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Patentanmeldung auf eine Papprolle

24.05.2018
Von: Stabsstelle Hochschulkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Seitan in der Mikrowelle: Ein gesundes und CO2-reduziertes Fertiggericht zaubern und warum aus dem Projekt "Wheatball" von Industriedesign-Studierenden doch keine geschützte Marke wurde.

Das Projekt „Wheatball“ startete als Gruppenarbeit von Industriedesign-Studierenden der OTH Regensburg und wurde fast bis zur Patentierung gebracht.

Das Projekt „Wheatball“ startete als Gruppenarbeit von Industriedesign-Studierenden der OTH Regensburg und wurde fast bis zur Patentierung gebracht.

Einfach schütteln bitte. – Das studentische Projekt „Wheatball“ beruht darauf, durch einfaches Schütteln und anschließendes Erwärmen in der Mikrowelle Fleischbällchen aus Seitan herzustellen.

Einfach schütteln bitte. – Das studentische Projekt „Wheatball“ beruht darauf, durch einfaches Schütteln und anschließendes Erwärmen in der Mikrowelle Fleischbällchen aus Seitan herzustellen. Fotos: OTH Regensburg

Eine Papprolle, die kaum größer als eine kleine Trinkflasche ist, dazu Wasser aus der Leitung und eine Mikrowelle: Das ist alles, was man heutzutage braucht, wenn man sich im Büro ein Mittagessen zaubern will. Zumindest, wenn man die zylindrische, aus recycelbarem Material hergestellte Papierrolle des Teams „Wheatball“ hat, deren Inhalt aus gewürztem Seitanpulver besteht.

Im fünften Semester ihres Industriedesign-Studiums an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) haben Matthias Seidl, Julia Parlow und vier weitere Kommilitoninnen beziehungsweise Kommilitonen das Projekt „Wheatball“ als Gruppenarbeit in Angriff genommen. Unter dem Motto „CO2-Reduktion in Bezug auf Fleischkonsum und -produktion“ erfanden sie ein durch Schütteln zuzubereitendes Fleischbällchen aus dem Fleischersatzprodukt Seitan, das in der Mikrowelle innerhalb von drei bis fünf Minuten hergestellt werden kann.  

Erfindungen, Schutzrechte und Patentierungen

Eine Entwicklung, die sich stark an der Endverbraucherin oder dem Endverbraucher orientiert und so doch eigentlich zur Marktreife gebracht werden könnte; das dachte sich wohl Prof. Rosan Chow, die das Projekt gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen der Fakultät Architektur betreute. Deshalb ermunterte sie das Team, ihr Produkt zum Patent anzumelden.

Da Julia Parlow und ihre Mitstreitenden durchaus von ihrer Idee überzeugt waren – „man hat keine schmutzige Schüssel abzuspülen, bekommt keine klebrigen Hände“, führte Parlow einige der Vorteile an –, wandten sie sich an die Erfinderberatung an der Universität Regensburg. Diese betreut die Universität, die OTH Regensburg, das Universitätsklinikum sowie die Technische Hochschule Deggendorf in Sachen Erfindungen, Schutzrechte und Patentierungen. Von dort aus sollte über die Bayerische Patentallianz GmbH ein europaweites Patent angemeldet werden. 

Im Vordergrund stand dabei die Verpackung: Die hatten die Industriedesign-Studierenden nicht nur aus recycelbaren Materialen und formschön konstruiert, sondern auch mit einer Funktion ausgestattet, die der Verbraucherin und dem Verbraucher zeigt, ob das Essen auch tatsächlich fertig ist: Denn die Dampfgarverpackung geht durch die Erwärmung in der Mikrowelle bis zu einer Markierungslinie nach oben und erzeugt so die gewünschte optische Resonanz.

Erfinderberatung für Studierende

Fortan nahm also die Erfinderberatung ihre Arbeit auf: Es wurde bei Großkonzernen nach Vermarktungsmöglichkeiten angefragt und nach etwaiger Konkurrenz gesucht. Letzteres war schließlich ausschlaggebend dafür, dass es mit der erhofften Patentierung doch nicht geklappt hat: „Ein Patent hatte zu viele Schnittmengen mit unserer Erfindung“, sagte Julia Parlow. Außerdem hätten die angefragten Konzerne kein Interesse gezeigt.

Seit wenigen Wochen wissen Matthias Seidl und Julia Parlow also, dass ihre Patentanmeldung gescheitert ist. Nun könnten sie privat versuchen, ihr Produkt doch noch auf den Markt zu bringen. Vielleicht sehen wir die beiden bald in der „Höhle der Löwen“ wieder? Die beiden Industriedesign-Studierenden lachen. Für beide steht nun im achten Semester erst einmal der erfolgreiche Studienabschluss im Vordergrund.  

Video: Essen mit Wheatball zubereiten

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