind Religionsfreiheit und das Recht auf freie Selbstbestimmung unveräußerliche Güter. Das Bekenntnis zu einer Religion oder Religionsgemeinschaft darf aber nicht ausschließen, sich mit den Werten unserer Gesellschaft zu identifizieren“, sagte Dr. Schmid.

Abschließend stellte er fest, dass die Dynamik jeder Gesellschaft sich aus der Interaktion von Kollektiven ergebe und durch die Einwanderung ein weiteres Kollektiv hinzukomme. Das Auditorium spendete dem Festredner anerkennenden Applaus für die interessanten Einblicke in die Migrationsforschung.

Bild: Dr. Albert Schmid, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtling bei seiner Festansprache während der diesjährigen Akademischen Jahresfeier.
Foto: Feuerer

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