Kinder geben LITTLEtech Bestnoten

30.07.2010
Von: Hanna Gieffers

Heike Ruthman und Maren Ruwwe nehmen in ihren Diplomarbeiten das Experimentierkisten des Projekts LITTLEtech genauer unter die Lupe.

Ein kleines, grünes Auto flitzt an den Mädchen und Jungen im Unikum-Kindergarten vorbei. Heike Ruthman, Diplomantin an der Hochschule Regensburg, hat es losgeschickt: ein aufgeblasener Luftballon, der am Heck des Autos befestigt ist, ist der "Motor". Das Luftballon-Auto ist nur eines der Experimente, die die Kinder durch die LITTLEtech-Technikkiste kennengelernt haben. Heike Ruthman und Maren Ruwwe nehmen in ihren Diplomarbeiten das LITTLEtech-Programm genauer unter die Lupe. Mit dem Projekt LITTLEtech will die HS.R ein vielseitiges Angebot auf dem Gebiet der technisch-naturwissenschaftlichen Bildung im Vorschulbereich bieten.

Maren Ruwwe, Absolventin der Betriebswirtschaftlehre hat sich in ihrer Abschlussarbeit bei Prof. Dr. Karl Heinz Huber mit dem Thema beschäftigt, wie man bereits in der Frühpädagogik dem Nachwuchsmangel in den MINT-Fächern (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik) entgegenwirken kann. Ihre Arbeit bestätigt, dass bereits im Kindesalter angefangen werden muss, den Rollenstereotypen des mit rosa Puppen spielenden Mädchens und des Bauklötzen stapelnden Jungen aufzuweichen. Denn bereits heute fehlen den Unternehmen besonders junge Ingenieurinnen. Die Technikkisten sollen deshalb gerade bei Mädchen in der frühkindlichen Bildungsphase eine Grundlagen für einen offenen und nachhaltigen Umgang mit Naturwissenschaft und Technik schaffen.

„Ich fand diesen Bereich für meine Diplomarbeit unheimlich spannend, da er sehr gut Theorie und Praxis vereint“, erklärt die 29-jährige Diplomantin Ruwwe ihre Themenwahl. Nach der Konstruktivismustheorie haben Kinder bereits im Vorschulalter sogenannte „windows of opportunities“. In diesen Zeitfenstern entwickeln sich ihre Lernkompetenzen besonders gut. Und genau da setzten die Technikkisten an. „Komplizierte, naturwissenschaftliche Sachverhalte werden auf spielerische Weise kindgerecht dargestellt.“, sagt Armin Gardeia, Projektleiter des Projekts. „Bei den 27 Experimenten kommt es deshalb besonders darauf an, dass die Kinder möglichst viel selber ausprobieren können und ein Erfolgserlebnis haben. Das ist viel wirksamer als das oft in der Schule angewandte Vormachen und Nachmachen“, fügt er hinzu.

Die Praxis bestätigt das. Die Finger fast aller zwölf Kinder-Wissenschaftler, die im UNIKUM-Kindergarten mit den Technikkisten experimentiert haben, schnellen in die Höhe, als Heike Ruthmann fragt, an welche Experimente sie sich noch erinnern können. Jedes Kind hat erstaunlich detaillierte Erinnerungen an die Experimente. Mit leuchtenden Augen erzählen sie von Flaschenzügen, von drei Stäben aus Holz, Eisen und Plastik die unterschiedlich schnell warm geworden sind und von einer Flamme, die unter einer Glasglocke erstickt ist. Sechs verschiedene Experimente haben die Kinder zum Schluss auf ein großes Plakat gemalt.

Dieses Plakat wird Heike Ruthmann unter anderem in ihrer Diplomarbeit auswerten. Die 38-Jährige hat vor ihrem Studium der Sozialen Arbeit an der HS.R bereits als Erzieherin gearbeitet und kommt jetzt für ihre Diplomarbeit zurück in die Kindergärten in Regensburg. Sie evaluiert das LITTLEtech-Projekt  aus pädagogischer Sicht. Drei Ebenen spielen für sie hierbei eine Rolle: das Interesse und die Nachhaltigkeit bei den Kindern, die Akzeptanz bei den Eltern und die Erfahrungen der Erzieherinnen. „Mich interessiert außerdem stark, ob es Unterschiede in den Herangehensweisen zwischen Mädchen und Jungen gibt“, sagt Ruthmann. Denn besonders bei Mädchen soll durch die frühe Heranführung an technische Themen eine mögliche Zugangsschranke überhaupt erst nicht aufgebaut werden.

Katrin Hellmut Franke, Erzieherin im UNIKUM-Kindergarten bestätigt, dass speziell Mädchen die Gruppe der kleinen Hobby-Forscher besonders angeregt haben und sich stärker durchsetzten konnten als Jungen. Der quirligen, sechsjähirgen Lisa hat besonders das Flaschenflöten gefallen. Sie wusste gar nicht, dass man verschiedene Töne aus den mit unterschiedlich viel Wasser gefüllten Flaschen herausbekommt und hat es gleich zu Hause nochmal ausprobiert.

Auch den anderen Kindern haben die Experimente Spaß gemacht. Das sieht man bei der Evaluation nach kindlicher Art: vor den zwölf Kindern liegen drei Smiley-Gesichter, ein lachendes, ein neutrales und eins mit heruntergezogenem Mund. Die Kinder sollen dem Smiley einen grünen Punkt draufkleben, der am besten zu den Experimenten passt. Der lachende Smiley sieht zum Schluss aus, als hätte er grüne Masern, so viele Punkte sammeln sich in seinem Gesicht. Auch auf die Frage hin, ob die Kinder in der Schule nie mehr Experimente machen wollen würden, kommt ein lautes und einstimmiges „NEEEIINN“ aus den kleinen Mündern. 

Bild 1: Die Kinder vom UNIKUM-Kindergarten geben den Experimenten in der Technikkiste volle Punktzahl! Die grünen Punkte auf dem lachenden Smiley sind der Beweis!

Bild 2: Lisa (sechs Jahre) kann sich noch sehr gut an das Experiment der mit Wasser gefüllten, pfeifenden Flaschen erinnern. Sie malt ihre Erinnerungen an die Experiment der Technikkiste bei dem Besuch der Diplomantin Heike Ruthmann (links) auf. Zusammen mit Projektleiterin Angela Golsong (rechts) besucht Heike Ruthmann Kindergärten, die an dem Projekt teilgenommen haben, um die Evaluationsergebnisse in ihrer Diplomarbeit zu analysieren. Fotos: Gieffers

 

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