Das Johannes-Kepler-Polytechnikum

Ingenieursausbildung in den 1960er-Jahren: Ehemalige Absolventen des Johannes-Kepler-Polytechnikum (JKP), der Vorgängerinstitution der FH Regensburg und heutigen OTH Regensburg, erinnern sich an ihre Ausbildung – an der ersten Rechenanlage, der ZUSE Z23, bei Prof. Alfred Falter, der damals gerade aus den USA zurückgekehrt, seine Studenten in die digitale Welt einführte.

Jubiläumsgeschichte Johannes-Kepler-Polytechnikum
Foto: Günter Spießl, Hartwig Hoffmann, Uwe Luckner

Zu den 42 Absolventen der Nachrichtentechnik, die am 19. Juli 1967, den Ingenieurstitel verliehen bekamen, gehört Günter Spießl. Gemeinsam mit seinen ehemaligen Kommilitonen Hartwig Hoffmann und Uwe Luckner hat er über die Jahrzehnte hinweg immer wieder Semestertreffen organisiert, an denen bis vor zehn Jahren regelmäßig auch Prof. Alfred Falter, der 2017 im Alter von 84 Jahren verstorben ist, teilgenommen hat. „Professor Falter hat unsere Berufswege, wohin sie uns auch geführt haben, stark geprägt“, sagt Günter Spießl. Als Elektroingenieure in der Entwicklung und Planung oder im Management bei Firmen wie Siemens, Bosch, Grundig oder der Deutschen Post, konnten sie aufbauen auf das, was sie bei ihrem Dozenten für Nachrichtentechnik und Datenverarbeitung gelernt hatten. „Wir waren ab Oktober 1964 das erste Semester von Professor Falter“, sagt Günter Spießl. Und: „Wir waren etwa im 3. oder 4. Semester, also so um 1965/1966, als die legendäre Rechenmaschine im Keller installiert wurde.“

Jubiläumsgeschichte Johannes-Kepler-Polytechnikum
Foto: Günter Spießl, Hartwig Hoffmann, Uwe Luckner

Damit meint Günter Spießl die ZUSE Z23, eine Rechenanlage, die die Studierenden elektrisierte: sie durften Pioniere der Digitaltechnik sein; die Maschine mit 2.700 Transistoren, 6.800 Dioden und einem lautstark rotierenden Magnettrommelspeicher mit 8.192 Wörtern / je 40 Bits war damals eine technische Errungenschaft. Sein Expertenwissen über derartige Anlagen brachte Prof. Falter aus seiner Tätigkeit bei General Electric in den USA mit, wo er während der vier Jahre vor Antritt seiner Lehrtätigkeit am JKP an der Entwicklung rechnergestützter Elektronik gearbeitet hatte. Die Z23 wurde zehn Jahre lang, also auch noch an der FH Regensburg, in der Programmierausbildung eingesetzt.

Das Johannes-Kepler-Polytechnikum existierte unter diesem Namen seit 1961 und hatte als Studiengänge Hochbau, Tiefbau, Maschinenbau und Elektrotechnik im Angebot. Das Gebäude in der Prüfeninger Straße hatte der Bezirk Oberpfalz ursprünglich für seine Bauschule errichten lassen. Es war für 1.000 Studierende konzipiert. Im Jahr 1964 übernahm der Freistaat Bayern die gesamte Einrichtung. Das JKP ging 1971 in die Fachhochschule Regensburg über, an der bereits im Gründungsjahr 1.428 Studierende immatrikuliert waren. Günter Spießl und seine ehemaligen Kommilitonen – in ihrem Jahrgang befand sich keine einzige Frau – haben ihre alte Lehrstätte immer wieder besucht.