Studierendenvertretung damals und heute

Das Engagement der Studierenden hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte stark gewandelt. Die Möglichkeiten zur Beteiligung und Mitsprache sind vielfältiger geworden, der Campus dadurch bunter. Die OTH Regensburg ist dank der Studierendenvertretung nicht nur ein Ort des Studierens und Forschens, sondern auch ein Ort der Gemeinschaft und des Miteinanders.

Jubiläumsgeschichte Studierendenvertretung
Foto: OTH Regensburg/Mitch Rue

Durch die Einführung des Hochschulgesetzes Ende 1973 wurde auch in Bayern die Vertretung der Studierenden in verschiedenen Gremien der Hochschulen einheitlich gesetzlich verankert. Überbleibsel von Infotafeln am OTH-Regensburg-Standort Prüfening geben Aufschluss darüber, dass es einst den RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) an der damaligen Fachhochschule Regensburg gab und sich der Sprecher*innenrat wohl, wie dies vor allem an Universitäten üblich war, AStA, kurz für Allgemeiner Studierenden Ausschuss, nannte. „Heutzutage sind wir sehr froh, dass sich dies nicht gehalten hat, da wir unsere Zusammenarbeit lieber gemeinsam gestalten und an einem Strang ziehen, anstatt uns in politisch motivierten ideologischen Grabenkämpfen wiederzufinden“, teilt die amtierende Studierendenvertretung mit.

Vereine für Feste und Firmenmessen

Typisch für die Entwicklung der Studierendenvertretung ist die Entstehung von studentischen Vereinen: Im Jahr 1988 wurde der USO e.V. gegründet. Bis Anfang der 2000er-Jahre war für gewöhnlich jede*r studentische Vertreter*in Mitglied der Unabhängigen Studentenorganisation (USO), egal ob auf damaliger Fachbereichsratsebene oder hochschulweit. Durch die Gründung der USO erlangten die Studierendenvertreter*innen auch die Möglichkeit sich selbst rechtlich – beispielsweise bei Veranstaltungen – zu vertreten und die damit einhergehenden eigenen Finanzen zu verwalten. Auch heute noch veranstaltet die USO das OTH-Regensburg-Fest, ein Schafkopf-Turnier sowie die USO-Kneipenrallye.

1996 fand dann die erste CONNECTA-Firmenmesse statt. Anfänglich wurde diese in Zusammenarbeit zwischen der USO, des studentischen Sprecher*innenrats und des Forums Sozialwesen organisiert, erst später gründete sich dafür der CONNECTA e.V. Dieser Verein ist nach Auffassung der Studierendenvertretung ein „herausragendes Aushängeschild der OTH Regensburg“, unter anderem, weil auf der Firmenmesse viele Studierende ihre Praktika oder erste Arbeitgeber finden.

Jubiläumsgeschichte Studierendenvertretung - Campusfest
Foto: OTH Regensburg/Mitch Rue

Was 2008 mit einem Sommerfest für das Jahr der Mathematik begann, welches die Fachschaft Informatik und Mathematik mit Unterstützung der Fachschaft Elektro- und Informationstechnik organisierte, setzte sich im Folgejahr, diesmal geplant und umgesetzt vom studentischen Konvent, fort. Das waren die Anfänge des mittlerweile über 40 Menschen starken Campus Regensburg e.V. Studierende der OTH Regensburg und der Universität Regensburg nutzen die einmalige Lage ("zwei Hochschulen – ein Campus") und stellen jedes Jahr ehrenamtlich zwei Events auf die Beine: das Campusfest Winteredition und das große Campusfest mit mittlerweile vier Bühnen und über 50 Ständen zum Semesterende. Der Standbetrieb erfolgt durch die Fachschaften des Campus, womit diese meist den Großteil ihres Finanzbedarfs erwirtschaften.

In den 2000er-Jahren begannen die Fachschaften sich immer stärker von der USO zu emanzipieren, um die Studierenden fakultätsspezifischer unterstützen und auf Fakultätsebene hochschulpolitisch vertreten zu können. Die Fachschaften konnten nach und nach eigene Büros ergattern und gründeten teilweise eigene Vereine. Durch die Bolognareform und die Novellierung des Bayerischen Hochschulgesetzes 2006, die auch die Einführung von Studiengebühren beinhaltete, kam es auch zu einer zunehmenden Politisierung der Arbeit der studentischen Vertreter*innen und der Studierenden. Immer wieder kam es zu studentisch organisierten Aktionen. Angefangen 1997 bei einer einwöchigen Teilbesetzung der Gebäude in Prüfening, welche mitunter zum Ziel hatte, die Einführung der Studiengebühren zu verhindern, über Hörsaalbesetzungen 2009 bis hin zum Hör-Zeltprotest 2010, den die Studierendenvertretung als besonderen Ausdruck studentischen Engagements in Erinnerung hat.

Die Studiengebühren wurden wieder abgeschafft und vom Freistaat mit den sogenannten Studienzuschüssen kompensiert. Damit blieb die studentische Mitbestimmung in paritätisch besetzten Vergabegremien sowohl auf Fakultäts- als auch auf Hochschulebene. Die Studierendenvertretungen haben damit effiziente Möglichkeiten, die Studienbedingungen zu verbessern und damit den Campus, aber auch Lehre und Forschung mitzugestalten.

Ein Zuhause im Herzen des Campus

Jubiläumsgeschichte Studierendenvertretung - Studierendenhaus
Foto: OTH Regensburg/Mitch Rue

Aufbauend auf dem verantwortungsvollen Umgang dieses paritätischen Mitbestimmungsrechts und der guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Hochschulleitung und der allgemeinen Studierendenvertretung ist die Umsetzung des Studierendenhauses möglich geworden. Das Studierendenhaus ist dabei größtenteils durch Studienbeiträge finanziert worden. „Dieses Gebäude gibt uns nun im Herzen des Campus ein Zuhause“, ist die amtierende Studierendenvertretung überzeugt. Und weiter: „Ohne die studentischen Ideen hätte der Campus ein anderes Gesicht. Die Studierenden sind nicht nur bloßer Gast für einige Jahre, sondern das Studium ist ein Lebensabschnitt, der essenziell zur Entwicklung der Persönlichkeit eines Menschen beiträgt.“

Die Studierendenvertretung betont in diesem Zusammenhang „unermüdliches, jahrelanges Engagement von vielen Einzelpersonen, denen wir allen unglaublich dankbar sein dürfen“. Die Studierenden würden hier dabei unterstützt, ihr Studium möglichst erfolgreich absolvieren zu können – und das nicht nur im Sinne der Noten.

Video: Philipp Schulze-Frenking