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"Männer machen Karriere - Frauen auch!" war ein gefragtes Thema

03.12.2013
Von: Simone Schneider

Frauenquote, gemischte Teams und demografischer Wandel: Der Vortragsabend der Reihe "Zu Gast bei Freunden" des Vereins der Freunde der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) lockte rund 180 Interessierte an die Hochschule.

Verantwortliche und Beteiligte der Veranstaltung „Männer machen Karriere – Frauen auch!“ an der OTH Regensburg.

Verantwortliche und Beteiligte der Veranstaltung „Männer machen Karriere – Frauen auch!“ an der OTH Regensburg: (von links) Johann Spieß, Vorstandsvorsitzender Verein der Freunde der OTH Regensburg e. V., Prof. Dr. Susanne Nonnast, Fakultät Betriebswirtschaft, OTH Regensburg, Harriet Fronauer, Leiterin Produktion Lackapplikationen, BMW Werk Regensburg, Michael Staab, Personalleiter, Continental Automotive GmbH Regensburg, und Astrid Herzog, Geschäftsführerin, Verein der Freunde der OTH Regensburg. Foto: Simone Schneider

Der Verein der Freunde der OTH Regensburg e. V. hat im Zuge der Veranstaltungsreihe "zu Gast bei Freunden" einmal mehr einen interessanten Vortrag auf die Beine gestellt:  Unter dem Motto "Männer machen Karriere – Frauen auch!" referierten am 26. November 2013 Prof. Dr. Susanne Nonnast, stellvertretende Hochschulfrauenbeauftragte der OTH Regensburg, Michael Staab, Personalleiter der Continental Automotive GmbH Regensburg und Harriet Fronauer, Leiterin Produktion Lackapplikationen des BMW Werks in Regensburg vor rund 180 Anwesenden über Frauen und Männer zwischen Familie und Karriere.

Wie erwartet traf das Thema den Nerv der Zeit: Referenten und Veranstalter durften sich über einen bis auf den letzten Sitzplatz ausgebuchten Hörsaal freuen.

Positive Effekte von gemischten Teams nutzen

Johann Spieß, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Freunde der OTH Regensburg e. V., sah sich durch das große Interesse in der Themenwahl bestätigt. Durch die von der Großen Koalition angestrebte Frauenquote für Aufsichtsräte habe das Thema in den letzten Tagen zusätzlich an Fahrt aufgenommen. Er machte allerdings auch klar, dass es angesichts der wenigen Frauen in Spitzenpositionen "noch großer Anstrengungen bedürfe", um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Prof Dr. Susanne Nonnast, stellvertretende Frauenbeauftragte der OTH Regensburg, freute sich nicht nur über die große Zuhörerschaft, sondern insbesondere über den hohen Männeranteil im Publikum. Einen Frauenquote von 80 bis 90 Prozent bei ähnlichen Vortragsthemen sei nichts ungewöhnliches, sagte Prof Dr. Nonnast.

Umso besser fanden ihre Appelle Gehör, die vor allem an die Männer im Publikum gerichtet waren: Zum einen sei es Aufgabe von Mann und Frau, Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen. Die so genannte "Work-Life-Balance" sei kein ausgesprochenes Frauen-Thema und gut realisierbar, wenn beide Elternteile an einem Strang zögen.

Zum anderen stünden männliche Führungskräfte in der Pflicht, Frauen gezielt, vorurteilsfrei, vertrauensvoll und individuell zu fördern. Dies solle im besten Fall nachvollziehbar anhand von zuvor gesteckten Zielen überprüfbar sein: "Warten Sie nicht auf die Frauenquote, schaffen Sie sich ihre eigene!"

Denn nur so könne dem demografischen Wandel entgegengetreten und die positiven Effekte von "gemischten Teams" ausgenutzt werden. Den Frauen im Publikum riet sie, sich selbst besser zu vermarkten, sich den eigenen Karriereplan festzuzurren und immer vor Augen zu halten und eigene Netzwerke aufzubauen: "Scheuen Sie sich nicht, sich auch 'nach oben' zu vernetzen".

Potenziale ausschöpfen

Nach Meinung von Michael Staab, Personalleiter der Continental Automotive GmbH, sind gemischte Teams erfolgreicher. Um dieses Potenzial bestmöglich auszuschöpfen, setzt Continental im Personalmanagement auf "Diversity". "57 Prozent unserer technischen Auszubildenden sind heute Frauen", sagte Michael Staab.

Um dieses Ergebnis zu erzielen, wurden in den letzten Jahren einige Anstrengungen unternommen, damit Mädchen und Frauen auf Continental aufmerksam werden und diese "bei der Stange bleiben". So wurden beispielsweise "Tech Weeks" für Mädchen eingerichtet und bereits in der Grundschule sogenannte "KiTec"-Veranstaltungen abgehalten.

Zum Thema "interne Frauenquote" hat sich die Continental GmbH auf die Fahne geschrieben, bis 2020 den Frauenanteil in Führungspositionen von heute acht auf 16 Prozent zu verdoppeln. Jedoch sei dies vor allem in Positionen mit MINT-Background schwierig: "Frauen sind in diesem Bereich leider nach wie vor unterrepräsentiert", sagte Michael Staab.

Männerdomänen und Kulturwandel

Harriet Fronauer, Leiterin Produktion Lackapplikationen bei BMW Regensburg gewährte den Zuhörern und Zuhörerinnen einen sehr persönlichen Einblick in ihren Werdegang und den täglichen Herausforderungen einer Frau in einer typischen Männerdomäne. Man müsse sich den Unterschieden in Kommunikation und Verhaltensweisen zwischen Mann und Frau bewusst sein und sich daran anpassen: "Ich bin nach wie vor die einzige Frau in den Leiter-Besprechungsrunden und verschaffe mir im Zweifelsfall mit Lautstärke Gehör", fügte sie mit einem Schmunzeln hinzu. In ihren Anfangsjahren bei BMW habe sie beim Aufbau der Betriebskindertagesstätte "BMW Strolche" mitangepackt und sich oft mit dem Vorwurf "eine Rabenmutter" zu sein, auseinandergesetzt.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht sie auch heute noch als große Baustelle: "Das Betreuungsangebot, gerade bei älteren Kindern, ist immer noch ungenügend." Und die deutsche Besprechungskultur, Termine frühmorgens oder spätabends anzusetzen, mache die Situation für Mütter und Väter nicht gerade einfacher. Allerdings habe sie in den vergangenen Jahren einen Kulturwandel wahrgenommen: es gäbe immer mehr Frauen unter ihren Kollegen und Mitarbeitern und die Elternzeit sei für Männer längst kein Tabu-Thema mehr. Daher sei sie davon überzeugt, dass "wir Frauen unseren Weg machen werden".

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