Perfekte Welle

Das Betonkanu-Team der OTH Regensburg gehört zu den besten in Deutschland.

Jubiläumsgeschichte Betonkanuregatta
Foto: Betonkanu-Team

Beim Tüfteln am perfekten Boot packt die Studierenden der Ehrgeiz. Sie experimentieren mit neuer Schalung, verändern bisweilen etwas die Form des Kanus oder die Rezeptur des Leichtbetons. „Ein Team hat sogar mal Sensoren ins Boot eingebaut“, erzählt Magdalena Pax. Sie ist eine von vier Projektleiterinnen der Betonkanu-Gruppe der OTH Regensburg. Seit ihrem zweiten Semester feilt sie mit an der Entwicklung der Wasserfahrzeuge. „Es ist schon zeitaufwändig, neue Dinge herauszufinden. Aber jetzt haben wir den perfekten Beton“, erzählt sie zufrieden.

Seit dem Jahr 2005 gibt es das Betonboot-Team der Fakultät für Bauingenieurwesen. Prof. Dr. Wolfgang Kusterle begleitet jedes Jahr den Entwicklungs- und Bauprozess der beiden wettkampftauglichen Kanus – aus seiner Sicht eine wertvolle Erfahrung für die Studierenden, ihr theoretisches Wissen aus dem Studium direkt anzuwenden. „Hier setzen die angehenden Bauingenieur*innen ihre eigenen Entwurfskonzepte in die Praxis um und bewältigen dabei viele Herausforderungen“, führt er aus.

Für den Bau der Kanus untersucht das rund 30-köpfige Team zunächst an Probekörpern das Materialverhalten und testet die Betonrezeptur. Dann wird die Mischung aus Zement, feinem Sand, Glashohlkugeln und einigen Zusatzstoffen in eine davor selbst gebaute Schalung gespachtelt und dabei textile Bewehrungeingebettet. „Da müssen alle mithelfen. Das Boot wird an einem Tag gebaut“, erzählt Pax. Etwa eine Woche lang müssen die gut 60 Kilogramm schweren Kanus schließlich feucht gehalten werden, damit der Beton nicht reißt. Schließlich werden sie abgeschliffen und teils bemalt, passend zum jeweiligen Motto. "Silberpfeil und Ferrari" oder "Bonnie und Clyde" nennen die Studierenden ihre Boote liebevoll und designen noch passende Team-Shirts dazu.

„Wenn man mal dabei ist, will man unbedingt gewinnen“

Nach regelmäßigen Trainingseinheiten an der Donau, bei denen der Regensburger Kanu-Club die Studierenden unterstützt, starten die Studierenden meist sehr erfolgreich bei Regatten. Bei der Deutschen Betonkanu-Regatta 2013 etwa hat das Damenteam sämtliche Mannschaften aller deutschen Hochschulen und Universitäten hinter sich gelassen und erreichte nach den holländischen Meister*innen von der Universität Twente aus Ensched Platz zwei – bei mehr als 100 teilnehmenden Teams.

„Die OTH Regensburg ist eigentlich immer unter den ersten drei“, berichtet Pax. Sie selbst ist bei den Wettkämpfen als Team-Captain dabei, kämpft aber auch mit dem Stechpaddel um eine gute Platzierung. Als sie damals zur Projektgruppe kam, ging es ihr vor allem um die Gemeinschaft. „Aber wenn man mal dabei ist, will man unbedingt gewinnen.“ Neben Teamgeist, sportlichem Ehrgeiz und der direkten Anwendung ihrer Studieninhalte sprechen für Pax noch viele weitere Gründe für eine Mitgliedschaft im Betonkanu-Team. „Man bekommt ein Gefühl für den Beton und es macht Spaß, selber etwas zu bauen“, zählt sie auf. „Inzwischen gibt es bei entsprechender Leistung sogar Credits dafür.“

Und manchmal begegnet den Studierenden diese Faszination in der Arbeitswelt wieder. Viele Kolleg*innen, erzählt Pax, seien selber in ihrer Studienzeit in Betonkanu-Teams aktiv gewesen. „Da hat man sofort ein gemeinsames Thema. Das verbindet.“