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"Vielfalt ist Tatbestand"

16.12.2014
Von: Hilde Wagner

135 Gäste informieren sich an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) über die Möglichkeiten zur Förderung ungenutzter Mitarbeiterpotenziale in Unternehmen.

Prof. Dr. Carina Braun

Prof. Dr. Carina Braun, Fakultät Betriebswirtscahft der OTH Regensburg, gibt "Denkanstöße zum Management personeller Vielfalt".

Eduard B. Wagner, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Freunde der OTH Regensburg e. V., begrüßte am 26. November 2014 die zahlreich erschienenen Gäste sowie die beiden Referenten und die Referentin zur Vortragsreihe "zu Gast bei Freunden". Das Vortragsthema "Diversity Management  - Förderung ungenutzter Mitarbeiterpotenziale" lockte 135 interessierte Zuhörer und Zuhörerinnen zu der Abendveranstaltung an die OTH Regensburg.

"Diversity ist ein Erfolgskriterium für Unternehmen" und "Vielfalt ist Tatbestand", konstatierte Prof. Dr. Carina Braun bei ihrem Vortragsthema "Denkanstöße zum Management personeller Vielfalt". Die promivierte Personalcontrollerin, die an der Fakultät Betriebswirtschaft der OTH Regensburg lehrt, sagte: "Durch den demographischen Wandel gibt es eine Lücke von sechs Millionen Fachkräften". In Zahlen führe das zu einem jährlichen wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe.

Um als Unternehmen dem demographischen Wandel, steigender Generationenvielfalt und neuen Lebenswirklichkeiten von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu entgegnen, gebe es laut Prof. Dr. Carina Braun kein Pauschalkonzept. Dennoch appelliert Braun: "Unternehmen müssen mit Veränderungen Schritt halten und Personaler sich auf sehr individuelle Lebensweisen der Mitarbeiter einstellen". Zielgruppendefinition, Management-Konzepte und die intensive Kommunikation des Themas Diversity seien in Unternehmen unbedingt erforderlich.

"Ich unterbreche die Rush-hour meines Lebens"

Peter Purainer, Director Human Resources Regensburg von Infineon Technologies AG, knüpfte an den Vortrag der Professorin an und betonte: "Wir sehen Diversity als Gegebenheit und Stärke an". Purainer stellte heraus: "Mit Diversity Management wollen wir einen Mehrwert für Kunden bieten und ein guter Arbeitgeber sein".

Er wies auf die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung bei Infineon hin und sagte: Es seien auch einfache Dinge, die zur Lösung beitragen, wie flexible Arbeitszeiten oder ein integratives Arbeitsumfeld.  Auch eigene Diversity-Beauftragte würde Purainer in Unternehmen dringend empfehlen. Darüber hinaus wolle sich Infineon in Zukunft auch noch mehr auf Menschen mit Handicap fokussieren.

Aktuelle Trends wie Sabbaticals oder Schlagwörter wie "work life balance" umschrieb er bildhaft mit "ich unterbreche die Rush-hour meines Lebens" und fasste zusammen: "Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen brauchen mehr Flexibilität von Dauer und Belastung". Wobei nach Purainers Meinung der Kulturwandel in den Firmen durch Kommunikation erst "in die Köpfe einsickern" müsse, was ohne die Geschäftsleitungen nicht möglich wäre. Zu den erforderlichen Schritten und Zielen, wie beispielsweise das Missverhältnis des Frauenanteils in Führungspositionen auszugleichen, meinte er abschließend: "Wir sind gut unterwegs aber in der Arbeitswelt gibt es noch viel zu tun." 

"Kein Platz für Rassissmus"

Markus Bußinger, Personalleiter der Schneider Electric Sachsenwerk GmbH in Regensburg, stellte zunächst sein Unternehmen vor. Mit rund 850 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verglich er das Sachsenwerk in Regensburg mit der Größe eines mittelständischen Unternehmens, das jedoch eingebettet in den Schneider Electric Konzern mit etwa 150.000 Beschäftigten sei. Das stark exportorientierte Unternehmen stellt in Regenburg gasisolierte Mittelspannungsschaltanlagen her. 

Seine Frage warum seine Firma Diversity Management brauche, beantwortete er gleich selbst: Allein im Vertrieb und Export von Schneider Electric Sachsenwerk GmbH seien Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus 20 verschiedenen Nationalitäten beschäftigt, um unter anderem besser auf Kunden in den Exportländern eingehen zu können. Außerdem gebe es weltweit 52 Sprachen sowie viele unterschiedliche Kulturen und Religionen im Schneider Konzern. 

Bußinger spickte seinen Vortrag mit vielen anschaulichen best practice-Beispielen. Es sei wichtig, regelmäßig über die Diversity Ziele und Maßnahmen nach innen und außen zu kommunizieren. Es gebe dazu diverse Broschüren und Imagefilme. Außerdem beteilige sich Schneider an etlichen Initiativen, wie "Kein Platz für Rassismus" oder "Charta der Vielfalt". Erst kürzlich erhielt die Firma den vom Unternehmensforum ausgelobten Inklusionspreis 2014. Um die unterschiedlichen Nationalitäten innerhalb des Unternehmens zu integrieren und zu unterstützen, würden unter anderem interkulturelle Trainings und Sprachkurse in Deutsch und Englisch angeboten. In der Kantine gehe man auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen ein.

Auch das Alter der Beschäftigten, das vom Auszubildenden mit 15 Jahren bis zum Senior-Mitarbeiter mit 67 Jahren variiere, bedinge laut Bußinger unterschiedlicher Maßnahmen in der Arbeitssicherheit, im Gesundheitsmanagement und im Bereich Ergonomie am Arbeitsplatz. Sport, Weiterbildung für jeden einzelnen Mitarbeiter, Suchtprävention und spezielle Programme für Auszubildende sowie Mitarbeiterbefragungen nannte er als weitere Maßnahmen im Programm der Firma.

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