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Wie LNG-Tanker dank optimierter Routen Geld und zugleich CO2 einsparen

18.11.2022

Hochschulgründertag 2022: OTH Regensburg, Universität Regensburg und OTH Amberg-Weiden zeichnen innovative Start-ups aus.

Prof. Dr. Sean Patrick Saßmannshausen (Mitte) zeichnete Eugen Tereschenko (li.) und Leonhardt Abt vom Start-up Calypso Commodities mit dem Hochschulgründerpreis der OTH Regensburg aus.

Prof. Dr. Sean Patrick Saßmannshausen (Mitte) zeichnete Eugen Tereschenko (li.) und Leonhardt Abt vom Start-up Calypso Commodities mit dem Hochschulgründerpreis der OTH Regensburg aus.

Prof. Dr. Sevim Süzeroglu-Melchiors (li.) zeichnete das Team Signovative für die „beste Idee aus dem Masterstudiengang Digital Entrepreneurship“ an der OTH Regensburg aus. Foto: OTH Regensburg/Wolfgang Voigt

Prof. Dr. Sevim Süzeroglu-Melchiors (li.) zeichnete das Team Signovative für die „beste Idee aus dem Masterstudiengang Digital Entrepreneurship“ an der OTH Regensburg aus. Fotos: OTH Regensburg/Wolfgang Voigt

Flüssigerdgas ist in aller Munde. Wie man durch die Optimierung der Routen von LNG-Tankern viel Geld und zugleich viel CO2 einsparen kann, damit beschäftigen sich Eugen Tereschenko, Absolvent des Masterstudiengangs Mathematik an der OTH Regensburg, und seine Firma Calypso Commodities. Und dafür erhielt das Start-up jetzt den Hochschulgründerpreis der OTH Regensburg. Prof. Dr. Sean Patrick Saßmannshausen, Leiter des start-up centers der Hochschule, übergab den Preis beim gemeinsamen Hochschulgründertag der OTH Regensburg, der Universität Regensburg und der OTH Amberg-Weiden. Die drei Oberpfälzer Hochschulen arbeiten im Rahmen des Verbundprojekts O/HUB eng im Bereich der Gründungsförderung zusammen.

Calypso Commodities optimiert mit einem komplexen Algorithmus die Routen von LNG-Tankern. Eugen Tereschenko, 2021 bereits mit dem Innovationspreis der Josef-Stanglmeier-Stiftung und dem Hochschulpreis der Stadt Regensburg ausgezeichnet, gründete das Unternehmen zusammen mit Michael Schach, den er beim Studium an der Universität Oxford kennengelernt hatte. Die wissenschaftlichen Grundlagen für die mathematische Modelle und Lösungen, die Calypso Commodities anbietet, legte Tereschenko in seiner Masterarbeit an der OTH Regensburg. Betreuer Prof. Dr. Stefan Körkel bescheinigte ihr „das Niveau einer Doktorarbeit“. Michael Schach brachte umfangreiche Kenntnisse in der Verschiffung von LNG ein.

Viel Lob für den Start-up-Standort Regensburg

Das Start-up Calypso Commodities befindet sich auf Expansionskurs: Erst im Herbst 2021 gegründet, konnten inzwischen beachtliches Investmentkapital eingeworben, erste Kunden gewonnen und mehrere Mitarbeitende eingestellt werden. Inzwischen bestehen Büros in London, Berlin und – natürlich – Regensburg. Die Oberpfälzer Metropole sei der perfekte Standort für Start-ups, fand Tereschenko. Es gäbe mit dem Start-up Lab eine hervorragende Infrastruktur an der OTH Regensburg, ein hervorragendes Netzwerk, kurze Wege und schnelle Entscheidungen sowie einen großen Pool an talentierten, gut ausgebildeten Arbeitskräften aus den Hochschulen.

Das Lob für die Region freute nicht nur Prof. Dr. Saßmannshausen. Auch Landrätin Tanja Schweiger betonte beim Hochschulgründertag, wie wichtig Start-ups und neue Ideen seien. Stadt und Landkreis böten viele Chancen, als toller Standort, als Quelle für qualifizierte Arbeitskräfte, als Heimat mit einem super Natur- und Erholungswert, aber auch in Bezug auf die Gründungschancen, die sich in der Region bieten. Das Landratsamt arbeitet in verschiedenen Projekten, unter anderem in der Regional- und Wirtschaftsförderung, eng mit dem start-up center der OTH Regensburg zusammen.

Simulationssoftware für elektromechanische Systeme

Den O/HUB-Hochschulgründerpreis der Universität Regensburg überreichte Petra Riedl, Gründungsberaterin von FUTUR. Diesen erhielten die Gründer der Persystems GmbH, Dr. Tobias Lautenschlager und Dr. Camilo Moreno. Die Idee zur Firmengründung entstand aufgrund der am Institut für Theoretische Physik an der Universität Regensburg erworbenen mathematischen und physikalischen Fähigkeiten in Kombination mit beruflicher Erfahrung in der Elektroindustrie. Die beiden Gründer entwickeln eine Simulationssoftware für elektromechanische Systeme, insbesondere für elektrische Motoren, Maschinen, Antriebe und Schaltkreise.

Für die OTH Amberg-Weiden zeichnete O/HUB-Gründungscoach Dr. Bastian Vergnon das Projekt medespro aus. Mit der Entwicklung einer nutzerzentrierten Wund-Applikation möchten Alexandra Hoyer und Philipp Götz die Dokumentation von chronischen und akuten Wunden optimieren, eine Hilfe unter anderem für viele Diabetes-Patienten.

Barrierefreie Verständigung zwischen Hörenden und Gehörlosen

Als „beste Idee aus dem Masterstudiengang Digital Entrepreneurship“ an der OTH Regensburg zeichnete Studiengangleiterin Prof. Dr. Sevim Süzeroglu-Melchior das Start-up Signovative aus. Signovative möchte mit einer App die barrierefreie Verständigung zwischen hörenden und gehörlosen Menschen ermöglichen. In Echtzeit wird Gebärdensprache in Sprache umgewandelt – und umgekehrt. „Eine großartige Idee!“, befand die Professorin.

Den O/HUB-Netzwerkpreis der drei Hochschulen erhielt HOCHSPRUNG aus den Händen von Wolfgang Voigt, Jutta Gügel (Leiterin von FUTUR an der Uni Regensburg) und Bastian Vergnon. HOCHSPRUNG ist das Entrepreneurship-Netzwerk der bayerischen Hochschulen. Es fördert die Entrepreneurship-Kultur und bringt die Akteure der Gründungsförderung zusammen. HOCHSPRUNG bietet zudem Studierenden in Bayern eine Vielzahl an Programmen rund am das Thema Entrepreneurship an. Mit dem O/HUB-Netzwerkpreis dankt das O/HUB-Team jährlich einem herausragenden Netzwerkpartner.

Tipps für Gründer*innen von Eduard B. Wagner

Als Keynote-Speaker gab schließlich Eduard B. Wagner, Vorsitzender des Vereins der Freunde der OTH Regensburg sowie Gründer und Geschäftsführer der INSYS Microelectronics GmbH, den Gründerinnen und Gründern Tipps mit auf den Weg. Er riet ihnen zu Ausdauer, aber auch dazu, an sich und ihre Ideen zu glauben. Leidenschaft und Zuversicht müssten sich mit nüchterner Analyse paaren. Mitmenschlichkeit im Umgang mit anderen, einschließlich der Mitarbeitenden und der Geschäftspartner, sei ein wichtiger Ratgeber für eine erfolgreiche Gründung. Anders als die großen Konzerne könnten Start-ups und Mittelständler sehr viel weniger systemisch und sehr viel stärker durch Handlungsautonomie, durch die Freiheit unternehmerischer Entscheidungen gesteuert werden. Entscheidungen seien nicht nur auf der Basis nüchterner Zahlen zu treffen, sondern auch vor dem Hintergrund ethischer Reflektion. Es lohne sich, auch mal auf das Bauchgefühl zu hören.

Den Wert für die Gesellschaft im Blick

Nicht der finanzielle Wert eines Unternehmens sei allein entscheidend, sondern mehr noch dessen gesellschaftlicher Wert, ein ausgewogener Nutzen aus der Sicht möglichst aller Beteiligten. Zuletzt gab Eduard Wagner noch den Rat, dass man sich als Gründerin oder Gründer mit Menschen mit einer positiven Energie umgeben sollte. Es gäbe Menschen, die alles notorisch schlecht sähen und einen nach unten zögen. Als Gründer erlebe man genug Rückschläge, da brauche es ein entsprechendes Umfeld, das Mut spende und zum Optimismus verhelfe. Diese Energie übertrage sich sicherlich auch auf die Erfolgschancen eines Start-ups.

O/HUB-Verbundkoordinator und Gründungsberater Wolfgang Voigt führte durch das Programm des Hochschulgründertags, der die zentrale Veranstaltung der Hochschulen zur Global Entrepreneurship Week ist.

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